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Die Upanishaden (Vedantas)

Aus einem Gespraech des Yaejnavalkya
mit dem König Janaka

BÄU 4.4.24-25,27,30
24 „Wahrlich, dieses Selbst (dieser atman) ist der Gebieter von allem, der Herrscher von allem, der Oberherr von allem: all dies, was da ist, befehligt es. Es wird nicht mehr durch gutes Handeln und auch nicht geringer durch schlechtes. Es ist der Oberherr der Wesen, der Herrscher der Welten, der Hüter der Welten. Es ist der Damm, der diese Welten trennt, damit sie sich nicht vermengen.“
25 „Dieses Selbst trachtet man durch Rezitation des heiligen Wissens (des Veda) zu erkennen, durch Leben in Keuschheit, durch Askese, durch gläubiges Vertrauen, durch Opfern und durch Fasten. „Wenn man es erkannt hat, wird man ein Einsiedler. Indem sie trachten, diese Welt zu erlangen, ziehen Wandermönche in die Heimatlosigkeit ...
27 „Von diesem Selbst spricht man immer mit nicht‘: es ist ungreifbar, denn es wird nicht ergriffen‘; es ist unzerreißbar, denn es wird nicht zerrissen‘; es ist ohne Haftung [an irgend etwas], es ist ungebunden: es haftet nicht [an irgendwelchen Wünschen], es bebt nicht [vor irgendwelcher Gefahren].‘ ,Von diesem (der das Selbst kennt) weicht [die Auffassung]: Ich tat Böses‘ und Ich tat Schönes‘. Denn er überschreitet (läßt hinter sich) jeweils beides, als ein Unsterblicher. Gutes und Nichtgutes, Getanes und Nichtgetanes (Unterlassenes) quälen ihn nicht. Nicht verringert sich seine Welt (d. h. die Welt des brahman, die er sich durch sein Wissen errungen hat) durch irgendein Handeln.“
30 Wahrlich, dieses große, ungeborene Selbst, das alterlose, todlose, bedrohungslose, unsterbliche, ist das brahman. Unbedrohtheit [durch Alter, Tod, Kummer usw.] hast du erreicht, König janaka.“ So sprach Yäjnavalkya. „ich schenke dem Ehrwürdigen mein Land und zugleich auch mich selbst als Sklaven“ [sagte König janaka].

Aus den Gespraechen des Uddaelaka Aeruni
mit seinem Sohn Svetaketu

ChU 6 1.
Die Elemente des Makrokosmos und des Mikrokosmos

ChU 6.1.1-6.2.4, 6.3.4, 6.4.1-7, 6.5.1-6.7.6
Die materielle Welt, also der Makrokosmos (das Universum) und der Mikrokosmos (das lebende Wesen, insbesondere der Mensch), besteht aus drei Grundelementen (,Glut‘, Wasser‘, ,Nahrung‘), von denen das erste aus dem einzigen Urelement (dem Seienden‘) emaniert, das zweite aus dem ersten, das dritte aus dem zweiten. Schließlich stellt sich heraus, daß auch die Lebens - Funktionen, d. h. die Fähigkeiten des Menschen zu denken (,Verstand, Intelligenz‘), zu sprechen (,Sprache‘) und zu atmen (,Atem‘), materieller Natur sind.
6.1.1 Es war einmal ein Svetaketu, Sohn des Aruni. Zu ihm sprach sein Vater: „Svetaketu! Studiere das heilige Wissen (den Veda‘)! Wahrlich, mein Lieber, niemand unseres Geschlechts unterläßt es zu studieren und wird dann sozusagen ein Brahmane nur durch Herkunft‘.“
2 Da begab er sich mit zwölf Jahren zu einem Lehrer und kehrte mit vierundzwanzig Jahren, nachdem er alle Veden gelernt hatte, hochfliegenden Sinnes, sich gelehrt dünkend‘ und selbstsicher zurück.
3 Da sprach sein Vater zu ihm: „Svetaketu! Da du denn, mein Lieber, so offensichtlich hochfliegenden Sinnes, dich gelehrt dünkend und selbstsicher bist, wirst du deinen Lehrer auch nach jener Ersetzung gefragt haben, durch die man das, was man [noch] nicht gelernt hat, lernen, was man [noch] nicht gedacht hat, denken, was man [noch] nicht erkannt hat, erkennen kann.“

a. Die Methode der Ersetzung‘
6.1.4 wie geht denn, Ehrwürdiger, diese Ersetzung vor sich?“
„Wie man, mein Lieber, durch einen Lehmkloß [den man in seinem Wesen erkannt hat] alles, was aus Lehm besteht,[in seinem Wesen] erkennen kann: [,Lehmkloß‘ ist] eine Bezeichnung (wörtlich:“ein Erfassen durch die Gedanken), eine Sonderform, eine Benennung (d. h. ein für praktische Zwecke künstlich geschaffener, sekundärer Begriff) - die Wahrheit ist schlechthin Lehm‘; „
wie man, mein Lieber, durch ein Kupferkügelchen [das man in seinem Wesen erkannt hat] alles, was aus Kupfer besteht, [in seinem Wesen] erkennen kann: [,Kupferkügelchen‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist schlechthin Kupfer‘; „
Wie man, mein Lieber, durch ein Nagelmesser [das man in seinem Wesen erkannt hat] alles, was aus Eisen besteht [in seinem Wesen] erkennen kann: [,Nagelmesser‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist schlechthin Eisen‘, ,
so, mein Lieber, geht diese Ersetzung vor sich.‘
„Wahrlich, gewiß hat mein ehrwürdiger Lehrer dies (wie man diese Methode anwendet) nicht gewußt. Denn wenn er dies gewußt hätte, wie hätte er es mir nicht verkündet?
„Der Ehrwürdige aber verkünde es mir!‘
,So sei es, mein Lieber‘, sprach er.

b. Die Lehre: a. Der Makrokosmos 6.2.1 a
Dieses Universum, mein Lieber, war im Anfang ein lediglich Seiendes, ein einzelnes, alleiniges.“ (VERSCHICKEN)
1 b Dazu sagen Einzelne: Dieses Universum war im Anfang ein Nichtseiendes, ein einzelnes, alleiniges. Dann wurde aus diesem Nichtseienden das Seiende geboren.‘
2 Woher aber, mein Lieber, könnte das so sein? Wie sollte aus einem Nichtseienden ein Seiendes geboren werden? Vielmehr war, mein Lieber, dieses Universum im Anfang ein lediglich Seiendes, ein einzelnes, alleiniges.‘
3 „Da nahm das Seiende wahr, : Ich könnte vielerlei sein, ich könnte mich fortzeugen.‘ Da entließ es aus sich die Glut. „Da nahm die Glut wahr: Ich könnte vielerlei sein, ich könnte mich fortzeugen.‘ Da entließ sie aus sich das Wasser. „Deshalb, wo immer es heiß ist, [da entsteht dadurch Regen]‘ oder schwitzt der Mensch. Das heißt: aus Glut entsteht Wasser.
4 „Da nahm das Wasser wahr: Ich könnte vielerlei sein, ich könnte mich fortzeugen.‘ Da entließ es aus sich die Nahrung. „Deshalb, wo immer es regnet, da entsteht dadurch reichlichste Nahrung.
Das heißt: aus Wasser entsteht Nahrung...‘ 6.3.4 „. . .
Wie aber nun, mein Lieber, von diesen drei Himmlischkeiten (d. h. den drei kosmischen Elementen Glut“ ,Wasser‘, Nahrung‘) jedes einzelne je dreifach wird, diese meine Erklärung begreife!“
6.4.1 „Was die rote Gestalt des Feuers ist, das ist die Gestalt der Glut, was die weiße (die im Rauch zum Vorschein kommt), das ist die des Wassers, was die schwarze (die ebenfalls im Rauch zum Vorschein kommt und ihre Spur in verbrannten Dingen hinterläßt), das ist die der Nahrung. „Aufgehört hat das Feuer, Feuer‘ zu sein: [,Feuer‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist: die drei Gestalten [der Glut, des Wassers, der Nahrung]‘.
2 „Was die rote Gestalt der Sonne ist, das ist die Gestalt der Glut, was die weiße, das ist die des Wassers, was die schwarze, das ist die der Nahrung. „Aufgehört hat die Sonne, Sonne‘ zu sein: [,Sonne‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist: die drei Gestalten [der Glut, des Wassers, der Nahrung]‘.
3 „Was die rote Gestalt des Mondes ist, das ist die Gestalt der Glut, was die weiße, das ist die des Wassers, was die schwarze, das ist die der Nahrung. „Aufgehört hat der Mond, Mond‘ zu sein: [,Mond‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist: die drei Gestalten [der Glut, des Wassers, der Nahrung]‘.
4 „Was die rote Gestalt des Blitzes ist, das ist die Gestalt der Glut, was die weiße, das ist die des Wassers, was die schwarze, das ist die der Nahrung. „Aufgehört hat der Blitz, Blitz‘ zu sein: [,Blitz‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist: die drei Gestalten [der Glut, des Wassers, der Nahrung]‘.
5 „Mit Beziehung hierauf pflegten die, die es wußten Männer der Vorzeit von großem Schülerzulauf und von großer Gelehrsamkeit im heiligen Wissen -, zu sagen: Nicht wird jetzt irgendwer irgend etwas nennen können, was wir nicht gelernt, nicht gedacht, nicht erkannt hätten.‘ „Denn in folgender Weise kannten sie [alles] von diesen [drei Gestalten] her (= indem sie es aus ihnen ableiteten):
6 Wovon man sagt: Es erscheint gleichsam als rot‘, von dem wußten sie: Es ist eine Gestalt des Feuers‘; wovon man sagt: Es erscheint gleichsam als weiß‘, von dem wußten sie: Es ist eine Gestalt des Wassers‘; wovon man sagt: Es erscheint gleichsam als schwarz‘, von dem wußten sie: Es ist eine Gestalt der Nahrung‘;
7 a wovon man sagt: Es ist gleichsam undeutlich (weder rot, noch weiß, noch schwarz)‘, von dem wußten sie: Es ist eine Zusammensetzung dieser drei kosmischen Elemente.‘

Der Mikrokosmos
7 b Wie aber nun, mein Lieber, von diesen drei kosmischen Elementen, wenn sie zum Menschen kommen (d. h. sich zum Menschen bilden), jedes einzelne je dreifach wird, diese meine Erklärung begreife:
6.5.,1 „Die Nahrung, wenn sie genossen ist, verteilt sich dreifach. Dann wird, was ihr festester Bestandteil ist, zu Kot; was ihr mittlerer ist, zu Fleisch; was ihr feinster ist, zu Verstand.
2 Das Wasser, wenn es getrunken ist, verteilt sich dreifach. Dann wird, was sein festester Bestandteil ist, zu Harn; was sein mittlerer ist, zu Blut; was sein feinster ist, zu Atem.
3 Die Glut, wenn sie (in heißer Speise) genossen ist, verteilt sich dreifach. Dann wird, was ihr festester Bestandteil ist, zu Knochen; was ihr mittlerer ist, zu Mark; was ihr feinster ist, zu Sprache.
4 a „Denn aus Nahrung, mein Lieber, besteht der Verstand, aus Wasser der Atem, aus Glut die Sprache.‘
4 b „Der Ehrwürdige möge es mich noch besser begreifen lassen.‘ ,So sei es, mein Lieber‘, sprach er.
6.6.1 Der Feinheitsgehalt der sauren Milch, mein Lieber, steigt, wenn sie gequirlt wird, nach oben und wird dann zu Butter. 2 „Ebenso nun steigt, mein Lieber, der Feinheitsgehalt der Nahrung, wenn sie genossen wird, nach oben und wird dann zu Verstand;
3 „[ebenso] steigt, mein Lieber, der Feinheitsgehalt des Wassers, wenn es getrunken wird, nach oben und wird dann zu Atem;
4 „[ebenso] steigt, mein Lieber, der Feinheitsgehalt der Glut, wenn sie genossen wird, nach oben und wird dann zu Sprache.
5 „Denn aus Nahrung, mein Lieber, besteht der Verstand, aus Wasser der Atem, aus Glut die Sprache.‘ „
Der Ehrwürdige möge es mich noch besser begreifen lassen!‘ „
So sei es, mein Lieber‘, sprach er.
6.7.1 a „Der Mensch, mein Lieber, besteht aus sechzehn Sechzehnteln.“
1 b „Fünfzehn Tage lang iß nicht! Trink Wasser nach Wunsch! - Der Atem besteht aus Wasser (6.5.2, S. 48). Er wird sich nicht [vom Körper] trennen, wenn man trinkt.“
2 Da aß er fünfzehn Tage lang nicht. Dann setzte er sich zu seinen (des Vaters) Füßen: „Was soll ich sprechen, Herr?‘ „Sprich heilige Verse (aus dem Rigveda), Opferformeln (aus dem Yajurveda), Singstrophen (aus dem Sämaveda) [wie du sie auswendig gelernt hast bei deinem Lehrer].“ Da sprach er: „Wahrlich, sie leuchten mir nicht auf, Herr.‘
3 Da sprach er zu ihm: „Wie wenn, mein Lieber, von einem hochgeschichteten Feuer eine einzelne Kohle von der Größe eines Leuchtkäfers übrig wäre und es dann - obgleich von ihr fortgesetzt - nicht stark brennte, so, mein Lieber, dürfte von deinen sechzehn Sechzehnteln ein einziges Sechzehntel übriggeblieben sein. Nun kannst du jetzt damit die heiligen Texte nicht meistern. Iß! Dann wirst du meine Erklärung begreifen.“
4 Da aß er. Dann setzte er sich zu seinen Füßen nieder. Da leuchtete ihm alles auf, was immer er ihn abfragte.
5 Da sprach er zu ihm: „Wie wenn man, mein Lieber, eine einzelne, von einem hochgeschichteten Feuer übriggebliebene Kohle von der Größe eines Leuchtkäfers, nachdem man sie mit dürrem Gras bedeckt hat, zum Entflammen brächte und es dann - obgleich durch sie nur fortgesetzt - stark brennte,
6 so, mein Lieber, war von deinen sechzehn Sechzehnteln ein einziges Sechzehntel übriggeblieben, und dieses ist nun, nachdem es mit Nahrung bedeckt wurde, zum Entflammen gekommen. Nun kannst du jetzt damit die heiligen Texte meistern. „Denn aus Nahrung, mein Lieber, besteht das Denken, aus Wasser der Atem, aus Glut die Sprache.“ Da begriff er seine Erklärung.

 

 

 

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