Philosophen Uebersicht

Philosophen in der Zeitschiene (1354 v.Chr. bis 1944 n.Chr.) 1. Echnaton 2. Konfuzius 3. Meng-tse 4. Me-ti 5. Lao Tse 6. Tschuang-tse 7. Buddha 8. Aschoka 9. Orphiker 10. Pythagoras 11. Anaxagoras 12. Empedokles 13. Demokrit 14. Zoroaster 15. Heraklit 16. Platon 17. Sokrates 18. Aristoteles 19. Philon 20. Plotin 21. Avicenna 22. Averroes 23. Maimonides 24. Thomas von Aquino 25. Bacon 26. Duns Scotus 27. Occam 28. Marsilius 29. Hobbes 30. Kopernikus 31. Kepler 32. Gassendi 33. Galilei 34. Descartes 35. Spinoza 36. Leibniz 37. Kant 38. Hume 39. Lessing 40. Herder 41. Fichte 42. Schopenhauer 43. Hegel 44. Schelling 45. Marx 46. Kierkegaard 47. Dilthey 48. Spranger 49. Uexküll

1. Echnaton

Echnaton, ursprünglich Amenophis IV. (geb. ca. 1372, gest. 1354 v.Chr.), ägyptischer König der 18. Dynastie; vermutlich über 12 Jahre hinweg Mitregent zu Amenophis III. Bereits zu Beginn seiner Alleinherrschaft stellte er den traditionellen Polytheismus in Ägypten in Frage und bevorzugte Aton anstelle des Amun. Später unterdrückte er radikal den Amun-Kult, nannte sich selbst Echnaton ("Dem Aton gefällig"), ließ alle Amun-Tempel schließen und den Namen Amun überall von den Denkmälern entfernen. Gleichzeitig, in seinem 5. Regierungsjahr, gründete er Achet-Aton ("Horizont des Aton") als neue Hauptstadt; sie liegt in der Nähe des heutigen Tell Al Armarna in Mittelägypten. Aufgrund seiner tiefgreifenden Veränderungen in Religion und auch im Kunstverständnis wird seine Regierungszeit auch als "Amarna-Zeit" bezeichnet. Echnatons Hauptgemahlin war Nofretete, mit der er 6 Töchter hatte. 1.1 Atum Atum ist der altägyptische Urgott und Schöpfer der Welt. Sein Name wird interpretiert als der "noch nicht Vollendete" oder auch als "der Nichtseiende". Atum herrschte, bevor Himmel und Erde getrennt wurden. In den Pyramidentexten erscheint er als "Urhügel", als das erste, was aus dem Chaos auftauchte. Skarabäus und Schlange sind die ihm zugeordneten Tiere. Atum zeugte das erste Götterpaar, Schu (Luft) und Tefnut (Feuchtigkeit) durch Selbstbefruchtung, wobei die dabei betetiligte Hand als das in Atum ruhende weibliche Element personifiziert wurde. Später wurden Atum und Re gleichgesetzt, bei einer möglichen Differenzierung galt Atum als die Verkörperung der Abendsonne. 1.2 Amun Begriff Amun [ägyptisch = "Der Verborgene"] oder Ammon [griech.] ist ein altägyptischer Gott, im Alten Testament "Amon" und in mittelbabylonischen Urkunden "Aman" genannt, er wird bereits in den Pyramidentexten zusammen mit seiner Gattin Amaunet als Urgott erwähnt. Nach altägyptischer Deutung war er der im unsichtbaren Lufthauche Wirkende, zunächst also ein Windgott, ein Beherrscher der Lüfte. Seit der 11. Dynastie stieg er als Gott von Theben zusammen mit dieser Stadt und seiner Gattin Mut zum Götterkönig auf. Kult Amun wurde als ursprünglicher Schöpfergott im Bilde einer Gans verehrt, sonst ist der Widder sein heiliges Tier, dieses in seiner Eigenschaft als Fruchtbarkeitsgott. Auf Abbildungen trägt er eine von einem hohen Federpaar gekrönte Kappe, von der nach hinten ein Zierband herabhängt. Die Griechen setzten ihn dem Zeus gleich. 1.3 Nofretete Nofretete (um 1360 v. Chr.), altägyptische Königin, Schwester und Frau von Amenophis' IV. (Echnaton), ihre farbige Büste, 1912 in Amarna gefunden, ist in den Staatlichen Museen, Berlin-Dahlem, zu bewundern. HOCH Chinesische Denker:

2. Konfuzius

Erlebnisseite Chinesische Religionen "Konfuzius" ist die seit dem 17. Jahrhundert in Europa gebräuchliche latinisierte Form von Kung-fu-tse (geb. 551, gest. 479 v.Chr.), chinesischer Philosoph und Religionsstifter. Konfuzius lehrte eine rationale Sittenlehre, die Menschlichkeit, Respekt vor Alter und Weisheit, Nächstenliebe und persönliche Tugend umfaßt. Seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. war der Konfuzianismus in China allgemein verbreitete Grundlehre, seit dem 14. Jahrhundert n.Chr. die einzige zugelassene Staatsdoktrin. 2.1 Konfuzianismus Erlebnisseite Chinesische Religionen Der Konfuzianismus ist - neben dem Taoismus - eine der Religionen Chinas. Er geht zurück auf den Weisheitslehrer Konfuzius (551-479 v.Chr.). Viele sehen im Konfuzianismus eher eine Morallehre als eine Religion; ein zentrales Element ist die Anerkennung traditioneller Ordnungen. Denn das Ziel ist die harmonische Versöhnung von Gegensätzen, wie sie grundlegend im Yin und Yang zum Ausdruck kommen. Das Gedankengut des Konfuzianismus hat die Kultur Asiens bis heute stark geprägt.

3. Meng-tse

Meng-tse [geb. 372, gest. 289 v.Chr.] war ein chinesischer Philosoph, der die Lehre des Konfuzius von Ort zu Ort, namentlich an Fürstenhöfe getragen und sie auch dialektisch weitergebildet hat. Methodisch erinnert er an den platonischen Sokrates, wie denn auch die Form seiner Werke der Dialog ist. Aber sein Moralismus ist stark politischer Art. Das wichtigste Element in der Nation ist das Volk, das am wenigsten wichtige der Fürst, dessen Absetzung er sogar verlangt, wo er die Altäre der Geister des Kornes und des Landes in Gefahr bringt. Im Gefolge des Konfuzius betont Meng-tse mit besonderem Nachdruck die Güte der menschlichen Natur. Von Meng-tse stammt das schöne Wort: "Ich liebe das Leben und liebe die Gerechtigkeit, aber wenn ich nicht beides bewahren kann, so würde ich das Leben aufgeben und an der Gerechtigkeit festhalten". Seine Schriften zählen als vierter der klassischen Schu der Chinesen.

4. Me-ti

Auch Mo Ti, lat. Motius (geb. ca. 479, gest. 381 v. Chr.), chinesischer Philosoph, Gegner der Lehre des Konfuzius.

5. Lao Tse

Begriff Lao Tse, auch unter den neueren Schreibweisen Lao Tzu oder Laozi bekannt, war einer der wichtigsten Weisheitslehrer und Philosophen Chinas. Seine genaue Lebenszeit ist ungewiß, er lebte im 6. Jh. v.Chr. und war ein Zeitgenosse des Konfuzius. Über die Person des Lao Tse ist nicht viel bekannt, so daß manche Sinologen annehmen, daß es eine reale Person dieses Namens niemals gegeben hat und daß das berühmte Buch "Tao Te King" (heutige Schreibweise: "Daodejing") - das Buch vom Tao und vom Te - nicht von ihm stammt, sondern eine Sammlung chinesischer Weisheitssprüche ist, die unter dem Namen von Lao Tse veröffentlicht wurden. Da der Name "Alter Meister" bedeutet, stützt das noch diese Annahme. Legende Falls es ihn wirklich gegeben hat, könnte er Archivar am Hof der Chou in China gewesen sein. Nach dem Niedergang dieses Herrscherhauses verließ er deren Hof und zog nach Westen in das Land Ch'in. Dabei mußte er einen hohen Gebirgspaß überschreiten. Auf Bitte des Paßwächters schrieb er dort das "Tao Te King", ein Buch, das im Chinesischen mehr als 5.000 Wörter umfaßt und in 2 Teile untergliedert ist. Nachdem er dieses abgeschlossen hatte, begab er sich in das Land Ch'in, wo sich seine Spur verliert. Im "Tao Te King" werden die Grundlagen der Philosophie und der späteren Religion des Taoismus ausführlich dargelegt.

5.1 Taoismus Ein taoistischer Tempel Erlebnisseite chinesische Religionen Begriff Der Taoismus ist - neben dem Konfuzianismus - eine der großen Chinesische Religionen. As sein Stifter gilt der Philosoph Laotse (heutige Schreibweise "Lao-Tzu"). Dem reichen taoistischen Pantheon gehören die meisten Götter der alten chinesischen Religion und selbst manche buddhistische Gottheiten an. Dem Taoismus eigentlich sind der "Jadekaiser", "Die drei Reinen" (eine Triade mit Lao-Tzu als historischem Glied, der Gott des Kleinen Bären, auch "Große Einheit" und "Herrscher droben im dunklen Himmel" genannt, "Wen-ch'ang, der Gott der Literatur", der "Gott des Donners" dargestellt als wilder Vogelmensch, und die "graziöse Göttin des Blitzes". Dazu viele Sterne und Sternbilder, eine große Anzahl von Heiligen oder Unsterblichen. Von den letzteren sind seit der Ming-Dynastie die sog. "Acht Genien" besonders populär. Vom Buddhismus hat der Taoismus wie vieles andere auch die Idee der jenseitigen Vergeltung und eine Vielzahl von Himmeln und Höllen übernommen. Außerdem kennt er als Aufenthalt der Genien 10 große und 36 kleine "Himmlische Grotten" und 72 "selige Stätten", wo Genien herrschen und auf Menschen warten, die das Tao suchen. Der religiöse Taoismus Magische Vorstellungen und Praktiken, die aus der Mystik der Vereinigung mit dem Tao abgeleitet wurden, beherrschten den religiösen Taoismus. Bezeichnend für ihn sind vor allem das Streben nach Unsterblichkeit und die Bekämpfung des Teufels. Die Alchemisten versuchten, aus Zinnober und anderen Stoffen flüssiges Gold, den Trank der Unsterblichkeit, herzustellen. Damit das Elixir wirkte, mußte mit dem äußeren Läuterungsprozeß der Elemente eine innere Läuterung durch Atemübungen, Meditation, rituelle und ethische Vorbereitung usw. Hand in Hand gehen. In den bösen Geistern sahen die Taoisten die Yin-Kräfte der Natur am Werke. Die gute Yang-Kraft dagegen war z.B. in heilkräftigen Pflanzen und rotgefärbten Dingen verkörpert. Seit der Ming-Zeit wurden die schädlichen Einflüsse in den sog. "Fünf Giftwesen" (gewöhnlich, Spinne, Eidechse, Tausendfüßler, Schlange und Kröte) zusammengefaßt. Man konnte sie bannen, vor allem durch Bilder, auf denen sie vom Himmelsmeister Chang oder vom Geisttiger zertreten wurden. Bei der Abwehr und Austreibung der Dämonen bediente man sich auch des Chung K'uei, des Teufelsschrecks, mancherlei Amulette, des Geisterschwerts, des Spiegels usw. Der philosophische Taoismus Der philosophische Taoismus sieht im Menschen vornehmlich nicht das Gesellschaftswesen, sondern das Naturwesen. Erleuchtet ist, wer die Welt vom Standpunkt des Tao, des Urgrunds der zehntausend Dinge, betrachtet. Sich dem Wirken des Tao zu überlassen, und seiner spontanen, selbstlosen und unparteiischen Wirkweise zu folgen, ist der Weg zu langem Leben und innerem Frieden. Tao erscheint als Tor, als Wurzel, als das "geheimnisvoll Weibliche". Die Empfänglichkeit für das Wirken des Tao symbolisieren "Tal" und "Leeres Gerät". Die Vitalität des Werdenden, Weichen, Schwachen, der "Säugling". Die Überlegenheit des Niedrigen, Nachgiebigen, das "Wasser". Die klassischen Symbolfiguren für taoistische Spontaneität und Ungebundenheit wurden die "Sieben Weisen des Bambusshains" (um 275 n.Chr.) genannt. Taoistische Naturliebe inspirierte die Naturpoesie, die Landschaftsmalerei und andere. 5.1-1 Yin und Yang Yin und Yang [chin. "dunkel-hell"] Yin und Yang sind Urbegriffe der chinesischen Philosophie, vor allem des Konfuzianismus und des Taoismus. Sie meinen das grundlegende kosmische Prinzip der Dualität. Die Zweiheit von heller und von dunkler Geistigkeit kommt etwa in den Gegensätzen von weiblich und männlich oder Himmel und Erde zum Ausdruck. Als Gegensatzpaare, die sich einerseits voraussetzen und andererseits ergänzen, symbolisieren sie die vollkommene Harmonie.

6. Tschuang-tse

Tschung-tse [ca. zweite Hälfte des vierten bis erste Hälfte des dritten Jahrhunderts v.Chr.] war ein chinesischer Philosoph, ein Hauptvertreter des Taoismus, einer der gedankenreichsten Geister und glänzendsten Schriftsteller, die China je hervorgebracht hat. Er verfaßte das Nan-hoa-king und führte den Mystizismus von Lao Tse weiter, jedoch schon mit einem Einschlag kritischer Skepsis, die seinen Äußerungen eine bald satirische, bald humoristische Note verleiht. Mit beißender Ironie kehrt er sich vor allem gegen Konfuzius, so in der auf ihn zurückgehenden berühmten Anekdote von dessen Zusammentreffen mit Lao-tse, wo dieser dem Konfuzius eine kräftige Abfuhr erteilt haben soll. HOCH 6.1 Mystizismus (lat./gr.), Wundergläubigkeit, unechte Mystik. 6.1-2 Mystik [gr.], Form des religiösen Erlebens, die durch vorbereitende asket. Übungen, durch Versenkung (Kontemplation) oder auch durch Ekstase zu einer bewußten Erfahrung der verehrten Gottheit gelangt. Mystik findet sich in allen großen Religionen: im Taoismus Chinas, in der Vedanta Indiens, in den Mysterien des antiken Griechenlands, als spekulative Mystik im Neuplatonismus, im Sufismus des Islam, im jüd. Chassidismus. Das Christentum erlebte eine Blütezeit der Mystik zur Zeit der Gotik (Bernhard v. Clairvaux). Repräsentanten der spekulat. Mystik sind Meister Eckart, Seuse, Tauler. Vertreter eines myst. Pietismus war Jakob Böhme (siehe Böhme, Jakob). Die bedeutendsten Mystiker Spaniens sind Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz, in Frankreich ist ihnen Franz v. Sales (Salesianer) zuzurechnen. Die Mystik Rußlands fand ihren Ausdruck im Starzentum. Indische Denker:

7. Buddha

Eigentlich Siddhartha Gautama (ca. 560 bis 483 v.Chr.), indischer Religionsstifter, Gründer des Buddhismus und der Lehre von den vier edlen Wahrheiten: des Leidens, der Ursache des Leidens, der Aufhebung des Leidens und der Erlösung vom ewigen Kreislauf der Wiedergeburten. Ursprünglich als Prinz geboren, wandte er sich im Laufe seines Lebens den weltlichen Dingen mehr und mehr ab und führte schließlich ein Leben in Enthaltsamkeit und Meditation. 7.1 Buddhismus (Info) Buddhismus Erlebnisseite Buddhismus Buddhismus, weltweit Die Weltreligion des Buddhismus wurde von Buddha gegründet. Sie breitete sich von Indien seit dem 3. Jahrhundert v.Chr. über ganz Asien aus. Ziel des Buddhismus sind die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten und der Eingang ins Nirwana (ewige Befreiung vom weltlichen Leidensweg). Hauptrichtungen im buddhistischen Glauben sind das Hinayana (in Thailand, Birma, Sri Lanka, Kambodscha), und das Mahayana (in China, Indien), vorwiegend in Tibet, Japan, Mongolei. Weltweit gibt es ca. 339 Mio. Buddhisten. 7.1-1 Buddhismus in Japan Die Lehren des Buddhismus wurden im 6. Jahrhundert n.Chr. über China und Korea in Japan bekannt. Seine Verbreitung war Ausdruck eines starken chinesischen Einflusses auf Japan, der sich auch auf die Architektur, Literatur, Kunst Mathematik und Medizin erstreckte. Nach anfänglichen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der neuen Religion leitete Kronprinz Shôtoku Taishi um 600 eine erste, lokal begrenzte, Blütezeit des Buddhismus in Japan ein. Der Adel beteiligte sich an der Errichtung von Tempeln, buddhistische Elemente wurden in das Hofritual eingegliedert. Auf das Alltagsleben der Japaner hatte der Buddhismus zu dieser Zeit jedoch noch recht wenig Einfluß. Daher verdrängte er auch den Shintô-Kult nicht, der mit seinen völlig anderen Glaubensvorstellungen andere geistige Bedürfnisse befriedigte. In der Nara-Zeit (710-784) etablierte sich der Buddhismus als staatstragendes Element. Der Einfluß dieser Religionsgemeinschaft auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet wurde so stark, daß sie einen wesentlichen Machtfaktor darstellte. Die Vermischung von politischen und religiösen Interessen zeigt sich beispielsweise an dem Tôdaiji-Tempel in der Hauptstadt Nara, der als höchster Staatstempel und Haustempel der kaiserlichen Familie errichtet wurde. HOCH 7.2 Buddhas Tod Im Alter von ca. 80 Jahren erkrankte Buddha [Sanskrit = "der Erwachte, der Erleuchtete"; tibet. = "Sangsgays"; chin. = "Fo"; jap. = "Butsu"] der Religionsstifter des Buddhismus um 486 v.Chr. beim Ort Kusinara in Indien an der Ruhr und starb. Der Titel Buddha bezieht sich meist auf Gautama Buddha, einen indischen Prinzen aus dem Adelsgeschlecht der Schakja von Kapilawatsu, der nach der Überlieferung um 566 v.Chr. geboren wurde. In Luxus lebend beeindruckten den jungen Prinzen, die Begegnung mit einem alten Mann, einem Kranken, einem Mönchen und einem Toten so sehr, daß er die Vergänglichkeit der Welt als Asket überwinden wollte. Mit 29 Jahren verließ er heimlich seine Familie. Buddhas Leben als Asket brachte ihm aber nicht die erhoffte Erleuchtung. Erst als er einen Mittelweg zwischen strenger Askese und Überfluß wählte, erlangte er im Alter von 35 Jahren unter einem heiligen Baum bei Bodh Gaja die Erleuchtung. Einer der Grundsätze des Buddhismus ist, daß alles unbeständig ist und in allen Dingen der Verfall innewohnt. Die dauernden Veränderungen eines Menschen von der Geburt bis in den Tod werden als Kette von mehreren Leben begriffen. Es gibt keine unwandelbare Essenz, Seele oder ein solches Selbst. Die Buddhisten glauben, daß die Toten wiedergeboren werden. In der Forschung galten die Lebensdaten des Buddha lange Zeit als chronologische Fixpunkte der indischen Geschichte. Fast alle altindischen Geschichtsdarstellungen schlossen sich dieser Datierung an. In der modernen Forschung sind jedoch erhebliche Zweifel an der Richtigkeit dieser Datierung angemeldet worden. Man hat dargelegt, daß Buddha wahrscheinlich erst 100 Jahre nach der eigentlichen Überlieferung gelebt haben soll.

8. Aschoka

Aschoka (geb. 272, gest. 232 v. Chr.), indischer König, verbreitete den Buddhismus in ganz Indien. Hinterließ bedeutendes Gesetzgebungswerk. Frühhellenische Denker:

9. Orphiker Begriff

Die Orphiker, benannt nach Orpheus, waren eine Sekte, die sich von Thrakien aus über Griechenland, Kreta, Süditalien und Kleinasien verbreitete. Es waren mystisch-ethische, sich um Dionysos scharende Wanderprediger, die etwa seit dem 6. Jh. v.Chr. ihre Lehre auch aufschrieben. Der sog. Orphismus bzw. die Orphik ist die erste Buchreligion. Im Zusammenhang damit scheint das Wort "orthodox" im 5. Jh. v.Chr. in orphischen Kreisen Athens aufgekommen zu sein. Lehre Ihre Lehre umfaßt eine ausgebildete Theogonie und Anthropogonie mit der "nie alternden Zeit". Entstanden aus der Asche der von Zeus vernichteten Titanen bringt der Mensch als titanisches Erbe die Erbsünde mit auf die Welt, von der er sich zu befreien hat, um sein dionysisches Erbe, die Seele, zu retten. Dem dient ein sittliches Leben der Reinigungen und der Enthaltsamkeit (Verbot des Fleisches, der Eier und der Bohnen). Die Lehre vom Zustand nach dem Tod gefällt sich in der Ausmalung der Seligkeit als Trinkgelage, aber weit mehr der Schrecken der Hölle, die sie zu einem eigentlichen Ort der Bestrafung macht. Sie kennt die Seelenwanderung, von deren Zwängen frei zu werden letztes Ziel der Geweihten ist. Die Wirkung der Orphik, welche die Bedeutung des Individuums in seinem Verhältnis zu Schuld und Vergeltung so tief faßte, zeigt sich an Pythagoräern, Pindar(os), Empedokles, Platon und zuletzt am Christentum, wo z.B. aus Darstellungen in Katakomben ersichtlich ist, wie Christus geradezu durch Orpheus symbolisiert wird.

10. Pythagoras

Pythagoras (geb. auf Samos um 580, gest. in Metapontum 496 v.Chr.), griechischer Philosoph. Pythagoras gründete um 532 v.Chr. in Croton, Unteritalien, den Bund der Pythagoreer. Es handelte sich dabei um eine orphische Gemeinschaft mit wissenschaftlichen, religiösen, ethischen und auch politischen Zielen (Reform der Gesellschaft). Ihre Einmischung in die Politik führte zur Verfolgung und letztlich zur gewaltsamen Zerschlagung der Pythagoreer um die Mitte des 5. Jahrhunderts v.Chr. Der Hauptbestandteil der Lehre des Pythagoras war die Ansicht, daß die Zahl das Wesen aller Dinge sei und letztlich alles Sein und jede Realität auf Zahlenverhältnisse reduziert werden könne. Diese Theorie wurde später auch auf die Musik, die Geometrie und die Astronomie angewandt. In der Musik soll Pythagoras die Intervalle Quinte, Quarte und Oktave erfunden haben, was sich jedoch ebensowenig erhärten läßt wie seine Urheberschaft des sog. Lehrsatzes des Pythagoras. Er fand jedoch heraus, daß die Erde sich um ihre Achse dreht, und erkannte darin die Ursache für Tag und Nacht. Die Anhänger des Pythagoras waren durch eine Gütergemeinschaft miteinander verbunden. Der kultische Mittelpunkt der Bewegung waren die sog. Orgien. Ihre Ethik war auf eine harmonische Lebensführung gerichtet. Sie glaubten an die Wanderung der Seelen (Metempsychosis), die im Gehirn ihren Sitz hätten (siehe auch Seelenwanderung und Reinkarnation) bis zur Erlösung durch die Reinigung der Seele. Von Pythagoras ist kein Schrifttum überliefert. Er gab seine Lehren ausschließlich mündlich weiter, weshalb es schwierig ist, sein Ideengut von dem seiner Schüler zu trennen. Die sog. "Pythagoreischen Myterien" hatten im 4. Jahrhundert v.Chr. in Unteritalien und Griechenland großen Einfluß, so u.a. auf Aristoteles und Plato. Die Pythagoreer konnten bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen erzielen. So vertrat etwa Archytas von Tarent bereits die These von der Kugelgestalt der Erde. Für die Ausprägung der Mathematik und der westlichen, rationalen Philosophie war Pythagoras von fundamentaler Bedeutung. Zu erneutem Aufstieg seiner Gedanken führte die Bewegung der Neupythagoreer in der Renaissance. So wurde Johannes Kepler durch Pythagoras zur Entdeckung seiner Gesetze (Keplersche Gesetze) geführt.

11. Anaxagoras

Anaxagoras (geb. um 500 v. Chr., gest. 428 v. Chr.), griechischer Philosoph, bedeutender Vertreter der sogenannten Vorsokratiker (siehe auch Naturphilosophie). Wie die meisten vorsokratischen Philosophen stammte auch Anaxagoras von der Küste Kleinasiens, wirkte jedoch größtenteils in Athen. Hier stand er in enger Verbindung zu Perikles und mußte schließlich aufgrund einer Anklage wegen Gottlosigkeit aus Athen fliehen, wahrscheinlich weil er behauptete, die Sonne bestehe aus glühendem Gestein. Wie für die vorsokratische Philosophie insgesamt stehen auch für die Philosophie des Anaxagoras in der Abkehr von mythologisch-religiösen Deutungsmustern der Welt zwei Grundfragen im Mittelpunkt: Welches sind die Urelemente des Kosmos, und wie oder durch wen bzw. was sind sie beseelt? In Anbetracht der eingeschränkten Erkenntnismöglichkeiten muß man eine solche Philosophie als intuitive Naturphilosophie bezeichnen. So erklärte Anaxagoras das Bestehen der Welt aus atomähnlichen Kleinstsubstanzen, den sogenannten Homöomerien, die jedoch anders als die Atome bereits alles des Ganzen in sich enthalten. Die kosmologische Ordnung der Dinge wird dabei durch den sogenannten "nous" hergestellt, eine als materiell vorgestellte Vernunftsubstanz, die primär den belebten Dingen eigen ist. Insbesondere die Vorstellung des nous hat die weitere Philosophiegeschichte maßgeblich geprägt, da sie ein vernünftiges Weltprinzip nicht göttlich, sondern natürlich zu interpretieren suchte und so die Philosophie von theologischen Erklärungsmustern emanzipierte. Zudem spielten astronomische und physikalische Theorien eine bedeutende Rolle in einer solchen Philosophie. Neben vielen heute äußerst kurios wirkenden Vorstellungen ging Anaxagoras bereits davon aus, daß der Mond sein Licht von der Sonne hat und daß diese selbst aus glühendem Gestein besteht. Es sind jedoch weniger die konkreten Inhalte der vorsokratischen Philosophie, die hier entscheidend sind, sondern vielmehr die neu geschaffenen Freiräume des Denkens, die als Grundlage der abendländischen Philosophiegeschichte interpretiert werden können.

12. Empedokles

Empedokles (geb. um 485/492 v.Chr. in Agrigent, gest. um 425 v.Chr.) war griechischer Naturphilosoph, Arzt und Priester. Empedokles schuf ähnlich den Eleaten eine Einheitslehre der Welt, die aus den von ihm so bezeichneten Elementen (Erde, Wasser, Luft, Feuer) besteht. Er sah alles Leben als Mischung dieser Elemente an, die sich vom elementaren Urzustand immer vielfältiger entwickelten, wobei als Triebkräfte dieser Entwicklung Anziehung und Abstoßung, bzw. Liebe und Haß genannt werden. Von den Lebewesen sind zuerst die Pflanzen aus dieser Mischung entstanden, später dann die Tiere in der Reihenfolge ihres Entwicklungsstandes.

13. Demokrit

Demokrit aus Abdera (geb. um 460 v.Chr. in Abdera, gest. um 370 v.Chr. ebenda), griechischer Philosoph, stellte mit Leukippos die erste Atomtheorie auf. In ihr werden Atome als kleinste, unteilbare Teilchen aufgefaßt, aus denen sich die Materie aufbaut. Atome besitzen keine Eigenschaften, die wir wahrnehmen können, sondern nur denken. Die wahrnehmbaren Eigenschaften beruhen auf der Wechselwirkung der Atome bzw. auf ihrer unterschiedlichen Stellung zueinander. Zur Veranschaulichung haben sie dies mit der Reihenfolge von Buchstaben verglichen: EINS bedeutet etwas anderes als SEIN. Der Atomismus ist die erste mechanische Weltvorstellung, die also bei der Erklärung der Naturerscheinungen weder auf die Theologie noch die Teleologie zurückgreift, d.h. die weder eine bevorzugte Bewegungsrichtung noch ein planendes Moment beinhaltet. Hiernach braucht Bewegung auch keine äußere Ursache. Atome sind bewegende Teilchen, die nicht in Ruhe zu denken sind. Der Atomismus wurde in der nachfolgenden Philosophie vor allem durch Epikur und Lukrez entscheidend weiterentwickelt. In der Neuzeit erfuhr der Atomismus durch die naturwissenschaftlichen Entdeckungen und die Erkenntnisse der Mechanik entscheidende Impulse. Mit der Entdeckung des Atomgewichts (Dalton) und dem periodischen System ging die Atomistik in die Atomphysik über, wobei die Atome hier bereits als strukturierte und zusammengesetzte Elemente erkannt wurden.

14. Zoroaster

Zarathustra, altiranischer Religionsstifter. Nach mancher Auffassung trat Zoroaster im 11. Jh. v.Chr., nach anderer im 6. Jh. v.Chr. auf. Seine Lehre, der Mazdaismus, war geprägt durch einen starken Dualismus, der sich bis in das Gottesbild auswirkte: Dem "Heiligen Geist", der zu dem von Zoroaster verkündeten Gott Mazdah Ahura hält, steht der "Böse Geist" (Ahriman) gegenüber. Unter den persischen Dynastien der Achaimeniden und der Sassaniden war Zoroasters Lehre die herrschende Religion. Für Nietzsche wurde Zoroaster in dem Buch "Also sprach Zarathustra" zum Symbol des "Übermenschen". 14.1 Achaimeniden Die Achaimeniden waren ein altpersisches Herrschergeschlecht, das auf den sagenhaften Herrscher Achaimenes (frühes 8. Jh. v.Chr.) zurückgeht. Der bedeutendste der Achaimeniden war Kyros der Große, der Begründer des Persischen Reichs. Die größte Ausdehnung hatte das Reich unter dem Achaimeniden Dareios I., der die Herrschaft über den Iran, Ägypten und Vorderasien innehatte. Das von den Achaimeniden geschaffene Verwaltungssystem basierte auf der Einteilung des Reichs in 20 Provinzen, deren Verwaltung in den Händen von Statthaltern, sog. Satrapen, lag. Neben einer Neugestaltung des Rechts- und Währungssystems wurde insbesondere die persische Kunst, die in dieser Zeit zu einer hohen Blüte gelangte, von den Achaimeniden gefördert. Davon zeugen u.a. die architektonischen Überreste der Palastanlage von Persepolis, der alten Residenz der persischen Herrscher. Mit der Ermordung von Dareios III. erlosch das Geschlecht um 331 v.Chr. 14.2 Sassaniden Das Geschlecht der Sassaniden herrschte als Königshaus von 224-651 n.Chr. über Persien. Im Jahr 224 konnte Ardaschir I., ein persischer Kleinkönig, die Königswürde des zerfallenen Partherreichs an sich reißen und gründete die Dynastie der Sassaniden. Ardaschir ließ sein neues Reich expandieren und eroberte mehrere Nachbarreiche, schließlich marschierte er in Indien ein und forderte hohen Tribut von den Herrschern des Punjab. Unter seiner Herrschaft wurde der Zoroastrismus zur Staatsreligion Persiens. Im Jahr 240 n.Chr. bestieg Ardaschirs Sohn Schapur I. den Thron, der erfolgreich gegen die römischen Invasoren kämpfte. Die von Schapur I. eroberten Gebiete Mesopotamiens, Syriens und Kleinasiens verlor er 260-263 an Odaenathus, den Fürsten von Palmyra, und Verbündeten des Römischen Reichs. Sein Nachfolger Narses griff im Jahr 297 die Römer erneut an, unterlag jedoch und mußte die Westgrenze Persiens vom Euphrat an den Tigris verlegen und mehrere Gebiete an Rom abtreten. Schapur II., der von 309-379 regierte, konnte die verlorenen Gebiete jedoch in 3 Kriegen gegen die Römer zurückerobern. Yazdgard I. und sein Nachfolger Bahram V. verfolgten zu Beginn des 5. Jh. massiv die Christen in Persien. Bahram führte den Krieg gegen Rom 420 fort, der jedoch bereits 422 mit einer Niederlage Persiens endete. in einem Friedensvertrag verlangten die Römer Toleranz gegenüber den persischen Christen, ihrerseits versprachen sie, die persiche Religion des Zoroastrismus im Römischen Reich anzuerkennen. Ende des 5. Jh. besiegten die Hephthaliten den persischen König Firuz II. (483) und forderten Tribut. In diesem Jahr wurde die christliche Glaubensrichtung des Nestorianismus zur neuen Staatsreligion. Mazdak, ein zoroastrischen Hohepriester, vermochte Einfluß auf Kawadh I. auszuüben, der im Jahr 498 von seinem dem orthodoxen Glauben angehörenden Bruder Zamasp abgesetzt wurde. Im Jahr 501 kam Kawadh mit Hilfe der Hephthaliten wieder an die Macht und wendete sich von den Lehren des Mazdak ab, dessen Anhänger wurden verfolgt. Kawadhs Sohn Chosrau I. kämpfte mit Erfolg gegen den oströmischen Kaiser Justinian I. und konnte seinen Einflußbereich bis an das Schwarzen Meer ausdehnen. Erneut wurde der Zoroastrismus zur Staatsreligion. Chosrau II. begann am Anfang des 7. Jh. einen Krieg gegen das Byzantinische Reich. Bis 616 hatte er weite Teile des südwestlichen Kleinasiens und Ägypten erobert. Zwischen 622-627 konnten die Byzantiner die persische Macht zurückdrängen und in ihre Grenzen verweisen. Der letzte Sassanidenherrscher, Yazdgard III., mußte nach und nach den Arabern weichen, der Islam setzte sich durch.

15. Heraklit von Ephesos

Heraklit von Ephesos (geb. in Ephesus um 540 v.Chr., gest. um 480 v.Chr.), griechischer Philosoph. Über Heraklits Leben ist wenig bekannt. Es sind keine Aufzeichnungen von ihm selbst übermittelt. Seine Ideen werden lediglich fragmentarisch bei einigen anderen antiken Autoren reflektiert, so z.B. bei Plato. Heraklit wurde bekannt für seine Kosmologie, nach der das Ursprungsmaterial aller Dinge das Feuer ist. Er verglich Feuer auch mit dem Leben auf der Erde, daß einmal hell flackert, dann wieder nahezu ausgelöscht wird. Der wesentliche Zug seiner Philosophie ist die Einsicht in die wechselseitige Abhängigkeit und Notwendigkeit von Gegensätzen. So definieren sich Gesundheit und Krankheit, gut und böse, heiß und kalt gegenseitig. Jeder Ausschlag in eine Richtung wird unweigerlich von einer entgegengesetzten Tendenz gefolgt. Alles, was scheinbar auseinaderstrebt, wird letztlich zusammenkommen. Der so bezeichnete Gegensatz, den Heraklit metaphorisch "Krieg" nannte, ist auf diese Weise der "Vater aller Dinge". Seine Einsicht faßte er in der bekannt gewordenen Formel "panta rhei" ("alles fließt") zusammen. Dieses dynamische Gleichgewicht versöhnte Heraklit mit dem Bewußtsein des Chaos und der Mißstände auf der Welt. Er sah hinter den Dingen eine geheime Verbindung, so daß alles, was wie ein Gegensatz aussieht oder sich scheinbar im Wandel befindet, doch eine Einheit bildet. Er brachte dafür das Beispiel vom Fluß, dessen Wasser ständig wechselt, und der doch derselbe bleibt. Heraklit betonte die Notwendigkeit eines harmonischen Zusammenlebens der Menschen, die meist nicht in genügender Weise auf den Verstand (logos) hören würden. Der Philosoph war zu Lebzeiten nicht populär und wurde noch von nachfolgenden Biographen der Antike mit Spott bedacht. Er übte großen Einfluß auf Plato und auf die Stoa aus.

16. Platon

Platon (geb. 427 v.Chr. in Athen, gest. 348/347 v.Chr. ebenda), griechischer Philosoph, Schüler des Sokrates, mit Aristoteles Begründer der abendländischen Philosophie, schuf die erste Akademie. Sein philosophisches Werk Entwickelte als erster in seiner Ideenlehre einen objektiven, transzendenten Idealismus, nach dem die materielle Wirklichkeit nur das unvollkommene Abbild einer unveränderlichen und wahren Ideenwelt ist, wobei die Idee des Guten im Mittelpunkt steht. In seinem Höhlengleichnis veranschaulicht er diesen Dualismus von Ideen und Wahrnehmung, wobei die sinnliche Wahrnehmung nur die trügerischen Schatten der objektiven Dinge bzw. Ideen erkennt. Der Idee entspricht nur der philosophisch gebildete Begriff, nicht aber die Anschauung von den Dingen. Somit begründete Platon auch die kategoriale Differenz von wandelbarer Wirklichkeit und unwandelbarer Wahrheit, die letztlich den Maßstab der Philosophie ausmacht. Die Seelenlehre Platons In seiner Seelenlehre ist die Seele unsterblich, voller Erlösungssehnsucht, gibt es eine Seelenwanderung, und alles Wissen ist auf Grund der früheren vorleiblichen Existenz der Seele nur "Wiedererinnerung". Da die Seele als die Instanz ausgemacht wird, die an den wahren Ideen teilhat, beweist das zugleich ihre Unsterblichkeit. Platons Gottesauffassung Seine Gottesauffassung kennt einen Gott, der als Weltbaumeister den Kosmos durch Maß und Zahl aus chaotischem Gemenge schuf. Diese Ordnung zu ergründen ist zudem Aufgabe der Philosophie. Platons Staatslehre Platon vergleicht in seinem Hauptwerk, der "Politeia" (Der Staat: über die Gerechtigkeit), den Staat mit dem Menschen, d.h. mit der körperlichen Funktionalität und der geistigen Lenkung. Höchste Aufgabe ist primär die Selbsterhaltung, die über die Bildung der Bürger, die adäquate Erfüllung der anfallenden Aufgaben und die Staatsführung im Sinne der Weisheit gewährleistet werden muß. Platon geht dabei von einer natürlichen Ungleichheit unter den Menschen aus, wobei jedem Stand entsprechende Tugenden zukommen, wobei Tugenden hier die möglichst gute Erfüllung der bestehenden Anforderungen meint, also Tüchtigkeit. Der unterste Stand ist dabei der der Bauern und Handwerker, die für die materialen Grundlagen der Gesellschaft verantwortlich sind, der sogenannte "Nährstand". Ihre Tugenden sollen demnach Gehorsam, Arbeitssamkeit und Selbstbescheidung sein. Der zweite Stand ist der der Krieger und Staatsdiener, der "Wehrstand". Durch die Tugenden von Tapferkeit und Pflichterfüllung soll dieser Stand die Sicherheit nach außen durch Abwehr der Feinde sichern, nach innen durch Wahrung der Gesetze. Die Gesetze wiederum werden von den Herrschern (Herrstand) erlassen und formuliert, deren Tugend die praktische Weisheit und die Gerechtigkeit darstellt. Zum Teil scheint Platon hierbei die Herrscher mit den Philosophen gleichzusetzen. Der Versuch Platons, dieses Staatsideal auch praktisch umzusetzen, nämlich im Reiche des Tyrannen Dionysius (heute Sizilien), scheiterte. Platons Staatsphilosophie jedoch, die historisch auch der Einheit der griechischen Polis verpflichtet war, wurde im Laufe der Philosophiegeschichte zum Ausgangspunkt zahlreicher Staatsutopien, wobei das Ziel der Gerechtigkeit im Mittelpunkt stand. Platons Schriften Platons Schriften sind überwiegend in Dialogform überliefert (Platonische Dialoge), so: "Apologie" (Verteidigung des Sokrates), "Kriton" (Über die Gesetze), "Symposion" (Gastmahl; über den Eros) u.v.m. Platons Kosmologie In seiner Schrift Phaidon vertritt Platon die Lehre von der Kugelgestalt der Erde (siehe Erde als Kugel: er vergleicht die Erde mit einem aus zwölf Stücken zusammengesetzten Lederball. Eine weitere Begründung seiner Annahme gibt er nicht, woraus geschlossen werden kann, daß die Kugelgestalt der Erde zu seiner Zeit weitgehend anerkannt war. Platon behandelt im Phaidon auch die physische Gliederung der Erde sowie die Beschaffenheit des Erdinneren. Er nimmt eine Trennung der Weltmeere an, d.h. diese haben jeweils ihre eigenen, untereinander nicht in Verbindung stehenden Becken. Für das Erdinnere postuliert Platon ein Sammelbecken des Wassers, den Tartaros, aus dem die Ströme der Erdoberfläche entspringen und wohin ihr Wasser über das Meer wieder zurückfließt. Weiter nimmt Platon ein System unterirdischer Ströme an, von denen vor alem vier bedeutsam sind: Der größte ist der Okeanos; diesem gegenüber und in entgegengesetzter Richtung fließt der Acheron. Der dritte Strom ist der Kokytos, dem gegenüber sich der Pyriphlegethon [griech. = Feuerstrom] in den Tataros ergießt. Der Pyriphlegethon war nach Platon für die vulkanischen Erscheinungen an der Erdoberfläche verantwortlich. Die Platonische Kosmologie, insbesondere auch seine Lehre vom unterirdischen Wasserkreislauf sowie der Existenz eines unterirdischen Feuerstroms, war außerordentlich einflußreich und läßt sich bis ins 18. Jahrhundert nachweisen. HOCH 16.1 Platon Platon Platon (geb. 427 v.Chr. in Athen, gest. 348/347 v.Chr. ebenda), griechischer Philosoph, Schüler des Sokrates, mit Aristoteles Begründer der abendländischen Philosophie, schuf die erste Akademie. Sein philosophisches Werk Entwickelte als erster in seiner Ideenlehre einen objektiven, transzendenten Idealismus, nach dem die materielle Wirklichkeit nur das unvollkommene Abbild einer unveränderlichen und wahren Ideenwelt ist, wobei die Idee des Guten im Mittelpunkt steht. In seinem Höhlengleichnis veranschaulicht er diesen Dualismus von Ideen und Wahrnehmung, wobei die sinnliche Wahrnehmung nur die trügerischen Schatten der objektiven Dinge bzw. Ideen erkennt. Der Idee entspricht nur der philosophisch gebildete Begriff, nicht aber die Anschauung von den Dingen. Somit begründete Platon auch die kategoriale Differenz von wandelbarer Wirklichkeit und unwandelbarer Wahrheit, die letztlich den Maßstab der Philosophie ausmacht. Die Seelenlehre Platons In seiner Seelenlehre ist die Seele unsterblich, voller Erlösungssehnsucht, gibt es eine Seelenwanderung, und alles Wissen ist auf Grund der früheren vorleiblichen Existenz der Seele nur "Wiedererinnerung". Da die Seele als die Instanz ausgemacht wird, die an den wahren Ideen teilhat, beweist das zugleich ihre Unsterblichkeit. Platons Gottesauffassung Seine Gottesauffassung kennt einen Gott, der als Weltbaumeister den Kosmos durch Maß und Zahl aus chaotischem Gemenge schuf. Diese Ordnung zu ergründen ist zudem Aufgabe der Philosophie. Platons Staatslehre Platon vergleicht in seinem Hauptwerk, der "Politeia" (Der Staat: über die Gerechtigkeit), den Staat mit dem Menschen, d.h. mit der körperlichen Funktionalität und der geistigen Lenkung. Höchste Aufgabe ist primär die Selbsterhaltung, die über die Bildung der Bürger, die adäquate Erfüllung der anfallenden Aufgaben und die Staatsführung im Sinne der Weisheit gewährleistet werden muß. Platon geht dabei von einer natürlichen Ungleichheit unter den Menschen aus, wobei jedem Stand entsprechende Tugenden zukommen, wobei Tugenden hier die möglichst gute Erfüllung der bestehenden Anforderungen meint, also Tüchtigkeit. Der unterste Stand ist dabei der der Bauern und Handwerker, die für die materialen Grundlagen der Gesellschaft verantwortlich sind, der sogenannte "Nährstand". Ihre Tugenden sollen demnach Gehorsam, Arbeitssamkeit und Selbstbescheidung sein. Der zweite Stand ist der der Krieger und Staatsdiener, der "Wehrstand". Durch die Tugenden von Tapferkeit und Pflichterfüllung soll dieser Stand die Sicherheit nach außen durch Abwehr der Feinde sichern, nach innen durch Wahrung der Gesetze. Die Gesetze wiederum werden von den Herrschern (Herrstand) erlassen und formuliert, deren Tugend die praktische Weisheit und die Gerechtigkeit darstellt. Zum Teil scheint Platon hierbei die Herrscher mit den Philosophen gleichzusetzen. Der Versuch Platons, dieses Staatsideal auch praktisch umzusetzen, nämlich im Reiche des Tyrannen Dionysius (heute Sizilien), scheiterte. Platons Staatsphilosophie jedoch, die historisch auch der Einheit der griechischen Polis verpflichtet war, wurde im Laufe der Philosophiegeschichte zum Ausgangspunkt zahlreicher Staatsutopien, wobei das Ziel der Gerechtigkeit im Mittelpunkt stand. Platons Schriften Platons Schriften sind überwiegend in Dialogform überliefert (Platonische Dialoge), so: "Apologie" (Verteidigung des Sokrates), "Kriton" (Über die Gesetze), "Symposion" (Gastmahl; über den Eros) u.v.m. Platons Kosmologie In seiner Schrift Phaidon vertritt Platon die Lehre von der Kugelgestalt der Erde (siehe Erde als Kugel: er vergleicht die Erde mit einem aus zwölf Stücken zusammengesetzten Lederball. Eine weitere Begründung seiner Annahme gibt er nicht, woraus geschlossen werden kann, daß die Kugelgestalt der Erde zu seiner Zeit weitgehend anerkannt war. Platon behandelt im Phaidon auch die physische Gliederung der Erde sowie die Beschaffenheit des Erdinneren. Er nimmt eine Trennung der Weltmeere an, d.h. diese haben jeweils ihre eigenen, untereinander nicht in Verbindung stehenden Becken. Für das Erdinnere postuliert Platon ein Sammelbecken des Wassers, den Tartaros, aus dem die Ströme der Erdoberfläche entspringen und wohin ihr Wasser über das Meer wieder zurückfließt. Weiter nimmt Platon ein System unterirdischer Ströme an, von denen vor alem vier bedeutsam sind: Der größte ist der Okeanos; diesem gegenüber und in entgegengesetzter Richtung fließt der Acheron. Der dritte Strom ist der Kokytos, dem gegenüber sich der Pyriphlegethon [griech. = Feuerstrom] in den Tataros ergießt. Der Pyriphlegethon war nach Platon für die vulkanischen Erscheinungen an der Erdoberfläche verantwortlich. Die Platonische Kosmologie, insbesondere auch seine Lehre vom unterirdischen Wasserkreislauf sowie der Existenz eines unterirdischen Feuerstroms, war außerordentlich einflußreich und läßt sich bis ins 18. Jahrhundert nachweisen. 16.2 platonische Liebe Eigentlich der Drang nach philosophischer Erkenntnis, die Liebe zur Weisheit bzw. Philosophie, die bei Platon allerdings nicht die körperliche Liebe homo- oder heterosexueller Art ausschließt, da der Eros-Begriff (so im Symposion) äußerst vielseitig verstanden wurde. Platon selbst hat damit auch die Liebe zwischen Mann und Jüngling bezeichnet.

17. Sokrates

Sokrates (geb. um 469, gest. 399 v. Chr.), griechischer Philosoph, Lehrer Platos und Xenophons. Suchte im Gespräch mit seinen Athener Mitbürgern durch ruheloses, geschicktes Fragen Selbstkritik zu wecken (sokratische Ironie: "Ich weiß, daß ich nichts weiß"), die dann zum Ausgangspunkt für selbständiges, einsichtiges Denken werden sollte, das rechtes, sittliches Handeln zur Folge haben mußte (sokratische Mäeitik = Hebammenkunst). Nach Sokrates ist Tugend Wissen. Mit seiner Methode war er formal ein Vertreter des Sophismus, inhaltlich aber überwand er ihn. Vom Athener Gericht der Gottlosigkeit und Verführung der Jugend angeklagt und zum Tode verurteilt (Schierlingsbecher). Da er selber für die Befolgung der Gesetze eintrat, lehnte er eine Flucht aus dem Gefängnis ab. Von Sokrates selbst sind keine Schriften vorhanden, aber in den Werken seiner Schüler, vor allem von Platon, sind seine Dialoge überliefert. Mit seiner Überwindung des Sophismus war er von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung der Philosophie. HOCH Weltdenker nach Aristoteles

18. Aristoteles

Aristoteles (geb. 384 v.Chr. in Stageira, daher auch Stagirit genannt, gest. 322 in Chalkis auf Euböa), neben Platon bedeutendster griechischer Philosoph. Biographie Um 367 ging Aristoteles nach Athen, um dort an der von Platon begründeten Akademie zu studieren. Ca. 20 Jahre blieb er bei seinem Lehrer Platon und entwickelte in dieser Zeit eine eigenständige philosophische Postition, die in ihren empirisch-pragmatischen Aspekten stark von der Ideenlehre Platons abwich. Nachdem 347 die Leitung der Akademie an Speusippos, den Neffen Platons, überging, kam es aufgrund verschiedener Differenzen zum Bruch, auf den hin Aristoteles die Akademie verließ und nach Kleinasien reiste. Um 343 wurde Aristoteles von Philipp von Makedonien zum Erzieher Alexanders (später Alexander der Große) ernannt und kehrte erst nach dessen Herrschaftsantritt nach Athen zurück. Dort gründete er nach dem Modell der Akademie eine eigene Schule, das sogenannte Lykeion, wo er seine Vorlesungen hielt, die als Mitschriften den größten Teil des Aristotelischen Werkes ausmachen und die, da sie eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, auch als esoterische Schriften von den veröffentlichten exoterischen unterschieden werden. Als die Athener sich gegen die makedonischen Herrschaftsansprüche zur Wehr setzten, mußte Aristoteles Athen verlassen, da ihm ansonsten die Todesstrafe drohte. Er floh nach Chalkis, wo er im Alter von 62 Jahren verstarb. Philosophie Wie oben bereits erwähnt, tragen die meisten überlieferten Werke des Aristoteles den Charakter von Vorlesungsmitschriften. Das thematisch vielseitige Gesamtwerk läßt sich dabei wie folgt gliedern: 1) Aristoteles gilt als Begründer der formalen Logik, die bis zum 19. Jahrhundert die wichtigste Grundlage der Logik allgemein darstellte. In seinem Organon, in dem die logischen Schriften zusammengefaßt wurden, formuliert Aristoteles die Gesetzmäßigkeiten des diskursiven Denkens, begründet ein logisches Begriffsinstrumentarium und setzt sich mit Problemen des Urteils sowie mit weitreichenden Definitionsversuchen auseinander. U.a. wird hier die Form des Syllogismus behandelt, wobei über die Setzung von Minimal- und Maximalprämissen die Conclusio, d.h. die logische Schlußfolgerung, gezogen werden kann. 2) In seinen physikalisch-naturwissenschaftlichen Schriften entwickelte Aristoteles eine Konzeption der kosmologischen Ordnung sowie biologische Analysen. Auch seine heute als pseudowissenschaftlich einzustufende Elementarlehre, u.a. die Theorie der Himmelssphären, fällt in diesen Bereich. 3) In seiner Ontologie versucht Aristoteles eine Betrachtung über das Seiende in seiner Gesamtheit, so über den Begriff und die Beschaffenheit der Substanz und das Verhältnis von Kausalitäten, und entwickelt die Lehre von den "Ersten Prinzipien" und dem sogenannten "Ersten Beweger", eine Art göttlicher Urgrund, der am Anfang einer Kausalkette stehen muß und zudem als letzter Zweck umgedeutet wird. 4) Die auch für heutige Diskussionen und philosophische Auseinandersetzungen relevanten Theorien betreffen vor allem die philosophische Konzeption des Menschen als ein politisches Wesen [zoon politicon] zwischen praktischen und theoretischen Fähigkeiten. In seiner Metaphysik, die allerdings viele aufgeworfene Fragen ohne Lösung beläßt, formuliert Aristoteles das höchste Gut eines immateriellen Geistes und die Theorie des ersten unbewegten Bewegers, die konstitutiv ist für die aristotelische Teleologie. In den Schriften zur Ethik wiederum (insb. in der "Nikomachischen Ethik") entwickelt er eine Vorstellung vom Menschen, die zwischen pragmatischen und theoretischen Ansprüchen bisweilen unentschieden bleibt. Letztlich jedoch scheint das höchste Gut des Menschen die rein theoretische Beschäftigung des Geistes und die Betrachtung der Wahrheit zu sein, die Aristoteles allerdings entsprechend der gesellschaftlichen Hierarchie als Möglichkeit nur wenigen Menschen zuerkennt. Primär allerdings entwickelt er die Ethik als praktische Wissenschaft, die allein um der guten Handlungen willen und nicht um theoretische Wahrheiten besteht. Hierbei spielen die Tugendlehre, Fragen der Gerechtigkeit, des Glücks, der Lust und der Freundschaft eine große Rolle. Das "gute Leben" bedeutet dabei zum einen die möglichst gute Erfüllung der gesellschaftlichen Rolle sowie andererseits die Entfaltung der individuellen Anlagen, wobei Glück und Lust tendenziell als Kriterien eines guten Lebens fungieren und zudem die notwendigen Voraussetzungen eines "guten Lebens" in den Blick genommen werden. Die Politik wird von Aristoteles als eine Art Fortsetzung der Ethik gedacht. Beide handeln als praktische Wissenschaften vom menschlichen Glück. Zeigt uns die Ethik, welche Lebensformen, -stile und -gewohnheiten zum Glück notwendig sind, so führt die Politik dagegen vor, welche Institutionen und welche bestimmte Verfassung notwendig sind, um diese Lebensformen zu ermöglichen und zu bewahren. Hierbei wird von der Kinderzucht über die Verteidigung bis hin zur Gewaltenteilung und besten Verfassung (Demokratie, Monarchie, Aristokratie usw.) vieles erläutert, jedoch immer auf der Folie des relativ übersichtlichen Stadtstaates (polis), wie er in Athen sein Vorbild hatte. Auch das Werk 5) "Über die Dichtkunst" enthält neben kunsttheoretischen Überlegungen vor allem politisch-pragmatische Implikationen und muß somit im Zusammenhang der "Politik" und der "Ethik" bewertet werden. Zunächst wird hier der Begriff der Mimesis erklärt, d.h. das strukturelle Nachbilden von Wirklichkeit im Kunstwerk. Als höchste Form dieser dichterischen und auf Wahrheit abzielenden Nachahmung begreift Aristoteles hier die Tragödie, deren Ziel die sogenannte "Katharsis ton pathematon" darstellt, d.h. die "Reinigung" der zuschauenden Bürger von Leidenschaften durch Identifikation, um somit wieder in ein Gleichgewicht zu kommen. Des weiteren behandelt die "Dichtkunst" die Lehre von den drei Einheiten (Raum, Zeit, Handlung) und den allgemeinen Zweck der Dichtung, durch Erkenntnis und Schönheit Genuß zu vermitteln. Das gesamte Werk des Aristoteles hatte für die abendländische Geistesgeschichte eine immense Bedeutung. Mit dem Aristotelismus wurden immer wieder andere Interpretationen seines Werks bezeichnet, die gerade in den theologischen Auslegungen nur noch wenig mit den ursprünglichen Intentionen gemein haben. Auch in aktuellen Diskussionen wird wieder verstärkt die Ethik des Aristoteles in den Blick genommen, da sie durch ihre lebenspraktischen Bezüge in vielfacher Hinsicht die formalisierten Moralphilosophien idealistisch-liberaler Ausprägung zu korrigieren vermag. Werke "Erste und zweite Analytik", "Eudemische Ethik", "Magna Moralia", "Nikomachische Ethik", "Von der Seele", "Metaphysik", "Organon" (Werkzeug), "Kleine Schriften zur Naturphilosophie", "Über die Dichtkunst", "Politik", "Redekunst", "Topik".

19. Philon von Alexandria

Philon von Alexandria [geb. ca. 13 v.Chr., gest. ca. 50 n.Chr.] war der jüdische Verfasser zahlreicher Werke: 1. eines großen allegorischen Kommentars zu ausgewählten Stellen vom ersten Buch Moses; 2. einer systematischen Darstellung der mosaischen Gesetzgebung; 3. einer katechetischen Erklärung des ersten und zweiten Buches Moses in Form von Fragen und Antworten. In ihm erreichte die Vermischung des Judentums mit dem Hellenismus ihren Höhepunkt. Aus der ihn umgebenden Kultur platonische, stoische, pythagoräische, kynische und peripatetische Gedanken aufnehmend und selber von der Mysterienfrömmigkeit seiner Zeit stark beeinflußt, bemühte sich Philo vor allem um Auslegung und Ehrenrettung des jüdischen Gesetzes als des den Naturgesetzen und damit der Vernunft Entsprechenden. Lehre Seine Lehre baut sich auf dem Dualismus von Gott und Welt auf, die so stark voneinander geschieden sind, daß es, um ihr Aufeinanderwirken zu ermöglichen, der Zwischenwesen oder Mittler bedarf, deren wichtigstes der Logos, der Sohn Gottes und der Sophia [griech. = Weisheit] ist. Dualistisch ist auch Philos Auffassung vom Menschen. Die Seele ist in den Kerker des Leibes gebannt, daher zielt seine Ethik auf Befreiung aus der Sinnlichkeit, und mündet in der Forderung der Ergriffenheit von Gott, was die Seele dann der Schau Gottes entgegenführt. Philo war der erste Mystiker und Ekstatiker auf dem Boden spezifisch monotheistischer Frömmigkeit. Außerordentlich stark ist sein Einfluss auf die Entstehung einer christlichen Theologie geworden.

20. Plotin

Plotin, auch Plotinos (geb. um 205 in Lykopolis, gest. 270 in Minturnae, Kampanien), griechischer Philosoph, Schüler von Ammonios Sakkas, Hauptvertreter des Neuplatonismus, den er als Gedankengut seines Lehrers weiterentwickelte. Plotins ethnische Herkunft ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Der überlieferte Geburtsort Lycopolis ist nicht mit letzter Sicherheit in Ägypten zu lokalisieren. Das einzige Zeugnis seines Lebens ist das Vorwort seines Schülers Porphyros in dessen Sammlung der Reden Plotins ("Enneades"). Es scheint jedoch, daß Griechisch seine Alltagssprache war und auch sein Denken, seine intellektuellen und religiösen Neigungen und seine Ausbildung hellenistisch geprägt waren. Plotin begann mit 28 Jahren in Alexandria Philosophie zu studieren. Hier traf er auf Ammonius Sakkas, einer der antiken Philosophen, über den sehr wenig bekannt ist. Er schloß sich ihm an und verbrachte 11 Jahre in seinem Umkreis. Für Plotin, wie für Origines, wurde Ammonius Sakkas geistiger Führer. Nach Beendigung dieser Zeit begleitete er von 242-243 eine militärischen Expedition Gordians III gegen Persien in der Hoffnung, mit der Philosophie der Perser und Inder in Berührung zu kommen. Das Unternehmen endete mit einem Debakel sowie der Ermordung Gordians, und Plotin konnte nur mit Mühe entkommen und sich nach Antiochia retten. Um 244 trat er in Rom als Lehrer auf, wo Porphyrios ihn 263 kennenlernte. Plotin war sehr angesehen und lebte in bequemen Verhältnissen. Zu seinen Freunden zählten Senatoren und auch Kaiser Gallienus (253-268). Die von seinem Schüler berichteten biographischen Daten beziehen sich alle auf die letzten 6 Jahre seines Lebens. Er starb an einer nicht genau zu ermittelnden Krankheit, die ihn in seinem letzten Lebensjahr zu einem einsamen Mann machte (man vermutet Tuberkolose oder Lepra), im Alter von 65 Jahren. Der Einfluß Plotins ist weitreichend und ist u.a. beim Kirchenvater Augustinus Aurelius nachweisbar. Im Mittelalter wurden Teile seiner Lehre unter dem Namen "Theologie des Aristoteles" bekannt. Später übten seine Gedanken starke Wirkung auf Giordano Bruno, Anthony A.C. Shaftesbury, Goethe, Novalis, Friedrich Schelling und Hegel aus.

21. Avicenna

Avicenna (geb. um 980 in Buchara, gest. 1037 in Hamadan), arabischer Philosoph. Der einflußreiche islamische Denker, auch unter dem Namen Ibn Sina bekannt, diente im Laufe seines Lebens verschiedenen Dynastien im Iran als Arzt, manchmal auch als Politiker. Seine wichtigsten Werke neben der Medizin schrieb er aber im Bereich der Philosophie. Seine bedeutensten sind ein "Kanon der Medizin" und die "Anweisungen und Bemerkungen", in denen er sein philosophisches System zusammenfaßt. Mit Avicenna erreichte das metaphysische Denken innerhalb des Islam seinen Höhepunkt. Sein philosophisches System bildet nicht nur die Synthese zwischen dem aristotelischen und dem neuplatonischen Denken, sondern ist allgemein eine Verbindung von philosophischem und religiösem Denken. Er verleiht der Philosophie innerhalb des Islam durch seine enge Bindung an die Religion ein bis dahin nicht gekanntes Gewicht, so daß die Philosophie den gleichen Rang einnehmen konnte wie die Religion. Durch Übersetzungen seiner Werke wurde Avicenna im 12. Jh. zuerst in Spanien dem europäischen Mittelalter bekannt. Den größten Einfluß hatte Ibn Sinas Denken auf Albertus Magnus und dessen Schüler Thomas von Aquino. Das medizinische Werk Avicennas blieb bis ins 16. Jh. in Europa richtungsweisend.

22. Averroes

Averroes (geb. 1126 in Cordoba, gest. 11.12.1198 in Marrakesch), arabischer Philosoph. Bekannt wurde der arabische Denker Ibn Ruschd mit dem Namen, den ihm das lateinische Mittelalter gab: Averroes. Er lebte und arbeitete in Cordoba zu einer Zeit, als im islamischen Osten das philosophische Denken bereits durch die orthodoxe islamische Theologie erstickt worden war. So erlangte er auch seine größte Bedeutung nicht im islamischen-arabischen Bereich, sondern im europäischen Mittelalter (Averroismus). In seinem philosophischen Schaffen widmete er sich vornehmlich der Lehre des Aristoteles, die er von Verfälschungen, die im Laufe der islamischen Überlieferungen entstanden waren, zu reinigen versuchte. Er steht in der alexandrinischen Tradition des Alexander von Aphrodisias oder des Themistius. Seine härteste Kritik richtet sich gegen Avicenna, der die Lehre des Aristoteles durch neuplatonische Gedanken verfälscht habe. Das Hauptwerk des Averroes richtete sich gegen al-Ghazzali und dessen Ablehnung der Philosophie. Für Averroes konnte nur logisches Denken die Streitfragen der islamischen Theologie lösen.

23. Maimonides, Moses

Moses Maimonides (geb. 1135, gest. 1204), jüdischer Philosoph, Arzt und Theologe, erstrebte Synthese zwischen jüdischem Glauben und Aristotelismus, wirkte auf die Scholastik und auf Spinoza ein. 23.1 Scholastik Die Herkunft aus dem Unterricht, zunächst in den Klöstern, später an den großen Universitäten wie Paris und Oxford, belegt schon der Name: "Schullehrer". Die Scholastik philosophierte nicht ohne Voraussetzungen, sondern wollte die unanfechtbaren Wahrheiten des Glaubens mit den Mitteln der Vernunft begründen und erklären ("credo ut intelligam"), sie ordnen und sie in ein System bringen und mögliche Einwände widerlegen. Sie entsprang der Aufnahme und Fortentwicklung der griechischen Philosophie; da sie hinter der irdischen Seinswelt den Plan des göttlichen Schöpfers weiß, ist sie wesentlich idealistisch. Auch die Methodik der Scholastik ist vom Kloster- und Schulbetrieb angeregt. Ihre Säulen sind zum einen die "quaestio" (Untersuchung), die aus dem gelehrten Streitgespräch stammende präzise Herausarbeitung der Fragestellung und sorgfältige Abwägung aller Argumente für und wider eine Sache (pro et contra). Kommentierung und kritisches Studium der Schrift und der oftmals widersprüchlichen "Autoritäten" verlangen die klare Unterscheidung der Begriffe (distinctio). In den großen Summen erreicht die Methode höchste Meisterschaft. Auch wenn die vorausgesetzte Autorität der Offenbarung die schöpferische Freiheit der philosophischen Vernunft beträchtlich beschneidet, ist die Scholastik bestimmt von der bewußten und verschärften Unterscheidung von Glaube und Wissen, von Philosophie und Theologie. Das Ringen um die Einheit der Philosophie mit der als vorrangig aufgefaßten Theologie hat die Scholastik entwickelt; das Zerbrechen dieser Einheit beendete ihre führende Rolle abendländischen Geisteslebens. In ihrer ursprünglichen Schulfunktion blieb sie jedoch von Bedeutung; das 19. Jh. endeckte sie wieder in der Neuscholastik. Vom 9. bis 12. Jh. prägte die Frühscholastik die philosophischen Methoden aus, um die sich besonders Pierre Abälard große Verdienste erwarb. Seine Schriften wie "Sic et non" ("Ja und nein") setzten sich in aristotelisch geschulter Dialektik kritisch mit den Widersprüchen der Autoritäten auseinander. Erste Bestrebungen, den philosophischen Wissensstand zu systematisieren, fanden ihren Niederschlag in den Sentenzbüchern (Petrus Lombardus). Die aristotelische Logik und der von Augustinus Aurelius vermittelte Neuplatonismus befruchteten die philosophische Bewußtwerdung. Der gefestigte Glaube suchte nach philosophischer Vertiefung; Anselm von Canterbury war beispielhaft für diese Grundstimmung. Der Universalienstreit drohte die Früscholastik zu entzweien; gehen die Allgemeinbegriffe den Einzeldingen in der Existenz real voraus (Realismus [Philosophie]) oder sind sie wie Roscelin von Compiégne lehrt - bloße von den Einzeldingen abgeleitete Namen [Nominalismus]? Der Realismus war mit dem theologischen Idealismus vereinbar, der Nominalismus nicht. Abälard fand die rettende Synthese: Keines von beiden ist vor dem anderen, sondern die Allgemeinbegriffe sind in den Dingen. Die Hochscholastik verdankt ihre Blüte im 13. Jh. mehreren Ereignissen. Über die jüdischen und arabischen Philosophen besonders aus Cordoba machte das Abendland die Bekanntschaft mit dem ganzen Werk des Aristoteles. Dazu kam die fruchtbare Auseinandersetzung der neuen Orden, Dominikaner und Franziskaner, und die Herausbildung der Universitäten. Das neue Aristotelesbild bezog nun auch die Naturwissenschaften in das Denken ein. Das konnte bis zur pantheistischen Herausforderung des arabischen Aristotelikers Averroes gehen. Das Streben nach systematischer Zusammenschau führte nun zu den großen Summen besonders Thomas von Aquinos, der das Werk seines Lehrers Albertus Magnus vollendete. Anders als diese großen Dominikaner legten die Franziskanertheologen, allen voran Bonaventura und Duns Scotus, größeres Gewicht auf die augustinische Tradition. Die Denker beider Bettelorden, die sich Mitte des 13. Jh. in Paris gemeinsam gegen die Widerstände der "etablierten" Lehrer durchgesetzt hatten, verband dabei die Überzeugung, die Philosophie sei eine "dienende Magd" der Theologie. Roger Bacons entschiedene Forderung nach unabhängiger Forschung bereicherte den Kosmos der Zeit. Diese Einheit von Philosophie und Theologie zerbrach in der Spätscholastik des 14. Jh. Schon der Antirationalismus des Duns Scotus hatte die Scheidung von philosophischer und theologischer Wahrheit vorbereitet; wird die Unterwerfung unter die Autorität der Kirche zur Pflichtübung, ist es zum Konflikt ein kurzer Schritt. Formal "scholastischer" als die Thomisten, entzog Wilhelm von Occam durch die Wiederbelebung des Nominalismus der Scholastik den Boden. Der aufkommende Humanismus, in dem die Wissenschaften zu selbstbewußter Eigenständigkeit fanden und in der Begeisterung für die Antike auch Platon und Aristoteles ohne Vorbehalt zu studieren begannen, verblaßte die Anziehungskraft der thomistischen Synthese. Erstarrt in Schulzwisten zwischen dem "alten Weg" der Thomas-Nachfolger und dem "neuen Weg" (via moderna) der Nominalisten, verbiß sich die scholastische Philosophie übermäßig in theologische Spitzfindigkeiten, die ihrem Namen einen negativen Beigeschmack verliehen. HOCH 23.2 Spinoza, Baruch Was ist Gerechtigkeit Baruch (Benedictus) de (geb. 1632, gest. 1677), niederländischer Philosoph, dessen philosophisches System zu den wichtigsten der neueren Philosophie gehört. In seinem Hauptwerk "Die Ethik, nach geometrischer Methode dargestellt" (1677) beschäftigt er sich mit den letzten Gründen und Zusammenhängen des Seins. Gott ist die einzige unendliche Substanz, deren zeitweilige Erscheinungsformen (Modi) der Mensch als Körper und Geist und alle endlichen Dinge sind. Höchste Aufgabe des denkenden Menschen ist, die Dinge als in Gott begründet und als ewige Notwendigkeit zu begreifen. Spinoza hatte großen Einfluß auf die deutsche Philosophie (siehe Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang Goethe), Schelling, Hegel u.a.).

24. Thomas von Aquino

Thomas von Aquino (geb. 1225, gest. 7.3.1274), italienischer Theologe und Philosoph, Dominikaner, seit dem 14. Jh. "doctor communis" (= der gemeinsame Lehrer), seit dem 15. Jh. "doctor angelicus" (= der den Engeln - an Erkenntnis - gleiche Lehrer), Heiliger (Tag: 7.3.), Patron aller christlichen Schulen, einer der bedeutendsten katholischen Theologen, Höhepunkt der Scholastik. Als Schüler des Albertus Magnus vollendete er dessen Versuch, die Theologie (besonders die des Augustinus) mit dem Aristotelismus zu verbinden. Dabei zog er als erster zwischen Glauben und Wissen eine eindeutige Grenze. Mit Aristoteles' Begriffen Wirklichkeit und Möglichkeit (Akt und Potenz) erklärt er den Strukturaufbau allen Seins. Seine Ontologie der gesamten Schöpfung basiert auf dem Grundgedanken eines stufenweisen hierarch. Aufbaus von der bloßen Möglichkeit der "ersten Materie" bis zur "reinen Wirklichkeit" Gottes. Das menschliche Wissen steht nicht im Widerspruch zum Glauben an die übernatürl. Offenbarung, sondern ist dessen Voraussetzung, so wie es andererseits vom Glauben vervollkommnet wird. Das Verhältnis von Natur und Übernatur besteht darin, daß die Gnade die Natur voraussetzt und sie erhöht. Die ewige Glückseligkeit als Ziel des Menschen ist die Schau Gottes im jenseitigen Leben. Die Erkenntnis kommt vor dem Wollen. In seiner Ethik und Sozialphilosophie unterscheidet Thomas von Aquino zwischen dem göttlichen Gesetz, dem Naturrecht und dem positiven Recht (der geschichtlich von Menschen erlassenen Gemeinschaftssatzung). Er erklärt sittliches Handeln als eine Handlungsweise, die der Ordnung des Seins entspricht. Diese Verpflichtung gegenüber einem Naturrecht, das für alle Menschen bindend sein soll, wird heute auch von einigen katholischen Theologen in Zweifel gezogen. Daneben gibt es andere Aspekte, bei denen Thomas von Auino um der genialen Einheit willen umdeutet und umbiegt. Das schmälert nicht die Größe von Thomas von Aquino, wie sie sich im Thomismus und Neuthomismus zeigt. Unter Thomismus wird nicht nur die Ausbildung der Lehrmeinungen von Thomas von Aquino zum geschlossenen System in den sich an Thomas von Aquino anschließenden Schulen verstanden, sondern auch als die Hauptrichtung der Scholastik und philosophisch-theologische Grundlage des Lehramts der Katholischen Kirche. Innerhalb der Scholastik gilt der Thomismus auch als Gegensatz zur Schule des Suárez, vor allem in der Lehre vom Sein. In einem noch engeren Sinne wird unter Thomismus die Molina (Molinismus) widersprechende Lehre von Gottes Mitwirkung am menschlichen Tun ohne Aufhebung der Willensfreiheit verstanden. Hauptwerke: "Summa theologica", "Summa contra gentiles". Denker der Hochscholastik:

25. Bacon

Francis Francis Bacon (Baco von Verulam) (geb. 22.1.1561 in London, gest. 9.4.1626 in Highgate), englischer Philosoph, Essayist und Staatsmann. Bacon wandte sich gegen die Scholastik der Zeit und gilt mit seinem Werk als Begründer des neuzeitlichen Empirismus. Obwohl er zum Teil durchaus noch den metaphysischen Traditionen des mittelalterlichen Aristotelismus (siehe auch Aristoteles) verpflichtet blieb, können seine Arbeiten als Beginn des naturwissenschaftlichen Denkens und der rationalen Naturbeherrschung gesehen werden. Bacon suchte eine strikte Trennung von theologischem Offenbarungswissen und weltlichem Erfahrungswissen zu begründen. Über Naturbeobachtung, Experiment und Induktion sollte demnach die Natur enträtselt werden, um daraus Naturgesetze und letztendlich auch Erfindungen abzuleiten, welche die Herrschaft des Menschen über die Natur erweitern. So wie die Theologie mit ihren Systemen göttliche Gesetzmäßigkeiten zu erkennen suchte, so sollte die weltliche Wissenschaft das Wissen über die Natur systematisch entwickeln. Wissen wird demnach als Macht verstanden ("Wissen ist Macht") und das Vermögen des Menschen als Konsequenz seines Wissens. Mit diesem rationalen Weltverständnis markiert Bacon den epochalen Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Werke "De dignitate et augmentis scientiarum" (1605), Novum organum scientiarum" (1620), "Nova Atlantis" (1627).

26. Duns Scotus

Johannes Duns Scotus (geb. 1265, gest. 1308) war englischer Franziskaner und Scholastiker, er wirkte in Oxford, Paris und Köln als Gegner des thomistischen Systems. Die Zahl der streng beweisbaren Dogmen schmolz bei ihm sehr zusammen. Gottes Wesen sei in erster Linie nicht Intellekt, sondern logisch unableitbarer Wille.

27. Occam, Wilhelm

Wilhelm von Occam, auch Ockham (okem) (geb. um 1290, gest. um 1349), englischer Scholastiker, Begründer des späteren Nominalismus. Sieht die Welt nur aus Einzeldingen und -wesen zusammengesetzt, das Allgemeine existiere lediglich als Begriff des Geistes. Strikte Trennung von Theologie und Wissenschaft. Seine Schule wirkte auf Luthers (siehe Luther, Martin) Rechtfertigungslehre, auf die moderne Logik sowie Mechanik und Astronomie (Galilei, Galileo).

28. Marsilius von Padua

Marsilius von Padua (ca. 1275 bis 1342/43), italienischer Staatstheoretiker, sprach dem Volk die oberste Gewalt in Staat und Kirche zu, als Ketzer verurteilt. HOCH Thomas Hobbes und Denker seiner Zeit:

29. Hobbes, Thomas

Thomas Hobbes (geb. 5.4.1588 in Malmesbury, gest. 4.12.1679 in Hardwick), englischer Philosoph und Staatsmann. Hobbes zählt zu den wohl vielseitigsten Theoretikern der Philosophiegeschichte, der in den Bereichen der politischen Philosophie, der Erkenntnistheorie und auch Optik, der Logik und als einer der ersten Philsophen auch in der Philosophie der Sprache einflußreiche Vorstellungen entwickelte. Kennzeichnend für alle seine Arbeiten ist die Tendenz zum Materialismus und Determinismus sowie auch die Integration mathematisch-empirischer Erklärungsmodelle. Nach Hobbes ist der Mensch in seinem Willen determiniert, wenn er auch in seinen Handlungen eine relative Freiheit behaupten kann. Auch die menschliche Natur wird primär von egoistischen Antrieben bestimmt, von der Selbsterhaltung und von der Motivation, sich Genuß zu verschaffen. Diesem Theorem liegt sicher auch die historische Erfahrung im England des frühen 17. Jahrhunderts zugrunde, die gekennzeichnet war von Instabilität und bürgerkriegsähnlichen Zuständen. So definiert Hobbes auch den Naturzustand des Menschen als einen Krieg aller gegen alle (Bellum omnium contra omnes) und leitet aus dieser Annahme seine für die Zeit bedeutsame politische Philosophie ab, daß die naturhafte Gesellschaft dem "Leviathan" gleiche, einem biblischen Ungeheuer, und das dieser Zustand nur durch eine allgemeine und absolute Machtinstitution befriedet werden kann. So plädiert Hobbes für einen absoluten Monarchen, der durch eine Art des Vertragsverhältnisses von den Individuen dazu befugt wird, Gesetze zu erlassen. Die Individuen werden hierbei von einem "aufgeklärten Egoismus" geleitet, da ihnen die somit realisierte Befriedung die bessere Durchsetzung eigener Interessen ermöglicht. Erst durch die absolute Macht eines Herrschers läßt sich somit nach Hobbes erst ein humanes Leben ermöglichen. Werke: "Elements of Law Natural and Politic" (1639), "Elementa philosophica de cive" (1642), "De homine" (1655), "Leviathan or the Matter, Form an Authority of Government" (1651)

30. Kopernikus, Nikolaus

Nikolaus Kopernikus (geb. 19.2.1473 in Thorn, gest. 24.5.1543 in Frauenburg), polnischer Astronom. Kopernikus gilt als der Reformator der neuen Astronomie. Er studierte in Krakau, Bologna und Padua Rechtswissenschaft, alte Sprachen, Medizin und Astronomie. 1512 wurde er Domherr in Frauenburg. Schon sehr früh beschäftigte er sich mit dem ptolemäischen Weltbild (siehe geozentrisch) und erkannte dessen Unwahrscheinlichkeit. Er war der Überzeugung, daß die Sonne im Mittelpunkt des Weltalls ruhe und daß die Planeten um sie kreisen (kopernikanisches Weltsystem). Zu diesem Weltsystem gelangte er nur aufgrund theoretischer Überlegungen, die durch antike Schriften wie die des Philosophen Aristarch von Samos überliefert waren. Dieses kopernikanische Weltbild aber entsprach nicht dem von der römisch-katholischen Kirche favorisierten ptolemäischen Weltsystems, nach dem die Erde der Mittelpunkt des Weltalls sei und die Sonne und alle anderen Planeten um sie kreisen würden. Mit seinem Werk "De revolutionibus orbium coelestium" wird die sog. kopernikanische Wende eingeleitet. In diesem Werk publizierte er sein Weltbild. Jedoch ließ er die Publikation erst in seinem Todesjahr erscheinen, da er wußte, daß sein Weltsystem von der katholischen Kirche bekämpft worden wäre. Entgegen seiner Erwartung wurde sein Werk jedoch nicht gleich von der katholischen Kirche verboten. Angeblich soll sein Latein so schlecht gewesen sein, daß sein Werk zunächst kaum zu lesen gewesen sein soll. Das kopernikanische Weltsystem ist auch unter dem Begriff des heliozentrischen Weltsystems bekannt.

31. Kepler, Johannes

Johannes Kepler (geb. 7.12.1571 in Weilder Stadt, Württemberg, gest. 15.11.1630 in Regensburg), deutscher Astronom und Mathematiker. Nachdem Kepler 1591 in Tübingen den Grad eines Magisters erreichte, trat er 1594 als Lehrer für Mathematik und Moral an der Stiftsschule in Graz ein. 1596 veröffentlichte er sein Werk "Mysterium cosmographicum" in dem er nach einer Harmonie der Planetenbewegungen suchte. 1600 wurde er Assistent von Tycho Brahe in Prag. Nach dem Tod Brahes nahm Kepler dessen Platz als Kaiserlicher Mathematiker ein. Kepler verwendete die Daten Brahes, um 1609 in seinem Werk "Astronomia nova" die ersten beiden Gesetze der Planetenbewegung herzuleiten. 1619 veröffentlichte er die "Harmonices mundi", die das dritte nach Keppler benannte Gesetz enthielt. Die drei Gesetze lauten: - 1. die Bahnen der Planeten sind Ellipsen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht. - 2. Der Fahrstrahl von der Sonne zum Planeten überstreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen. - 3. Die Quadrate der Umlaufzeiten verhalten sich wie die Kuben der mittleren Entfernung zur Sonne. Aufgrund der von Kepler gefundenen Gesetze der Planetenbewegungen veröffentlichte er 1627 die Rudolfinischen Tafeln, welche die Planetenbahnen bis in das 18. Jh. hinein enthielten. Kepler war ein Theoretiker, da er aufgrund eines Augenfehlers keine eigenen Entdeckungen am Fernrohr machen konnte.

32. Gassendi, Pierre

Pierre Gassendi (geb. 1592, gest. 1655), französischer Gelehrter, Gegner von Descartes. Gassendi knüpfte an die atomistische Theorie des Altertums (Altertum) an.

33. Galilei, Galileo

Galileo Galilei (geb. 15.2.1564 in Pisa, gest. 8.1.1642 in Arcetri bei Florenz) war ein bedeutsamer italienischer Forscher, mit dem die moderne Physik (beruhend auf Erfahrung und Experiment) begann. Galileo Galilei war ein Univeralgelehrter seiner Zeit. Er war Mathematiker, Physiker und Philosoph in einer Person. 1589 wurde er Professor in Pisa und anschließend 1592 in Padua. Danach war er von 1610 an Hofmathematiker des Großherzogs von Florenz. Er untersuchte Fall- und Wurfbewegungen und begründete damit die Kinematik. Galilei fand die Gesetze des und die Schwingungsgesetze des Pendels. Außerdem erfand er die hydrostatische Waage zur Bestimmung spezifischer Gewichte. Er baute 1609 das von Ch. Huygens in Holland erfundene Fernrohr nach und entdeckte Mondberge, Sonnenflecken und die vier großen Jupitermonde. Seine Entdeckungen am Sternenhimmel veröffentlichte er 1610 im "Sidereus nuncius". Außerdem beschäftigte er sich mit der Zusammensetzung der Milchstraße. Galilei war ein Verfechter des heliozentrischen Weltsystems nach Nikolaus Kopernikus. Damit geriet er mit der römisch-katholischen Kirche in Konflikt, die 1616 seine Lehre des heliozentrischen Weltsystems durch den Papst untersagte. Trotzdem veröffentlichte Galilei 1632 seine Schrift "Dialogo", in der er wiederum für das heliozentrische Weltbild eintrat. Dies führte zu einer erneuten Konfrontation mit der römisch-katholischen Kirche und zu einem Prozeß, in dem er wegen Ungehorsams und Ketzerei angeklagt worden war. Am Ende des Prozesses, am 22.6.1633, bekannte er sich vor dem Inquisitionsgericht in Rom zu seinem "Irrtum". Angeblich reagierte er auf die Verurteilung durch die Inquisition mit dem Ausruf: "Eppur', si muove!" ["Und sie bewegt sich doch!"] Damit war die Erde gemeint, denn die Kirche bestand damals auf der Darstellung, die Bahnen der Himmelskörper würden sich um die Erde drehen und die Erde wäre somit der Mittelpunkt der Welt. Doch obwohl Galilei dieses Weltbild vehement ablehnte, war sein Verhältnis zur Kirche nicht unbedingt so extrem, wie es im allgemeinen dargestellt wird. Immerhin erhielt er eine Auszeichnung der Jesuiten für seine wissenschaftlichen Erkenntnisse und wurde sogar vom Papst zu einer Audienz empfangen. Im Gegensatz zu Galileis Physikerkollegen waren die Jesuiten durchaus bereit, durch das von ihm gebaute Fernrohr zu sehen. Das, was sie sahen, waren die Monde, die sich um Jupiter drehen, und damit war auch für sie offensichtlich, daß das geozentrische Weltbild nicht zu halten war. Erst als Galilei behauptete, dieses Weltbild sei nicht nur falsch, sondern seine Theorie sei die einzig Wahre, begannen die ernsthafteren Schwierigkeiten mit der Kirche, da diese sich in ihrer Monopolstellung angegriffen fühlte. Hätte er seine These nur als Vermutung, als Theorie ausgewiesen, wäre es vermutlich nie zu dem berühmten Prozeß gekommen. Galilei wurde zu 7 Bußpsalmen pro Woche für eine Dauer von 3 Jahren verurteilt. Außerdem wurde ihm eine Kerkerstrafe auferlegt, die er aber nie anzutreten brauchte. Auch daß er später einige Zeit als Gast bei dem Erzbischof von Siena wohnte, zeigt deutlich das gar nicht so schwierige Verhältnis zwischen ihm und der Kirche. Galilei verbrachte seinen Lebensabend auf Kosten des Staates in dem kleinen Dorf Arcetri, wo er bis zu seinem Tod unbelästigt seine Forschungen weiterführte. 1992 wurde er von der römisch-katholischen Kirche durch Papst Johannes Paul II. rehabilitiert.

34. Descartes, Rene

René Descartes, oder Renatus Cartesius, (geb. 31.3.1596 in La Haye, gest. 11.2.1650 Stockholm), französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler. Begründer des modernen Rationalismus in der Philosophie, der ausgehend vom Prinzip der souveränden Vernunft den Beginn der Neuzeit markiert. Ausgebildet wurde René Descartes bei den Jesuiten von La Fléche, die ihn mit der Denkweise der Scholastik und den Prinzipien des Humanismus' vertraut machten. Nach zahlreichen Reisen durch Europa ließ er sich zwei Jahre im liberalen Holland nieder, um sich hier zurückgezogen seinen Studien zu widmen. Jedoch verzichtete er durch die Eindrücke des Galilei-Prozesses (siehe Galilei, Galileo) auf die Veröffentlichung seines Hauptwerks "Le Monde", da er hier die Grundlagen des Kopernikanischen Systems befürwortete (siehe Kopernikus, Nikolaus). Die Rücksichtnahme auf die kirchlichen Autoritäten prägten auch noch sein Hauptwerk "Discours de la Méthode", in dem er zwar den Zweifel als oberstes Erkenntnisprinzip formuliert und doch die Existenz Gottes eben daraus abzuleiten versucht, ohne der selbst eingeforderten Stringenz damit gerecht werden zu können. Philosophie Zentrales Thema bei René Descartes ist die Frage, wie man überhaupt zur Lösung eines Problems und zu sicheren Erkenntnissen gelangen kann. Für Descartes ist dabei zuerst die Analyse von Wichtigkeit, wobei der Erkenntnisgegenstand in seinen konstitutiven Bestandteilen wahrgenommen werden soll. Durch Synthese und vor allem Deduktion wird dann von der Erkenntnis der Teile auf die Beschaffenheit des Ganzen geschlossen. Dieses Verfahren soll nach Descartes für alle Wissenschaften Geltung beanspruchen können, da so die notwendigen und hinreichenden Bedingungen für die Erkenntnis der Wirklichkeit und des menschlichen Daseins geschaffen werden. Es geht hierbei also primär um die Bedingungen einer Erkenntnis, welche Gültigkeit beansprucht, und um die Abwehr konventioneller Vorurteile und nur behaupteter Wahrheiten, die der steten Prüfung unterzogen werden müssen. Wichtigste heuristische Prinzip ist dabei der methodische Zweifel, der letztlich zu der entscheidenden Frage führt, was ich überhaupt wissen kann. Was bleibt, wenn alle konventionellen Wahrheiten, Theorien und Wirklichkeitseinschätzungen dem Zweifel nicht standhalten können? René Descartes entwirft in seiner Methodologie eine Art Szenario, in dem alle diese Wahrheiten gleichsam durch den Zweifel unterminiert werden. Auf dieser Suche nach einem festen Standpunkt, von dem aus Erkenntnis möglich ist, bleibt zuletzt die Gewißheit, daß ich als Denkender existiere - das berühmte "cogito ergo sum". Damit habe ich ein sicheres Bewußtsein meiner selbst als Denkender. Von diesem subjektiven Bewußtsein leitet nun Descartes auch die objektiven Wahrheiten ab. In der Rücksichtnahme auf theologische Ansprüche formuliert er schließlich so auch einen Gottesbeweis: Da ich im subjektiven Bewußtsein auch über eine Idee Gottes verfüge, muß dieser auch wirklich existieren. Eine weitere wichtige Frage, die sich aus der so behaupteten Priorität des Bewußtseins ergibt, ist dann die nach der Seinsbeschaffenheit des Menschen und seiner leiblichen Existenz. In welchem Verhältnis also stehen Geist und materielle Existenz, Seele und Leib? René Descartes entwickelt hier einen Dualismus von "res cogitans" (Geist) und "res extensa" (räumlich ausgedehnte Materie), wobei der Seele die steuernde und dem Leib die mechanische Funktionalität zukommt. Der Leib ist danach lediglich Werkzeug eines weitgehend unabhängigen Geistes. Die Koordination erfolgt nach Descartes in der Zirbeldrüse des Gehirns, gleichsam der seelischen Steuereinheit des Körpers. Insgesamt bekundet auch diese Theorie das Bemühen einer Bereichstrennung, die auch Religion und Rationalismus in einem Dualismus zu vereinbaren sucht. Trotz aller Inkonsistenzen reichen die Auswirkungen der cartesischen Philosophie bis in die Gegegenwart. Sie beeinflußte alle rationalistischen Systeme, nicht nur die von Spinoza, Leibniz u.a., sondern auch die technologisch-instrumentale Wissenschaft, die schließlich auch über den Zweifel, d.h. methodisch über Verifikation oder Falsifikation zu brauchbaren und eben verwertbaren Ergebnissen kommt. Erst so konnte eine funktionstüchtige Technik erschaffen werden. So bezeichnet man mit dem Cartesianismus das aus der Philosophie Descartes' hervorgegangene methodische System einer philosophischen Richtung, die der Erkenntnistheorie Priorität einräumt und in der die rationalistisch-mathematische Methode vorherrscht.

35. Spinoza, Baruch

Was ist Gerechtigkeit Baruch (Benedictus) de (geb. 1632, gest. 1677), niederländischer Philosoph, dessen philosophisches System zu den wichtigsten der neueren Philosophie gehört. In seinem Hauptwerk "Die Ethik, nach geometrischer Methode dargestellt" (1677) beschäftigt er sich mit den letzten Gründen und Zusammenhängen des Seins. Gott ist die einzige unendliche Substanz, deren zeitweilige Erscheinungsformen (Modi) der Mensch als Körper und Geist und alle endlichen Dinge sind. Höchste Aufgabe des denkenden Menschen ist, die Dinge als in Gott begründet und als ewige Notwendigkeit zu begreifen. Spinoza hatte großen Einfluß auf die deutsche Philosophie (siehe Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang Goethe), Schelling, Hegel u.a.).

36. Leibniz, Gottfried Wilhelm

Gottfried Wilhelm Leibniz (geb. 1.7.1646 in Leipzig, gest. 14.11.1716 in Hannover), deutscher Philosoph, Mathematiker und Diplomat. Leibniz wuchs als Sohn einer angesehenen Leipziger Professorenfamilie auf und galt als ein besonders begabtes Kind. Lesen, Schreiben und Latein soll er sich selbst beigebracht haben - und schon mit 15 Jahren begann er sein juristisches und philosophisches Studium ebenfalls in Leipzig. Zu seinen ersten Lehrern gehörte Jacob Thomasius, der Vater des Aufklärungsphilosophen Christian Thomasius. 1663 setzte Leibniz sein Studium in Jena fort und hörte den Mathematiker Erhard Weigel. Bereits mit 21 Jahren promovierte er in Altdorf zum Doktor der Rechte. Kurz nach seiner Promotion empfahl der Mainzer Minister Boineburg den jungen Juristen an den Hof des Kurfürsten von Schönborn, wo er an der Modifikation des römischen Rechts arbeitete. Ebenfalls in die kurmainzische Zeit fiel der Beginn der Bemühungen Leibniz' um einen Ausgleich zwischen der protestantischen und katholischen Kirche, einem Versuch, dem sich der Philosoph zeitlebens widmete. Im Zusammenhang mit den Reunionskriegen Ludwigs XIV. und dem pfälzischen Krieg wurde Leibniz 1672 nach Paris entsandt, blieb dort für vier Jahre und beschäftigte sich unter anderem mit der Mathematik Blaise Pascals und Descartes'. Noch in Paris entwickelte er seine erste Rechenmaschine und schuf die theoretischen Grundlagen für die von ihm erarbeitete Infinitesimalrechnung. Während einer Englandreise lernte er den Sekretär der Royal Academy kennen, wobei diese für Leibniz den Impuls gab, ähnliche Akademien mit universalem Wissensanspruch in Berlin, Dresden und Wien anzuregen. Die Preußische Akademie der Wissenschaften, deren erster Präsident Leibniz 1700 wurde, war dabei die einzige, die auch tatsächlich realisiert wurde - ohne allerdings den universalwissenschaftlichen Anspruch Leibniz' tatsächlich umzusetzen. Noch in Paris lernte Leibniz den Hannoveraner Herzog Johann Friedrich kennen, seinen späteren Dienstherrn, der ihn in Hannover als politischen Berater und Haushistoriker einsetzte. Hannover blieb bis zu seinem Tode der nur wenig geliebte Wohnsitz des Philosophen, wenn auch zahlreiche Reisen nach Berlin, Wolfenbüttel, Wien und Dresden folgten. Bedingt durch die vielen Tätigkeitsfelder und Aufgaben, beschränkten sich die philosophischen und mathematischen Arbeiten Leibniz' primär auf Gelegenheitsschriften und Skizzen. Erst am Ende seines Lebens schuf er die philosophischen Arbeiten und Traktate, die seine Bedeutung vor allem im 18. Jahrhundert ausmachten. Zum Werk Das philosophische Ideengebäude Leibniz' steht ganz in der Tradition der sogenannten "philosophia perennis" bzw. der natürlichen Theologie, die vor allem den Ausgleich bzw. die Einheit von (christlichem) Glauben und menschlicher Vernunft forderte. Die politischen Bemühungen Leibniz' um eine Angleichung der beiden christlichen Kirchen entsprechen somit ganz dem theoretischen Konzept von der Verschränkung von Theologie und Vernunft. Dabei war für Leibniz Vernunft vor allem Logik, mathematische Exaktheit und die enzyklopädische Sammlung des menschlichen Wissens. Über die Sammlung des Wissens und die logische Analyse der Probleme hoffte Leibniz bestehende Widersprüche ausgleichen und die Wirklichkeit systematisieren und kategorial begreifen zu können. Vereinfacht kann Leibniz' Denken als eine mathematisch-theologische Utopie bezeichnet werden. Leibniz umfaßte diese Utopie mit dem Begriff der Denkmöglichkeit bzw. mit dem zentralen Begriff der Möglichkeit selbst. Der für die Geschichte der Philosophie bedeutsamste Ansatz war in diesem Zusammenhang die Theorie Leibniz', nach der auch Gott mögliche Welten dachte - wobei die beste der möglichen Welten dann gleichsam zur Realität wurde. Gott ist nach dieser Theorie auch eine logische Entität, wobei der Mensch mit Gott die Vernunftwahrheiten teilt bzw. diese Vernunftwahrheiten Gottes auf dem abstrakten Weg der Wissenschaft nachzuvollziehen vermag. Die in Gott angelegte perfekte Verbindung zwischen Vernunft und Wirklichkeit inhäriert in einer eingeschränkten Stufe auch dem Menschen sowie allen anderen Wesen (Tieren und auch Pflanzen), wobei der Mensch der göttlichen Perfektion am nächsten kommt. Diese Theorie bringt die sogenannte Monadenlehre (Monade) zum Ausdruck, nach der Gott die Urmonade und alle irdischen Wesen individuelle Ausstrahlungen dieser Urmonade sind. Jede Monade repräsentiert in ihrer individuellen Stellung und Vorstellung zugleich die gesamte Schöpfung. Leibniz' Theorie von der besten der möglichen Welten war vor allem auch eine Antwort auf das Problem der Theodizee. Warum Gott die Welt und ihre Übel so geschaffen hat wie sie ist, kann der Mensch nur abstrakt und punktuell begreifen, wobei er dabei auf die Werkzeuge der Mathematik und Moral angewiesen bleibt. Dabei bleibt dem Menschen trotz der "prästabilierten Harmonie" der göttlich eingerichteten Welt doch auch die individuelle Freiheit, weil Gott zwar die menschlichen Irrtümer und Verfehlungen vorhersieht, diese aber nicht vorherbestimmt. Um der göttlichen Wahrheit näher und näher zu kommen, verfolgte Leibniz das Projekt einer Darstellung des universalen Wissens. Die Begriffe des Denkens, mit denen der Mensch die Welt semantisch faßt, sollten danach gesammelt sowie in all ihren (sinnvollen) Kombinationen aufgelistet werden. Auch hier war die Mathematik das Vorbild, die Wissenschaft, die für Leibniz signifikant die Teilhabe des menschlichen Geistes am göttlichen zum Ausdruck brachte. Hauptwerke Nova methodus discendae docendaeque jurisprudentiae (1667); Versuch der Theodizee über die Güte Gottes, die Freiheit der Menschen und den Ursprung des Übels (1710); Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand (1704, postum veröffentlicht 1765); Monadologie (1714)

37. Kant, Immanuel

Immanuel Kant Was ist Aufklärung Immanuel Kant (geb. 22.4.1724 in Königsberg, gest. 12.2.1804 ebd.), deutscher Philosoph. Kant stammte aus einer Handwerkerfamilie in Königsberg, der damaligen Hauptstadt des Herzogtums Preußen. Durch die Verbindungen der Mutter zum Theologen Schultz, der Professor für Theologie an der Universität und Leiter des Collegium Fridericianum in Königsberg war, wurde Kant im Jahre 1732 dort aufgenommen und besuchte ab 1740 die Universität. Nach dem Abschluß des Universitätsstudiums der Mathematik, der Naturwissenschaften und der Philosophie, vor allem bei dem Ch. Wolf-Schüler Knutzen, trat Kant verschiedene Stellungen als Hauslehrer an. Zurück an der Universität wurde er am 12.6.1755 öffentlich promoviert und konnte als Dozent tätig werden. Zu dieser Zeit veröffentlichte er sein Werk "Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels", in dem er neben anderen kosmologischen Theorien vermutete, daß die Erdrotation durch den Gezeiteneffekt gebremst wird. Im Jahre 1766 nahm er aus finanziellen Gründen eine Aufseherstelle bei der Königlichen Bibliothek an, die er jedoch 1772 wieder aufgab. Nach der Ablehnung verschiedener Angebote konnte er 1770 eine endlich freigewordene philosophische Professur in Königsberg übernehmen. Er lehrte Logik, Metaphysik und auch Naturwissenschaften sowie Geographie. Aufgrund seiner religionsphilosophischen Aufsätze, die 1793 unter dem Titel "Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft" erschienen, wurde Kant 1794 durch eine königliche Kabinettsorder wegen "Entstellung der Heiligen Schrift" verwarnt. Ab 1794 zog sich Kant von seiner Vorlesungstätigkeit zurück und widmete sich seinen eigenen Arbeiten. Mehr anekdotenhaft sind Aussagen über Kants äußerst pünktlichen Lebenswandel und seine Pflichtbewußtheit überliefert - sowie die angeblichen letzten Worte: "Es ist gut". Die Philosophie Kants Kants gesamte Philosophie wird nach drei Phasen unterschieden: der (1) vorkritischen, in der vor allem naturwissenschaftliche und metaphysische Abhandlungen entstanden sowie erste Arbeiten zur Vernunft- und Wahrnehmungsphilosophie; der kritischen (2) Phase, die mit dem wohl bekanntesten Werk Kants einsetzt, der "Kritik der reinen Vernunft" von 1781, und die mit der Schrift "Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft" von 1793 endet; und (3) das nachkritische Schaffen mit den veröffentlichten Vorlesungen über Logik und vor allem Pädagogik sowie dem "Opus postumum" (erst 1938 veröffentlicht), das deutlich fragmentarische Züge trägt. Ausgehend von der metaphysischen Philosophietradition in Deutschland hat Kant seine bedeutende kritische Philosophie entwickelt, die, angeregt durch den englischen Empirismus und den französischen Materialismus, sich verstärkt Fragen der menschlichen Erkenntnis zuwandte. Statt über die objektive Wahrheit des Seins zu spekulieren, geht es in Kants "Kritik der reinen Vernunft" um eine Grenzziehung der menschlichen Erkenntnis und um ihre kategorialen Bedingungen. Kant bezeichnet diese Hinwendung zu den Fragen der Erkenntnismöglichkeit als "kopernikanische Wende". So wie Kopernikus die Stellung von Sonne und Welt neu definierte und eben damit zu korrekten Ergebnissen gelangte, so verändert Kant die Relation von objektivem Sein und subjektiver Erkenntnis, indem er die philosophischen Bemühungen auf letzteres verlagert, statt über die Beschaffenheit des Seins zu spekulieren. Grundlage aller Erkenntnis ist nach Kant die menschliche Erfahrung, die immer in den Kategorien von Zeit und Raum verortet werden kann. Über alles, was diese Grenzen übersteigt, können keine überprüfbaren und damit wissenschaftlichen Ergebnisse formuliert werden. Nur die Anschauungsformen (Raum, Zeit und die Vernunftkategorien) selbst liegen vor aller Erfahrung und bestehen somit apriori. Deren Analyse wird von Kant Transzendentalphilosophie genannt. Eine weitere Trennung, die in der "Kritik der reinen Vernunft" vorgenommen wird, ist die von "Ding an sich" und Erscheinung. Zwar bestreitet Kant nicht die Existenz einer objektiven Dingwelt, wie dies später der subjektive Idealismus tat, doch kann der Mensch aufgrund seiner stets formierten Erkenntnis nur deren Erscheinung wahrnehmen und sich über diese intersubjektiv verständigen. Behauptet man eine sich den Erkenntnismöglichkeiten entziehende "Wahrheit", so führt dies naturgemäß zu sogenannten Antinomien oder unauflösbaren Widersprüchen, die eine Konsequenz unreflektierter Perspektiven darstellen. Erkenntnis bedarf der Begriffe und der Anschaungen, um als Erkenntnis gelten zu können. "Begriffe ohne Anschauungen sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind." In seiner praktischen Philosophie, der "Kritik der praktischen Vernunft", begründet Kant die Bedeutung der reinen Vernunft für die Praxis der Moral des Menschen. Die Vernunft vermag apriori keine Dinge zu erkennen, sie kann aber ein Regulativ des menschlichen Willens ausbilden. Zwar wird der Mensch auch durch seine natürlichen Bedingungen bestimmt, doch als "intelligibles Wesen" vermag er eine moralische Freiheit durchzusetzen, indem er sich gegen seine natürliche Veranlagung entscheiden kann und dem durch die Vernunft gesetzten Sittengesetz in seiner Handlungsweise folgt. Dieses Sittengesetz ist der kategorische Imperativ. Auch die Bedeutung der Religion wird von Kant in diese moralischen Zusammenhänge integriert. Mit seiner Moralphilosophie, seiner Analyse der menschlichen Erkenntnismöglichkeiten und den Forderungen nach individueller Autonomie mittels Vernunft wurde Kant zum repräsentativen Vertreter der deutschen Aufklärung. In seiner Schrift "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung" (1783) gibt er die Definition: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." Diese Definition impliziert die unbedingte Aufforderung zur Emanzipation von dogmatischen und institutionellen Fremdbestimmungen, die den Forderungen der Vernunft entgegenstehen. Das eben auch die staatlichen Institutionen der Vernunft gemäß eingerichtet werden müssen, formulierte Kant schließlich in der Schrift "Zum ewigen Frieden", in der sich eine republikanische Utopie abzeichnet, die zum Garanten eines dauernden Friedens wird. Kants Philosophie hatte enormen Einfluß auf die weitere Entwicklung der deutschen und auch europäischen Philosophiegeschichte, insbesondere auf den deutschen Idealismus (z.B. Johann Gottlieb Fichte). Der Neukantianismus zählte bis zum beginnenden 20. Jahrhundert zu den wichtigsten philosophischen Schulen. Noch heute markieren die Theorien Kants in der Philsophie eine entscheidende Position. Weitere Schriften "Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik", "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten", "Kritik der Urteilskraft", "Metaphysik der Sitten", "Der Streit der Facultäten", "Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht", "Das Ende aller Dinge", "Von einem neuerdings erhobenen vornehmen Ton in der Philosophie"

38. Hume, David

David Hume (geb. 7.5.1711 in Edinburgh, gest. 25.8.1776 ebd.), schottischer Philosoph, Historiker und Diplomat, bedeutenster Vertreter der englischsprachigen Aufklärung und des frühen Empirismus. Nach dem Vorbild der sich ausbildenden Naturwissenschaften suchte Hume auch die Wissenschaft des Menschen durch Erfahrung zu begründen. So forderte er auch im Bereich der philosophischen Disziplinen die Einführung der induktiven Methode und die Abkehr vom spekulativen Denken der zeitgenössischen Metaphysik und Ontologie. Die naturalistisch-nüchterne Betrachtung des Daseins sollte nach Hume treten sowie die Kritik an Aberglauben und nicht überprüfbarer Metaphysik in den Mittelpunkt. Für ästhetische sowie auch moralische Urteile galt es primär, die subjektiven Bedingungen zu analysieren, statt über die Seinsbedingungen zu spekulieren. Moralische Urteile haben nach Hume kein objektives Sein, sie sind vielmehr, ähnlich wie bei ästhetischen Urteilen, über die Schönheit eines Dings, im subjektiv-menschlichem Erleben verhaftet. Zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll, besteht eine klare Differenz, und wer diese einebnet, begeht nach Hume einen "naturalistischen Fehlschluß". Hume betont dagegen die Bedeutung der Emotionen auch für die menschliche Moral, die Verbindung von Glück oder Unglück mit bestimmten menschlichen Gefühlen. Erfahrung und Bewußtsein sind demnach ebenso Resultate kontingenter Erlebnisse und Emotionen, die menschliche Identität somit keine fest zu umreißende Entität, sondern ein wechselhafter Zustand, der dementsprechend auch keine objektive Erkenntnis zuläßt. Mit diesen Theorien wurde Hume zum Vorläufer eines radikalen Skeptizismus und Solipzismus. Werke: "Untersuchung über den menschlichen Verstand" (1748), "Untersuchungen über die Prinzipien der Moral" (1751), "Naturgeschichte der Religion" (1755), "Dialoge über natürliche Religion" (1779) HOCH Denker des deutschen Idealismus und ihre Gegner:

39. Lessing, Gotthold Ephraim

Was ist Eifersucht Gotthold Ephraim Lessing (geb. 22.1.1729, gest. 15.2.1781) ist einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Aufklärung. Lessing stammte aus einem protestantischen Pfarrhaus in Kamenz (Oberlausitz). Er studierte zunächst in Leipzig (1746-1748) Theologie, Philologie und Philosophie. Hier trat er mit einer Schauspielgruppe in Verbindung, die seine ersten in dieser Zeit entstandenen Stücke aufführte ("Der junge Gelehrte", 1748; "Die alte Jungfer", 1748). Von finanziellen Nöten geplagt, ging Lessing 1748 nach Wittenberg, wo er sein Studium 1752 beendete, dann nach Berlin. Er arbeitete einige Jahre als Kritiker, Übersetzer, Redakteur. Da die Tätigkeit als freier Schriftsteller zwar geistige Freiheit garantierte, aber große materielle Schwierigkeiten mit sich brachte, nahm Lessing 1760 eine gut bezahlte Stelle als Sekretär in Breslau an. 1767 wurde er für zwei Jahre Dramaturg und Kritiker am Haburger Nationaltheater. Seit 1770 arbeitete er als Biblothekar des Herzogs von Braunschweig und Wolfenbüttel. Lessing ist in die Literaturgeschichte als Begründer des deutschen Nationaltheaters und des bürgerlichen Trauerspiels eingegangen. Zeit seines Lebens setzte er sich konsequent für eine Reform des Theaters ein. Lessing ging es darum, ein Theater für die ganze Nation, nicht für eine priviligierte adlige Minderheit, zu schaffen, wobei vor allem aktuelle Probleme, bürgerliche Konflikte im Mittelpunkt stehen sollten und mit der starren Form und der gehobenen Ausdrucksweise des Klassizismus gebrochen werden sollte. Die von Johann Christoph Gottsched begonnene Theaterreform entschieden weiterführend, knüpfte er dabei vor allem an das antike Theater, insbesondere an Aristoteles als auch an William Shakespeare an. Lessing hat seine theoretischen und philosophischen Überlegungen in den Schriften "Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie" (1766), "Briefe, die neueste Literatur betreffend" (1759/65), "Hamburgische Dramaturgie" (1767/69) und "Die Erziehung des Menschengeschlechtes" (1780) niedergelegt. Obwohl die Idee eines Nationaltheaters seinerzeit aufgrund finanzieller Probleme nicht verwirklicht werden konnte, hat Lessing mit seinen Stücken "Miss Sara Sampson" (Trauerspiel, 1755), "Minna von Barnhelm" (Lustspiel, 1767), "Emilia Galotti" (Trauerspiel, 1772) und "Nathan der Weise" (Drama, 1779) einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des bürgerlichen Trauerspiels geleistet. Den Grundgedanken dieser Werke bildet, im Sinne der Aufklärung, die Erziehung zur Mündigkeit, zur Toleranz und zum kritischen Bewußtsein. Lessings Stücke zählen heute neben denen Johann Wolfgang Goethes, Friedrich Schillers und Jakob Michael Reinhold Lenz' zum festen Repertoire der Schauspielpläne. Weitere Werke: "Die Juden" (1749), "Der Freigeist" (1749), "Fabeln und Erzählungen" (1753).

40. Herder, Johann Gottfried

Johann Gottfried von Herder (geb. in Mohrungen/Ostpreußen 25.8.1744, gest. in Weimar 18.12.1803), deutscher Schriftsteller und Philosoph. Herder kam als Sohn eines evangelischen Kantors zur Welt. Er studierte von 1762 bis 1764 Theologie in Königsberg, wo er Schüler von Immanuel Kant war. In Riga arbeitete er zunächst als Prediger und Lehrer, trat aber 1769 eine Schiffsreise nach Frankreich an, über die er "Das Journal meiner Reise 1769" schrieb. 1770 traf er in Straßburg auf Goethe. Die Begegnung führte zum Beginn der Sturm-und-Drang- Bewegung, deren bedeutendster Theoretiker Herder wurde. Er geriet in eine heftige Debatte mit Gotthold Ephraim Lessing, in der er in der Literatur Originalität statt Nachahmung forderte. 1771 ging er als Hofprediger nach Bückeburg und kam schließlich 1776 auf Goethes Vermittlung hin als Prediger und Generalsuperintendent nach Weimar, wo er bis zum Ende seines Lebens blieb. Er überwarf sich später mit Goethe und freundete sich mit Jean Paul an, der seine sich entwickelnde Feindschaft mit der Klassik-Bewegung ebenso unterstützte, wie Christoph Martin Wieland. Selbst sein ehemaliger Lehrer Kant sah sich Herders Attacken ausgesetzt, und es wurde deutlich, daß der selbstbewußte Philosoph die Anwesenheit eines gleichwertigen und dazu noch berühmteren Charakters (Goethes) in seiner Nähe nicht ertragen konnte. Herder war der Kirche immer suspekt. Seine Auslegung der Bibel als peotische Summe der Naturreligionen, seine Gleichsetzung von Gott und Natur, seine Weigerung, sich gesellschaftlichen Konventionen, wie dem Tragen einer Perücke, anzupassen, und schließlich seine Nähe zu den Gedanken Spinozas machten ihn zu einem unbequemen Verfechter des Glaubens. Von Montesquieu und Johann Winckelmann beeinflußt, schuf er die Grundlagen für den Historismus. Ebenso waren seine Werke bahnbrechend für die sozialgeschichtliche Literaturwissenschaft. Als Wegbereiter der deutschen Klassik wirkten die Gedanken Herders besonders stark auf die Romantiker, aber auch auf Sprachphilosophen wie etwa Wilhelm Humboldt. Eines der Hauptziele Herders war die Vereinigung von Verstand und Gefühl. Werke (Auswahl): - "Über den Ursprung der Sprache" (1772) - "Von deutscher Art und Kunst" (1773 - "Stimmen der Völker in Liedern" (1778) - "Ideen zur Philosophie der Menschheit" (1784-91)

41. Fichte, Johann Gottlieb

Johann Gottlieb Fichte (geb. 19.5.1762 in Rammenau, gest. 27.1.1814 in Berlin), deutscher Philosoph. Er entwickelte Immanuel Kants Transzendentalphilosophie zum Idealismus, wonach die praktische Vernunft und die moralische Autonomie und Freiheit im Mittelpunkt stehen. Fichte, der aus armen Lebensverhältnissen stammte, wurde durch seine Schrift "Versuch einer Kritik aller Offenbarung", welche 1792 anonym erschien und zuerst als eine religionskritische Arbeit Kants angesehen wurde, berühmt, nachdem Kant selbst den Namen des Verfassers bekanntgab. So wurde er schon 1794 als Professor nach Jena berufen, mußte jedoch 1800 Jena wieder verlassen, nachdem ihm seine religionsphilosophischen Vorstellungen den Vorwurf des Atheismus einbrachten, den er nicht zu entkräften vermochte. Durch seine "Reden an die deutsche Nation" erregte er 1807/08 abermals das öffentliche Interesse, nachdem vor dem Hintergrund der französischen Hegemonialpolitik das Nationalbewußtsein in den deutschen Kleinstaaten erwachte und das Ziel einer einheitlichen und autonomen deutschen Nation stärker in den Vordergrund trat. 1809 wurde Fichte in Berlin Professor und 1811 der erste gewählte Rektor. Fichtes Werk stellt einen Höhepunkt des deutschen Idealismus dar. Er sah seine Arbeiten als Vollendung der Kantischen Philosophie an, die er zu einem geschlossenen System erweitern wollte. Desweiteren muß für ein Verständnis der Philosophie Fichtes der historische Kontext berücksichtigt werden, d.h. die erst im Zusammenhang der französischen Revolution nachvollziehbaren theoretischen Bestrebungen, eine Theorie des selbstbestimmten und autonomen Subjekts zu formulieren, das sich als freier Wille selbst bestimmt und emazipiert. Kants erkenntnistheoretische Arbeiten und seine Vorstellungen von moralischer Freiheit bildeten hier die wichtigen Voraussetzungen. Erkenntnistheorie und Moral waren bei Kant jedoch durch ein Spannungsverhältnis geprägt, welches das Subjekt der Natur und den Dingen gegenüber als unvereinbar darstellt. Zum einen reicht nach Kant die menschliche Erkenntnis nicht an die objektive Dingwelt heran, an die sogenannte "Dinge-an-sich", sondern lediglich an die Erscheinung der Dinge, die jedoch geprägt sind durch die räumliche und zeitliche Bedingtheit des menschlichen Erkenntnisvermögens; zum anderen formuliert Kant die moralische Freiheit als eine vernünftige und frei zu wählende Pflicht, die immer als Überwindung der natürlichen Neigung gesehen wird, also auch als Selbstüberwindung gegen eigene natürliche Bedürfnisse. Diese Spaltung auch von Vernunft und Gefühl wurde für die nach Kant sich etablierende Philosophie zum Problem und zur Einschränkung einer Subjektvollendung. Fichte setzt bei diesem Problem der Wiedervereinigung an. Daß dem Menschen die Erkenntnis des Dings-an-sich unmöglich sein sollte, war aus seiner Perspektive ein intolerables Faktum des Kantianismus. Die Gegenüberstellung von Subjekt und fremder Objektivität bzw. Natur konnte es seiner Meinung nach nicht geben. Vielmehr war nach Fichte die Subjektivität der Ausgangspunkt der Dingwelt; das Subjekt setzt erst durch das Denkvermögen die Objektwelt, schließt diese also in sich ein. In Fichtes Terminologie der "Wissenschaftslehre", seinem seit 1794 in zahlreichen Fassungen erschienenen Hauptwerk, setzt das "Ich" sich selbst und das "Nicht-Ich", wobei Ich und Nicht-Ich in enger Abhängigkeit zueinander stehen. Die Subjektvorstellung, die dabei dem Ich zugeschrieben wird, ist allerdings weniger als endliche Individualität vorzustellen, sondern vielmehr als eine Absolutheitsvorstellung, die das Verhhältnis des Menschen zur Welt allgemein betrifft und den Menschen also als Gattungswesen begreift. Daß letztlich auch bei Fichte das konkrete Subjekt sich nur im Widerstand, d.h. in der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit der Dingwelt zum freien Willen erhebt, bezeugt damit eine weiterhin bestehende Affinität zu den Vorstellungen der kantischen Philosophie, die auch Fichte nicht zu überwinden vermag. Die angestrebte Harmonisierung bleibt eine Art der regulativen Idee, der man sich ad infinitum anzunähern hat, ohne sie realiter umsetzen zu können. Weitere Hauptwerke "Sittenlehre" (1798), "Die Bestimmung des Menschen" (1800), "Der geschlossene Handelsstaat" (1800), "Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters" (1804/05), "Anweisung zum seligen Leben" (1806).

42. Schopenhauer, Arthur

Was ist Leben Arthur Schopenhauer Arthur Schopenhauer (geb. 22.2.1788 in Danzig, gest. 21.9.1860 in Frankfurt), deutscher Philosoph. Schopenhauer war Sohn eines Kaufmanns und einer Schriftstellerin und mußte auf den Druck des Vaters hin eine Kaufmannslehre absolvieren. Nach dem Tode des Vaters brach er die Lehre ab und zog mit seiner Mutter nach Weimar, wo er Goethe, Wieland und die Gebrüder Schlegel (August Wilhelm Schlegel und Friedrich Schlegel) kennenlernte. 1809 begann Schopenhauer in Göttingen sein Studium, setzte dieses von 1811 bis 1813 schließlich in Berlin fort. Hier hörte er Vorlesungen von Schleiermacher und vor allem Fichte, der seine eigene Philosophie stark beeinflußte. 1813 legte er in Berlin seine Dissertation vor, 1819 erschien sein Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung". 1820 begann er eine kurze Dozententätigkeit in Berlin, die er jedoch schon ein Jahr später aufgrund der geringen Resonanz wieder abbrach. Auch der Konflikt mit Hegel fällt in diese Zeit, wobei Schopenhauer zeitlebens gegen dessen Philosophie polemisierte. Aufgrund des väterlichen Erbes war Schopenhauer wirtschaftlich unabhängig und lebte seit 1820 zurückgezogen und unverheiratet als Privatgelehrter. In seiner Philosophie verstand sich Schopenhauer als direkter Erbe Kants und ähnlich wie dieser geht er davon aus, daß die Welt (des Subjekts) primär Vorstellung ist, also die durch das menschliche Denken formierte Erscheinung und das hinter diesen Erscheinungen die unerkennbaren "Dinge an sich" bestehen. "Die Welt ist meine Vorstellung", lautet der erste Satz in die "Welt als Wille und Vorstellung". Dem reflektierenden Menschen "wird deutlich und gewiß, daß er keine Sonne kennt und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die eine Erde fühlt" (ebd.). Es besteht demnach kein Objekt ohne ein erkennendes Subjekt und umgekehrt. Schopenhauer beschränkt sich jedoch nicht auf dieses erkenntnistheoretische Modell, sondern nimmt zugleich den Willen in den Blick, die "Dinge an sich" trotzdem erkennen zu wollen. "Wir fragen, ob diese Welt nichts weiter als, als Vorstellung sei" (ebd.). Der Wille wird schließlich für Schopenhauer zum absoluten Grundprinzip a priori, zum einen da der menschliche Körper für ihn die Objektivation des Willens darstellt, zum andern weil der Wille das allgemeine Prinzip auch der Erscheinungen darstellt. Vereinfachend kann man sagen: der Wille ist das Ding an sich, welches wir zwar nicht erkennen, an dem wir aber partizipieren. Alle Kräfte der Natur beruhen auf diesen Kräften eines Willens. Dem Willen als Grundprinzip allen Lebens ist dabei ein stetiges Streben eigen. Dieses stetige Streben als Prinzip bedeutet aber auch eine ständige Unzufriedenheit, ein Leiden an der ausbleibenden Erfüllung. Der Wille will immer weiter. Beendet werden kann dieses vielseitige Leiden nur durch die Verneinung des Willens zum Leben, durch den Übergang ins Nichtsein. Schopenhauer sieht diese Verneinung des Willens, der sich im Menschen instinktsicher als Daseins- und Fortpflanzungsdrang entfaltet, als eine reflektierte Leistung an, im Sinne des Buddhismus als eine letzte Erfüllung (Nirvana). Diese Verneinung bedeutet auch die Überwindung der individuellen Grenzen, ein "Sichwiedererkennen" auch in der fremden Erscheinung, letztlich auch ein Mitleiden, welches für Schopenhauer zum obersten moralischen Prinzip wird und zur Basis einer Gerechtigkeit. Das Mitleiden bezieht sich dabei nicht nur auf den Menschen, sondern auf alle lebenden Wesen. Schopenhauers zum einen nihilistische, zum anderen vitalistische Anschauungen hatten großen Einfluß auf Richard Wagner und Nietzsche, Friedrich. Weitere Werke "Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde" (1813), "Über den Willen in der Natur" (1836), "Die beiden Grundprobleme der Ethik" (1860), "Parerga und Paralipomena" (2 Bde. 1851)

43. Hegel, Georg Friedrich Wilhelm

Georg Friedrich Wilhelm Hegel (geb. 27.8.1770 in Stuttgart, gest. 14.11.1831 in Berlin), deutscher Philosoph und bedeutendster Vertreter des deutschen Idealismus. Hegel studierte von 1788 bis 1793 gemeinsam mit Hölderlin und Schelling am Tübinger Stift Philosophie und Theologie. Von 1793 an übernahm er verschiedene Hauslehrertätigkeiten in Bern und Frankfurt. Durch die Vermittlung Schellings konnte Hegel ab 1801 eine Dozententätigkeit in Jena antreten und wurde hier schließlich Professor. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten gab Hegel 1807 seine Lehrtätigkeit auf und wurde vorübergehend Redakteur der Bamberger Zeitung und ab 1808 Rektor des Gymnasiums in Nürnberg. Erst 1816 erfolgte eine neue Berufung als Professor nach Heidelberg und ab 1818 nach Berlin, wo er den seit 1814 unbesetzten Lehrstuhl Fichtes übernahm. In Berlin wurde Hegel zum einflußreichsten Philosophen seiner Zeit. Sein Werk wurde zum maßgeblichen Ausgangspunkt der nachfolgenden Philosophie von Marx bis Nietzsche. Hegels Werk markiert den Schnittpunkt von materialistischem Aufklärungsdenken und romantischen Ganzheitsbestrebungen. Die Forderungen nach einem selbstbestimmten und autonomen Subjekt, die in den Ereignissen der Französischen Revolution ihren historischen Ausdruck fanden und die bei den französischen Aufklärungsphilosophen sowie insbesondere im Werk Kants ihre theoretische Fundierung erfuhren, wurden gerade in den deutschen Territorialstaaten kritisch diskutiert, wo religiös motivierte Absolutheitsvorstellungen und die Kritik an der atomistischen und mechanistischen Auffassung der Aufklärung sowie an den politischen Auswirkungen der Französischen Revolution stark verbreitet waren. Zwar übernimmt auch Hegel die Forderung des autonomen Subjekts, doch hält er stärker an einem Versöhnungsgedanken fest, der die Relation von Individuum und Allgemeinheit betrifft. Seit der Aufklärung wurde Vernunft ausschließlich durch das autonome Subjekt gesetzt, was die radikale Trennung von vernünftigem Subjekt und Objektwelt bedingte. Die Natur wurde letztlich nur zum Material einer instrumentellen menschlichen Vernunft, die Vorstellung von Gesellschaft zu einer atomistischen Gemeinschaft autonomer Individuen, die das Ideal abstrakter Gleichheit umzusetzen suchten. Ähnlich wie Schiller, Hölderlin oder Herder sah auch Hegel in der griechischen Polis das Ideal einer Identität der einzelnen Bürger mit dem Gemeinwesen erstmals verwirklicht, doch mußte für ihn diese "naive", d.h. unreflektierte Identität im Verlauf der Geschichte zerbrechen und zu einer neuen Versöhnung finden, deren Möglichkeit Hegel mit der bürgerlichen Gesellschaft gegeben sah. Zudem faßte Hegel die Vernunft nicht als eine individuelle oder intersubjektive Kategorie, sondern als eine absolute, fast göttlich definierte Entität, die im Verlauf der Geschichte als fortschreitende Entwicklung zum Ausdruck kommt und auch in der Natur ihren Niederschlag findet. Diese Entwicklung der Vernunft ist dabei eine dialektische, die aus den Widersprüchen resultierende Bewegung auf eine Vollendung hin (siehe hierzu auch Dialektik). Die Aufgabe der Philosophie ist nach Hegel, diese sich entwickelnde Vernunft in der Geschichte und in der gegebenen Wirklichkeit nachzuweisen und in Begriffe zu fassen; Philosophie wird zur Suche nach der Vernunft in der Geschichte. In der "Phänomenologie des Geistes" untersucht Hegel in diesem Zusammenhang die Entwicklung des menschlichen Bewußtseins, das in seinem Verlauf bestimmt wird durch das Verhältnis von Herrschaft und Knechtschaft, durch die fehlende Anerkennung beider Seiten, die das "unglückliche Bewußtsein" hervorbrachte, das in seiner Vereinzelung stets nach Überwindung und Versöhnung strebt. Diese Entfremdung wird schließlich überwunden in der sich ihrer selbst bewußt werdenden Vernunft. Ähnlich entwickeln sich nach Hegel auch die Manifestationen des "objektiven Geistes", d.h. die Formen und Institutionen der menschlichen Gemeinschaft wie Recht, Moralität und Sittlichkeit. In seinen "Grundlinien der Philosophie des Rechts" begreift Hegel die Sittlichkeit des Staates als die Synthese von Recht und Moralität, wobei letztlich der Staat selbst diese höchste Einheit von Subjektivität und Objektivität darstellt, eine Einheit, die Hegel zum Teil in den preußischen Staatsstrukturen verwirklicht sah, was schließlich den Vorwurf des Reaktionären in seiner Philosophie bedingte. Problematisch bleibt hierbei die Voraussetzung Hegels, daß den allgemeinen Strukturen gegenüber dem Einzelnen Priorität zukommt. Werke "Phänomenologie des Geistes" (1807), "Logik" (1812-16), "Enzyklopädie der Wissenschaften" (1817, 27, 30), "Grundlinien der Philosophie des Rechts" (1821), "Vorlesungen über die Ästhetik".

44. Schelling

Friedrich Wilhelm Joseph v. Schelling (geb. 1775, gest. 1854), deutscher Natur- und Religionsphilosoph, Vertreter des deutschen Idealismus und der Romantik. Entwickelte eine Naturphilosophie, in der er die Natur als werdendes Ich begriff. Als Vertreter des ästhetischen Idealismus war für ihn Kunst "das einzige wahre und ewige Organon der Philosophie". Alle Gegensätze, z.B. Geist und Natur, entspringen nach Schelling dem indifferenten Absoluten und sind nur Äußerungsweisen des Identischen (Identitätsphilosophie). Hauptwerke: "Ideen zu einer Philosophie der Natur", "Philosophie der Kunst", "Philosophie der Offenbarung".

45. Marx, Karl

Was ist Geld Karl Marx (geb. 5.5.1818 Trier, gest. 14.3.1883 London), zusammen mit Engels Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus, siehe (Marxismus). Lebenslauf: Er studierte Jura, Geschichte und Philosophie, 1842/43 Redakteur der "Rheinischen Zeitung". Löste sich aus dem Kreis der Junghegelianer und wandte sich dem Materialismus zu. 1844 Herausgeber der Deutsch-Französischen Jahrbücher in Paris. 1847/48 verfaßten Marx und Engels im Auftrag des "Bundes der Kommunisten" das Kommunistische Manifest. Während der Revolution 1848/49 ausgewiesen. Zog nach London, wo er bis zu seinem Tode lebte. Sein Werk: 1867 erschien "Das Kapital", 1. Band, 1871 Bürgerkrieg in Frankreich, 1875 Kritik am Gothaer Programm. In diesen beiden Schriften entwickelte Marx u.a. die Theorie der Diktatur des Proletariats als Instrument zur revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft. Nach Marx' Tod gab Engels den 2. und 3. Bd. des Buchs "Das Kapital" heraus. Von Georg Hegel übernahm Marx die dialektische Methode und Geschichtsauffassung und verwandelte sie zum dialektischen Materialismus und historischen Materialismus. Danach wird die gesellschaftliche Entwicklung von ökonomischen Verhältnissen und Kräften bestimmt.

46. Kierkegaard, Soeren

Sören Kierkegaard Sören Kierkegaard (geb. 5.5.1813 in Kopenhagen, gest. 11.11.1855 ebd.), dänischer Theologe und Philosoph. Kierkegaard wurde mit seiner die menschliche Entscheidung betonenden Philosophie zu einem der wichtigsten Vorläufer des Existentialismus. In seinem Hauptwerk "Entweder, Oder" begreift Kierkegaard die individuelle Existenz als die Möglichkeit, zwischen bestimmten Lebensmodellen zu wählen. Er unterscheidet hier verschiedene Lebensweisen bzw. -stadien. So ist die "ästhetische Existenz" ganz auf die spontane Befriedigung ausgerichtet. Das Leben wird durch die Unmittelbarkeit der Ereignisse bestimmt sowie durch die stete Vermeidung von Langeweile und Schmerz. (siehe dazu auch Hedonismus). Gebrochen scheint diese Art der Lebensführung lediglich durch die Angst vor der eigenen Verantwortung, die wiederum die "ethische Existenz" als Alternative auszeichnet. Ist der ästhetische Geisteszustand einer, der immer wieder von neuem unbefriedigt ist und der kein eigentliches Ziel hat, so erscheint der ethische Zustand als stille Zufriedenheit über die erfüllten Pflichten und die übernommene Verantwortung. Unterschieden werden beide Modelle auch in ihren Beziehungsmuster: dem ästhetischen Zustand entspricht dabei die "romantische" Liebe, die nur existiert, um die spontanen Leidenschaften zu befriedigen. Der ethischen Existenz korreliert die Ehe, mit ihren dauernden Pflichten und ihren festen Beziehungsregeln. Zwar geht Kierkegaard von der Wahl aus, die eine individuelle Entscheidung ist, doch scheint er zumindest tendenziell die ethische Existenz als Überwindung der ästhetischen anzusehen, wobei als Zwischenstufe der ironische Zustand benannt wird, in dem die ästhetische Lebensführung als andauernde Unzufriedenheit reflektiert wird, in dem aber auch die Pflichtbestimmtheit der ethischen Lebensart nicht eingelöst bzw. als Erfüllung gesehen werden kann. Lediglich dem Humor scheint hier eine mögliche Versöhnung zuzukommen. Auch die Religion wird in Kierkegaards Entscheidungsphilosophie zu einer wählbaren Lebensform, in deren Mittelpunkt der Begriff der Schuld steht. Kierkegaard wendet sich strikt gegen den Versuch, die Religion in vernünftigen Kategorien und Begriffen darzustellen, so wie dies noch Hegel unternahm. Vom Standpunkt der menschlichen Vernunft aus ist die Religion irrational und paradox. Der religiöse Glaube kann nicht vernünftig begründet werden, vielmehr ist er eine persönliche Entscheidung, das zu tun oder nicht zu tun, was Gott in seiner Selbstoffenbarung anordnet. Dabei lehnt Kierkegaard das "offizielle" Christentum und die Kirche rigoros ab. Religion erscheint als radikale Existenzform, als individuelle Hingabe an die christliche Wahrheit. Werke "Aus eines noch Lebenden Papieren" (1838), "Über den Begriff der Ironie" (1841), "Entweder-Oder" (1843), "Furcht und Zittern" (1843), "Die Wiederholung" (1843), "Philosophische Brocken" (1844), "Der Begriff der Angst" (1844), "Stadien auf des Lebens Weg" (1845), "Der Liebe Tun" (1847), "Christliche Reden" (1848), "Die Krankheit zum Tode" (1849), "Einübung im Christentum" (1850).

Abschied von der spekulativen Philosophie:

47. Dilthey, Wilhelm

Wilhelm Dilthey (geb. 19.11.1833 in Biebrich, gest. 1.10.1911 in Seiz), deutscher Philosoph, war der Begründer einer geisteswissenschaftlich orientierten Schule der Philosophie, die das Verstehen in der Ganzheit (kulturelle und hitorische Kontexte) dem naturwissenschaftlichen Erkenntnismodell gegenüberstellt. Dilthey bemühte sich, eine Erfahrungswissenschaft der geistig-kulturellen Erscheinungen zu begründen. Nach Gegenstand und Methode sollte die Geisteswissenschaft erkenntnistheoretisch neu begründet werden und weniger analytisch als vielmehr verstehend und erklärend die kulturellen Manifestationen der Geschichte nachvollziehen. Die so fundierte Hermeneutik bezieht die Vergegenwärtigung der eigenen historischen Situation des Interpreten und den Nachvollzug des zu untersuchenden historischen Gegenstandes aufeinander, um somit zu Erkenntnissen zu gelangen. Großen Einfluß übte Dilthey auf die Geschichtstheorie, Kulturphilosophie und philosophische Anthropologie aus sowie auch auf einzelne Philosophen (Spranger, Ortega, Jaspers, Heidegger). Werke "Erlebnis und Dichtung" (1877), "Von deutscher Dichtung und Musik" (1933), "Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften", "Zur Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts". HOCH

48. Spranger, Carl-Dieter

Carl-Dieter Spranger (geb. 28.3.1939 in Leipzig), deutscher Politiker (CSU). Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deustchland.

49. Uexkuell

Jakob Johann Baron von, (8.9.1864-25.7.1944), dt. Biologe und Umweltforscher, einer der Begründer der vergleichenden Physiologie.

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