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Die Upanishaden (Vedantas)

Die Kraft von Wahrheit und Erkenntnis

SB 9.5.1.16-17
16 Die Himmlischen sprachen die ganze Wahrheit, die Dämonen die ganze Unwahrheit. Die Himmlischen, die beständig nur die Wahrheit sprachen, wurden scheinbar geringer und ärmer. Darum wird einer, der ständig die Wahrheit spricht, auch heutzutage scheinbar geringer und ärmer. Aber schließlich kommt er zu gedeihen. Denn schließlich kamen die Götter zu gedeihen.
17 Die Dämonen dagegen, die beständig die Unwahrheit sprachen, glänzten wie Salzboden äußerlich, scheinbar wurden sie reich. Darum glänzt auch heutzutage einer, der ständig die Unwahrheit spricht, wie Salzboden äußerlich, scheinbar wird er reich. Aber schließlich gerät er ins Unglück. Denn schließlich gerieten die Dämonen ins Unglück. MNU 63.2 Durch die Wahrheit weht der Wind; durch die Wahrheit leuchtet die Sonne am Himmel; die Wahrheit ist die Grundlage der Sprache; auf der Wahrheit ist das All gegründet.
Quelle: Reclam 8723 (aus dem Sanskrit übertragen von Paul Thieme)

Yajnavalkya ueber das Selbst
und die persoenliche Unsterblichkeit

BÄU 2.4.1-16 1
„Maitreyi!‘ sprach Yäjnavalkya, „ich stehe im Begriff, diese Stätte zu verlassen. Auf, ich will dir die Abgrenzung mit Kätyäyani festsetzen.“
2 Da sprach Maitreyi: Wenn mir, Ehrwürdiger, diese gesamte, mit Besitz gefällte Erde gehörte - würde ich dadurch etwa unsterblich sein?“ „Nein“, sprach Yäjnavalkya. „Wie das Leben Bemittelter, ganz so würde dein Leben sein. Eine Hoffnung auf Unsterblichkeit aber ist durch Besitz nicht gegeben.‘
3 Da sprach Maitreyl: „Wodurch ich nicht unsterblich sein kann, was sollte ich damit tun? Was der Ehrwürdige weiß, das verkünde mir!‘
4 a Da sprach Yäjnavalkya: „Ach Frau! Du bist uns lieb, und du redest, was uns lieb ist. Komm, setz dich! Ich werde dir eine Erklärung geben. Was ich aber erkläre, trachte durch Nachdenken zu erfassen!‘ Der Ehrwürdige spreche!‘ Das Selbst allein ist wichtig und daher allein des Wissens wert
4b Da sprach Yäjnavalkya: „Wahrlich, Frau, der Ehemann ist [der Ehefrau] nicht um des Ehemannes willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer selbst) willen ist der Ehemann [der Ehefrau] lieb. Wahrlich, Frau, die Ehefrau ist [dem Ehemann] nicht um der Ehefrau willen lieb, sondern um seines Selbstes (= seiner selbst) willen ist die Ehefrau [dem Ehemann] lieb. Wahrlich, Frau, die Söhne sind [den Eltern] nicht um der Söhne willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer, der Eltern, selbst) willen sind die Söhne [den Eltern] lieb. Wahrlich, Frau, der Besitz ist [dem Besitzer] nicht um des Besitzes willen lieb, sondern um seines Selbstes (= seiner, des Besitzers, selbst) willen ist der Besitz [dem Besitzer] lieb. Wahrlich, Frau, der Brahmanenstand (= der Priesterstand) ist [dem Fürstenstand] nicht um des Brahmanenstandes willen lieb, sondern um seines Selbstes (= seiner, des Fürstenstandes, selbst) -willen ist der Brahmanenstand [dem Fürstenstand] lieb. Wahrlich, Frau, der Fürstenstand ist [dem Brahmanenstand] nicht um des Fürstenstandes willen lieb, sondern um seines Selbstes ( seiner, des Brahmanenstandes, selbst) willen ist der Fürstenstand [dem Brahmanenstand] lieb. Wahrlich, Frau, die [irdischen und himmlischen] Welten sind [den irdischen Wesen und den Himmlischen] nicht um der Welten willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer, der irdischen Wesen und der Himmlischen, selbst) willen sind die Welten [den irdischen Wesen und den Himmlischen] lieb. Wahrlich, Frau, die Himmlischen sind [den irdischen Wesen). nicht um der Himmlischen willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer, der irdischen Wesen, selbst) willen sind die Himmlischen [den irdischen Wesen] lieb. Wahrlich, Frau, die irdischen Wesen sind [den Himmlischen] nicht um der irdischen Wesen willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer, der Himmlischen, selbst) willen sind die irdischen Wesen [den Himmlischen] lieb. Wahrlich, Frau, alles [denkbare Liebe] ist [allen denkbaren Liebhabern] nicht um seinetwillen lieb, sondern um ihres Selbstes (ihrer, aller, selbst) willen ist alles [allen] lieb. „Wahrlich, Frau, das Selbst muß man sehen, hören, denken, durch Nachdenken zu erfassen trachten.‘ Aus dem Wissen vom Selbst ergibt sich alles andere Wissen, und ohne es ist kein anderes Wissen möglich
5 b „Maitreyi! Wahrlich, Frau, durch das Sehen, Hören, Denken, Erkennen des Selbst besitzt man das Wissen von allem. 6 „Der Brahmanenstand entzieht sich dem Anspruch dessen (wörtlich: hat sich von dem losgesagt‘ = hat sich dem entzogen‘), der den Brahmanenstand anderswo als im Selbst sieht. Der Fürstenstand entzieht sich dem Anspruch dessen, der den Fürstenstand anderswo als im Selbst sieht. Die Welten entziehen sich dem Anspruch dessen, der die Welten anderswo als im Selbst sieht. Die Himmlischen entziehen sich dem Anspruch dessen, der die Himmlischen anderswo als im Selbst sieht. Die irdischen Wesen entziehen sich dem Anspruch dessen, der die irdischen Wesen anderswo als im Selbst sieht. Alles entzieht sich dem Anspruch dessen, der es anderswo als im Selbst sieht. Das Selbst - das ist dieser Brahmanenstand, dieser Fürstenstand, diese Welten, diese Himmlischen, diese irdischen Wesen, dieses Alles.
7 „Wie man, wenn eine Trommel geschlagen wird, die Töne, die aus ihr herausgekommen sind, nicht festhalten (also zum Verstummen bringen) kann, aber durch das Festhalten der Trommel oder des Trommelschlägers der Ton festgehalten (also zum Verstummen gebracht) ist [so kann man nichts anderswo als im Selbst erkennen (2.4.6) und wird durch die Erkenntnis des Selbst alles andere erkannt (2.4.5 b)] -
8 „Wie man, wenn eine Laute gespielt wird, die Töne, die aus ihr herausgekommen sind, nicht festhalten kann, aber durch das Festhalten der Laute oder des Lautenspielers der Ton festgehalten ist [so kann man nichts anderswo als im. Selbst erkennen und wird durch die Erkenntnis des Selbst alles andere erkannt] -
9 ‚Wie man, wenn ein Muschelhorn geblasen wird, die Töne, die aus ihm herausgekommen sind, nicht festhalten kann, aber durch das Festhalten des Muschelhorns oder des Muschelhornbläsers der Ton festgehalten ist [so kann man nichts anderswo als im Selbst erkennen und wird durch die Erkenntnis des Selbst alles andere erkannt]. Alles Wissen geht aus dem Selbst hervor, ist seine Ausatmung‘
10 a „Wie aus einem Feuer mit feuchtem Brennholz, im Augenblick da es angezündet ist, nach allen Seiten Rauchschwaden heraustreten, wahrlich, Frau, so ist der Rigveda, der Yajurveda, der Sämaveda, der Atharvaveda, die heiligen Mythen und Geschichten, die Wissenschaften, die mystischen Geheimlehren (upanisad), die Merksprüche, die LebtWerke, die Erläuterungen, die Auslegungen - ist alt das die Ausatmung dieses großen Wesens (= des Selbst). Alles Wissen kehrt in das Selbst zurück, ist seine Einatmung‘
10 b Alle diese [Wissenschaften] sind die Einatmungen‘ eben dieses Selbst. 1 1, „ [Alle diese Wissenschaften sind die Einatmungen eben dieses Selbst] wie das Meer die Sammelstätte aller Wasser ist; ebenso die Haut die Sammelstätte aller Tastwahrnehmungen; ebenso die Zunge die Sammelstätte aller Geschmackswahrnehmungen; ebenso das Auge die Sammelstätte aller Gesichtswahrnehmungen; ebenso das Ohr die Sammelstätte aller Töne; ebenso der Verstand die Sammelstätte aller Vorstellungen; ebenso das Herz die Sammelstätte aller Empfindungen; ebenso die Hände die Sammelstätte allen Tuns; ebenso die Füße die Sammelstätte allen Wanderns; ebenso der Schoß die Sammelstätte aller Wollüste; ebenso der After die Sammelstätte aller Entleer-ungen; ebenso die Sprache die Sammelstätte allen Wissens.‘ Das Selbst nach dem Tod ist ohne Bewußtsein
12 Wie ein Salzstück, wenn ins Wasser geworfen, sich ganz im Wasser versteckt (auflöst) - nicht dürfte man imstande sein, es sozusagen herauszunehmen; aber von wo immer man Wasser nähme, würde es salzig sein -, wahrlich, Frau, so verhält es sich mit diesem großen Wesen, dem endlosen, uferlosen (= dem Selbst): nachdem es als ein reiner Erkenntnisklumpen den Wesen erstanden ist (als individuelles Selbst, Seele), löst es sich auf, wenn diese sich auflösen. ,Nicht gibt es ein Bewußtsein nach dem Tode‘, so, Frau, lehre ich.“ So sprach Yäjnavalkya.
13 Da sprach Maitreyi: „Gerade hinsichtlich dieser Lehre: ,Nicht gibt es ein Bewußtsein nach dem Tode‘, hat mich der Ehrwürdige in Verwirrung gebracht.‘ ohne Bewußtsein sein?
14 Da sprach Yäjnavalkya: „Wahrlich, Frau, nicht verkünde ich Verwirrung. „Wahrlich, Frau, ausreichend ist [erst] dieser [Körper], um erkennen zu können.“
15 „Denn wo sozusagen eine Doppelheit (also Körper und-Erkenntnisklumpen‘, dem andere Körper-und-Erkenntnisklumpen‘ gegenüberstehen) vorhanden ist, da sieht das eine [Selbst] das andere [Selbst], riecht das eine das andere, redet das eine das andere an, hört das eine das andere, denkt das eine das andere, erkennt das eine das andere.
16 a „Wenn aber seine (des Menschen) Gesamtheit (,Körper-und-Erkenntnisklumpen-Selbst‘) zum alleinigen Selbst geworden ist - womit (mit welchem Organ) und wen (welches ihm gegenüberstehende Selbst) sollte er (der ins große Selbst aufgelöste Mensch) sehen, womit und wen sollte er riechen, womit und wen sollte er anreden, womit und wen sollte er hören, womit und wen sollte er denken, womit und wen sollte er erkennen?‘
16 b „Womit (mit welchem, außer ihm liegenden Organ) sollte man das, mit dem man alles Vorhandene erkennt, (das Selbst) erkennen? Womit sollte man, Frau, den, der der ist, der erkennt, (das Selbst) erkennen?“

Die Gae-Upanisad

1. Gespräch. über das rechte Handeln (Sprecher A:)
1 „Wohnung des Herrn ist alles, was sich nur hier auf der Erde bewegt. Deshalb sollst du dich von freiwillig überlassenem nähren! Giere nicht nach irgend jemandes Besitz!‘ (Sprecher B:)
2 „Trachte hundert Jahre (d. h. dein volles Leben) auf dieser Erde zu leben, indem du Handlungen lediglich ausführst. So - nicht anders als so - färbt dein Handeln nicht auf dich ab .“
(Sprecher A:)
3 „,Dämonisch‘ heißen die Welten, mit blinder Finsternis bedeckt - in die gehen nach dem Tode ein alle die, die ein Selbst ( eine Seele, ein lebendes Wesen) töten.‘ 2. Gespräch. über die Erkennbarkeit des Einen‘
(Sprecher B:)
4 „Indem es sich nicht bewegt, ist das Eine schneller als der Gedanke: nicht fingen es die Himmlischen, als es ihnen vorauslief. Indem es stillsteht, holt es andere, die laufen, ein. Der Wind füllt es mit Wasser.
5 „Es bewegt sich, es bewegt sich nicht; es ist fern, und es ist doch nah; es ist innerhalb von allem, und es ist doch außerhalb von allem.‘
(Sprecher A.)
6 Wer aber alle Lebewesen in seinem Selbst sieht und sein Selbst in allen Lebewesen, vor dem sucht sich das Eine nicht zu verbergen.‘ 3. Gespräch). Über den Wert der Erkenntnis
(Sprecher A:)
7 „In wes Wissenden Selbst sein Selbst zu allen Wesen geworden ist - welche Verwirrung, welchen Kummer kann er hinsichtlich seines Selbstes (seiner Seele) haben, nachdem er das Eins-sein erkannt hat?“
8 „Es ist gekommen zu dem Samen, der ohne Körper ist, ohne Verletzbarkeit, ohne Sehnen (= ohne Körperkraft), der rein ist, nicht von Schlechtigkeit durchbohrt. „Als der weise uranfängliclie Dichter, der allumfassende, als der Durch-sich-selbst-Entstandene hat es die Gegenstände der Sinnenwelt für die stetig aufeinanderfolgenden Jahre (die Zeitlichkeit) geschaffen.“
(Sprecher B:)
9 In blinde Finsternis gehen ein, die das Nichtwissen verehren. In noch größere Finsternis, die am Wissen sich genügen lassen.
10 „Man verkündet es (das Eine‘) als verschieden vom Wissen, man verkündet es als verschieden vom Nichtwissen. So haben wir gehört von Weisen, die es (das Eine‘) uns erklärt haben.“
(Sprecher A:)
11 Wissen und Nichtwissen - wer beide als zusammengehörig kennt, der erreicht, nachdem er durch Nichtwissen zum Tode übergesetzt ist, durch Wissen Unsterblichkeit.“
4. Gespräch. über das Wiederentstehen nach dem Tode
(Sprecher B:)
12 „In blinde Finsternis gehen ein, die das Nichtentstehen verehren. In noch größere Finsternis, die am Entstehen sich genügen lassen.
13 Man verkündet es (das Eine‘) als verschieden vom Entstehen, man verkündet es als verschieden vom Nichtentstehen. So haben wir gehört von Weisen, die es (das ,Eine‘) uns erklärt haben.‘
(Sprecher A:)
14 Entstehen und Vergehen - wer beide als zusammengehörig kennt, der erreicht, nachdem er durch Vergehen zum Tod übergesetzt ist, durch Entstehen Unsterblichkeit.

 

 

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