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Die Upanishaden (Vedantas)

Seelenwanderung und Erloesung

BAU 4.4.4,5,10 4
Wie eine Raupe, an das Ende eines Grashalms gelangt, ihr Selbst zusammenzieht (= sidi verpuppt), so zieht diese Seele (wörtlich: [Seelen-]Mann‘) ihr Selbst zusammen, nachdem sie den Körper zu Tode gebracht, ihn ins Nichtwissen hat eintreten lassen -„
Die Seele bringt den Körper zu Tode‘, läßt ihn ins Nichtwissen eintreten‘, indem sie sich von ihm trennt und dabei die Lebensfunktionen (Atem, Gesicht, Gehör, Verstand usw.) mit sich nimmt.
5 „Wie eine Teppichweberin, nachdem sie ein Stück ihres Gewebes beseitigt hat, eine neue, schönere Gestalt (d. h. Bild) webt, so webt sich diese Seele, nachdem sie den Körper zu Tode gebracht, ihn ins Nichtwissen hat eintreten lassen, eine neue Gestalt (d. h. Körper), eine Manengestalt oder eine Gandharvengestalt‘ oder eine Brahman-Gestalt oder eine Prajäpati-Gestalt oder eine Göttergestalt oder eine Menschengestalt oder eine Gestalt von sonstigen Lebewesen.“
10 „Wie wenn eine Schlangenhaut abgestorben und abgestreift auf einem Ameisenhügel läge, ebenso liegt dieser Körper nach dem Tode da. Aber dieses knochenlose, körperlose, aus Einsicht bestehende Selbst ist das brahman, ist die Stätte [des brahman, o König.‘ So sprach Yäjnavalkya.
„Ich schenke dem Ehrwürdigen tausend [Kühe].‘ So sprach janaka, der Fürst der Videha.

Antworten des Yaejnavalkya

BÄU 3.1.1-4; 3.2.1,13-14; 3.4.1; 3.5.1; 3.8.1-12 BÄU 3.1.1-4 1
Janaka, der Fürst der Videha, brachte ein Opfer mit vielen Priestergeschenken dar. Zu diesem Opfer waren die Brahmanen aus dem Lande der Kuru und der Pancäla von allen Seiten herbeigekommen. Da bekam Janaka, der Fürst der Videha, Lust zu wissen, wer wohl von diesen Brahmanen der gelehrteste sei.
2 Da pferchte er tausend Kühe ein. An die Hörner jeder einzelnen waren je zehn Viertelgewichte [Goldes] gebunden. Da sagte er zu ihnen: Brahmanen! Ehrwürdige! Wer von euch der beste brahman ist (d. h. es am besten versteht, Wahrheiten zu erkennen und zu formulieren), der treibe sich diese Kühe heraus.“ Da wagten die Brahmanen sich nicht daran.
3 Darauf sagte Yäjnavalkya zu seinem Schüler: „Sämasravas, mein Lieber, treibe diese Kühe heraus!“ Da ließ dieser sie heraus. Da wurden die Brahmanen zornig: „Wie darf er (Yäjnavalkya) sich denn für den besten brahman von uns erklären?‘
4 Darauf trat Asvala, der Hauspriester des janaka, des Fürsten der Videha, auf. Da fragte er den Yäjnavalkya: „Bist denn wirklich du, Yäjnavalkya, der beste brahman von uns?“ Da sagte er: „Wir - wir erweisen dem besten brahman Verehrung! Wir - wir sind nur begierig nach Kühen.‘
Da begann alsbald Asvala, der Hauspriester, ihn hartnäckig zu befragen.
1. Das Geheimnis des Handelns

BAU 3.2.1,13-14
1 Darauf befragte ihn jaratkärava Artabhäga ...
13 „Yäjnavalkya!“ sagte er, wenn nach dem Tod des Menschen seine Sprache in das Feuer eingeht, sein Atem in den Wind, sein Auge in die Sonne, sein Denken in den Mond, sein Gehör in die Himmelsrichtungen, sein Körper in die Erde, sein Selbst (d. h. seine Seele‘) in den leeren Raum, seine Körperhaare in die Pflanzen, seine Haupthaare in die Bäume - wenn sein Blut und sein Same ins Wasser gelegt werden - wo kommt dann der Mensch zur Entstehung?‘
14 „Nimm meine Hand, Ärtabhäga, mein Lieber!‘ so sagte er. Wir beide allein werden das in Erfahrung bringen. Nicht finde unser Gespräch in der Öffentlichkeit statt!‘
Da gingen sie hinaus und berieten sich. Wovon sie sprachen, das war vom Handeln; was sie hervorhoben („priesen‘), das war das Handeln: „Als ein Reiner kommt er (der Mensch‘) durch reines Handeln [nach dem Tode wieder] zur Entstehung, als ein Schlechter durch schlechtes.‘ Daraufhin verstummte Artabhäga.
2. Das wahre Selbst und der irdische Weg dessen, der es erkannt hat

BÄU 3.4.1
Darauf befragte ihn Kahoda Kausjtakeya. „Yäjnavalkya!“ sagte er, „ das in allen vorhandene Selbst ist dasjenige brahman, das der Wahrnehmung zugänglich, der Wahrnehmung nicht unzugänglich ist. Dieses Selbst erkläre mir!“
,Dies dein Selbst ist das in allen vorhandene Selbst.‘ „Welches [von meinen Selbsten] ist das in allen vorhandene Selbst, Yäjnavalkya?“ „Das, welches jenseits ist von Hunger und Durst, von Kummer, Ratlosigkeit, Alter und Tod. „Nachdem sie das [wirkliche] Selbst als dieses Selbst erkannt haben, lassen die Brahmanen ab vom Streben nach Söhnen, vom Streben nach Besitz, vom Streben nach einer Welt und führen ein Leben als Bettler. „Denn das Streben nach Söhnen, das ist ein Streben nach Besitz; das Streben nach Besitz, das ist ein Streben nach einer Welt. Denn beide (Söhne und Reichtum) sind nichts als Streben.“ „
Nachdem er der Gelehrsamkeit überdrüssig geworden ist, trachte der Gelehrte bei der Torheit nicht‘ stehenzubleiben. „Nachdem er der Torheit sowohl als der Gelehrsamkeit überdrüssig geworden ist, wird er ein [schwelender] Einsiedler. „Nachdem er der Nicht-Einsiedlerschaft wie der Einsiedlerschaft überdrüssig geworden ist, wird er ein [wirklicher] brahmana (d. h. Erkenner und Formulierer von Wahrheiten).
„Wodurch kann er ein brahmana sein? Dadurch, wodurch er es sein kann: es wird ein solcher brahmana, wer dies so weiß!‘ Daraufhin verstummte Kahoda Kausitakeya.

Die Definition des Selbst

BÄU 3.5.1
Darauf befragte ihn Usasta Cäkräyava: „Yäjnavalkya!‘ sagte er, „das in allen vorhandene Selbst ist dasjenige brahman, das der Wahrnehmung zugänglich, der Wahrnehmung nicht unzugänglich ist. Dieses Selbst erkläre mir!“
„Dies dein Selbst ist das in allen vorhandene Selbst.“ „Welches [von meinen Selbsten] ist das in allen vorhandene Selbst, Yäjnavalkya?‘ „Welches durch das Ausatmen ausatmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst. Welches durch das Einatmen einatmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst. Welches durch das Durchatmen durchatmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst. Welches durch das Hochatmen hochatmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst. Welches durch das Hinunteratmen hin- und heratmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst.‘ Da sagte Usasta Cäkräyaija: „Wahrlich, wie wenn man sagt Das ist ein Rind‘, Das ist ein Pferd‘ [indem man auf ein Pferd oder Rind zeigt, statt eine verlangte Erklärung zu geben], ebenso ist dies eine Hinzeigung [aber keine Erklärung].
Das in allen vorhandene Selbst ist dasjenige brahman, das der Wahrnehmung zugänglich, der Wahrnehmung nicht unzugänglich ist. Dieses Selbst erkläre mir!“ „
Dies dein Selbst ist das in allen vorhandene Selbst.‘ „Welches [von meinen Selbsten ist das in allen vorhandene Selbst, Yäjnavalkya? „
Nicht kannst du den, der das Sehen ausführt, sehen; nicht den, der das Hören ausführt, hören; nicht den, der das Denken ausführt, denken; nicht den, der das Erkennen ausführt, erkennen. „Dies dein Selbst (also der selbst unsichtbare usw. Ausführer des Sehens usw.) ist das in allen vorhandene Selbst. ,Was außer ihm ist, ist [vom übell) getroffen (d. h. leidvoll).“ Daraufhin verstummte Usasta Cäkräyaea.

Das brahman als der anfangslose Urgrund und das Unvergängliche und seine Definition

BÄU 3.8.1-6,8,10-12 1

Darauf sagte Väcaknavi Gärgil: „Brahmanen! Ehrwürdige! Auf, ich werde jetzt diesen Yäjnavalkya zwei Fragen fragen. Wenn er mir diese beantwortet, dann wird von euch gewiß niemand ihn im Redekampf besiegen. Wenn er mir diese nicht beantwortet, wird sein Kopf zerspringen.‘ ,Frage, Gärgi!‘
2 Da sagte sie: „Ich, wahrlich, Yäjnavatkya - wie wenn ein Krieger aus Benares oder aus dem Land der Videha, der seinen entspannten Bogen gespannt hat und zwei rivalendurchbohrende Pfeile in seine Hand genommen hat, seinem Gegner gegenüberträte, ebenso bin ich dir gegenübergetreten mit zwei Fragen. Diese beantworte mir!‘ Frage, Gärgi!«
3 Da sagte sie: „Was oberhalb des Himmels ist, Yäjnavalkya, was unterhalb der Erde, was zwischen jenem Himmel und dieser Erde, wovon man als vergangen, gegenwärtig und zukünftig spricht - in was ist das eingewoben?‘
4 Da sagte er: ,Was oberhalb des Himmels ist, Gärgl, was unterhalb der Erde, was zwischen jenem Himmel und dieser Erde, wovon man als vergangen, gegenwärtig und zukünftig spricht - in den Raum ist das eingewoben.“
5 Da sagte sie: „Verehrung dir, Yäjnavalkya, der du mir diese Frage beantwortet hast. Mach dich stark für die andere Frage!“ Frage, Gärgi!“
6 Da sagte sie: „... In was ist nun der Raum eingewoben?‘ ... 8 Da sagte er: „Dieses [in das der Raum eingewoben ist], Gärgi, nennen die Kenner des brahman (d. h. die, die die Wahrheit zu erkennen und zu formulieren vermögen) das Unvergängliche. Es ist nicht grob, nicht fein; nicht kurz, nicht lang; blutlos, fettlos; schattenlos (also lichtlos), finsternislos; windlos, raumlos; ohne Haftung [an irgend etwas]: ohne Tastsinn, ohne Geruchssinn, ohne Geschmackssinn, ohne Gesichtssinn, ohne Gehörsinn; ohne Sprachfähigkeit, ohne Denkfähigkeit; ohne Wärme, ohne Atem, ohne Mund; ohne Name, ohne Geschlecht; nicht alternd, nicht sterbend; bedrohungslos, unsterblich; ohne [schalleitenden] Raum, ohne Laut; nicht geöffnet, nicht geschlossen; nicht folgend, nicht vorangehend; nicht außen, nicht innen: „Nichts langt hin zu ihm, niemand langt hin zu ihm . .
10 Wahrlich, Gärgi, wer, ohne dieses Unvergängliche zu kennen, Opfer darbringt, spendet, sich kasteit - wäre es auch viele tausend Jahre lang diese seine jenseitige Welt (die er sich durch seine Frömmigkeit erwirbt) wird eine endliche. Wahrlich, Gärgi, wer ohne dieses Unvergängliche zu kennen, aus dieser Welt abscheidet, der ist ein Elender! „Aber wer, Gärgi, nachdem er dies Unvergängliche erkannt hat, aus dieser Welt scheidet, der ist ein Kenner des brahman (d. h. ihm ist die Erlösung sicher).
11 „Wahrlich, Gärgi, dieses Unvergängliche ist das unsichtbare Sehende, das unhörbare Hörende, das undenkbare Denkende, das unerkennbare Erkennende; nicht gibt es ein anderes Sehendes, nicht gibt es ein anderes Hörendes, nicht gibt es ein anderes Denkendes, nicht gibt es ein anderes Erkennendes. „Wahrlich, Gärgi, dieses Unvergängliche ist das, in das der Raum verwoben ist.“
12 Da sagte sie: „Bralimanen! Ehrwürdige! Haltet schon das für viel, wenn ihr euch von diesem (Yäjnavalkya) dadurch, daß ihr ihm ‚Verehrung bezeugt, lösen könnt. Wahrlich, von euch wird gewiß niemand ihn im Redekampf besiegen.“ Daraufhin verstummte Väcaknavi.

Das Gleichnis vom Baum

3.9,30-34 (Sprecher A:)
30 „Wie ein Baum, ein Herr des Waldes, wahrlich ebenso ist der Mensch. Seine Haare sind die Blätter, seine Haut ist die äußere Borke.
31 „Das Blut, das aus seiner Haut hervorfließt, ist der Saft seiner inneren Rinde. Deshalb fließt das Blut aus ihm hervor, wenn er verwundet, wie der Saft aus einem Baum, wenn er angeschlagen ist.
32 „Sein Fleisch sind die Holzteile, seine festen Sehnen der Bast, seine Knochen das innere Kernholz; sein Mark‘ schafft ein Gleichnis des Baum-Marks.
33 „Wenn ein Baum gefällt ist, wächst aus der Wurzel wieder ein neuer. Ein Mensch, wenn vom Tod gefällt - aus welcher Wurzel wächst er wohl hervor?“
(Sprecher B:)
34 Sagt nicht: Aus seinem Samen!‘ Nur eines Lebenden Same kommt zur Entstehung. Sobald er einmal geboren ist, wird der Mensch nicht wieder geboren. Wer sollte ihn wieder zeugen? „Aus einem [Samen-]Korn (nicht aus [flüssigem] Samen‘ wie der Mensch) wächst der Baum. Er kann also (im Gegensatz zum Menschen) aus einem anderen Baum nach dessen Tode entstehen. ,Wenn man einen Baum mit der Wurzel ausrissen würde er nicht wiederkommen: ein Mensch, wenn vom Tod gefällt aus welcher Wurzel wächst er wohl hervor?“

 

 

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