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Die Bhagavad Gita

16. Die goettlichen und die daemonischen Naturen.

16.1-3 Der Höchste Herr sagte: Furchtlosigkeit, Reinigung der Existenz, Entwicklung spirituellen Wissens, Wohltätigkeit, Selbstbeherrschung, Darbringung von Opfern, Studium der Veden, Buße und Einfachheit; Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit und Freisein von Zorn; Entsagung, innere Ruhe, Abneigung gegen Fehlerfinden, Mittleid und Freisein von Habgier; Freundlichkeit, Bescheidenheit und stetige Entschlossenheit; Kraft, Nachsicht, Tapferkeit, Sauberkeit und Freisein von Neid und dem Verlangen nach Ehre - dies sind die transzendentalen Eigenschaften der heiligen Menschen, die von göttlichemWesen sind, o Nachkomme Bharatas.
16.4 O Sohn Prthas, Arroganz, Stolz, Zorn, Blasiertheit, Grobheit und Unwissenheit sind die Eigenschaften der Menschen, die von dämonischer Natur sind.
16.5 Die transzendentalen Eigenschaften führen zur Befreiung, während die dämonischen Eigenschaften an die materielle Welt binden. O Sohn Pandus, sorge dich nicht, denn du bist mit göttlichen Eigenschaften geboren.
16.6 O Sohn Prthas, in dieser Welt gibt es zwei Arten von Lebewesen. Die einen werden göttlich genannt und die anderen dämonisch. Ich habe dir bereits sehr ausführlich die göttlichen Eigenschaften erklärt. Hören nun von Mir über die dämonische.
16.7 Die Dämonen wissen nicht, was getan werden muß und was nicht getan werden darf. In ihnen ist weder Sauberkeit noch richtiges Verhalten, noch Wahrheit zu finden.
16.8 Sie sagen, die Welt ist unwirklich, sie habe keinen Ursprung, und es gebe keinen Gott, der sie kontrolliere. Sie sei durch sexuelles Verlangen erzeugt worden und habe keine andere Ursache als Lust.
16.9 Weil sie sich nach solchen Schlußfolgerungen richten, gehen die Dämonen, die sich selbst ausgeliefert sind und über keine Intelligenz verfügen, abscheulichen, unheil vollen Aktivitäten nach, die dazu bestimmt sind, die Welt zu zerstören.
16.10 Die Dämonen, die bei unersättlicher Lust, Stolz und falschem Prestige Zuflucht suchen und sich daher in Illusion befinden, sind unsauberer Arbeit verschworen und fühlen sich zum Unbeständigen hingezogen.
16.11-12 Sie glauben, die Sinne bis ans Ende des Lebens zu befriedigen sei die größte Notwendigkeit der menschlichen Zivilisation. Daher haben ihre Ängste kein Ende. Durch Hunderttausende von Verlangen und durch Lust und Zorn gebunden, sichern sie sich mit illegalen Mitteln Geld, um ihre Sinne befriedigen zu können.
16.13-15 Der Dämonische Mensch denkt:" So viel Reichtum besitze ich heute, und nach meinen Plänen werde ich noch viel mehr erlangen. So viel gehört mir jetzt, doch es wird in Zukunft mehr und mehr werden. Dieser Mensch war mein Feind, und deshalb habe ich ihn umgebracht, und meinen anderen Feind werde ich ebenfalls töten. Ich bin der Herr über alles, und ich bin der Genießer; ich bin vollkommen, ich bin mächtig, und ich bin glücklich. Ich bin der Reichste, und ich bin von aristokratischen Verwandten umgeben. Niemand ist so glücklich und mächtig wie ich. Ich werde einige Opfer darbringen und Spenden geben, und so werde ich genießen". Auf diese Weise werden solche Menschen von Unwissenheit getäuscht.
16.16 Von vielfachen Ängsten verwirrt und in einem Netzwerk von Illusion gefangen, wir der zu sehr vom Sinnesgenuß angezogen und fällt daher in die Hölle hinab.
16.17 Selbstgefällig und immer unverschämt, von Reichtum und falschem Prestige getäuscht, bringen sie manchmal sogenannte Opfer dar, ohne dabei irgendwelche Regeln und Regulierungen zu beachten.
16.18 Verwirrt vom falschen Ich, Stärke, Stolz, Lust und Zorn, wird der Dämon auf den Höchsten Persönlichen Gott neidisch, der in seinem eigenen Körper und in den Körpern der anderen gegenwärtig ist, und lästert die wirkliche Religion.
16.19 Die Neidischen und Boshaften, die die Niedrigsten unter den Menschen sind, werden von Mir in den Ozean der materiellen Existenzen in die dämonischen Arten des Lebens geworfen.
16.20 Weil solche Menschen immer wieder unter den Arten des dämonischen Lebens geboren werden, können sie sich Mir niemals nähern. Allmählich sinken sie in die abscheulichsten Formen des Daseins hinab.
16.21 Drei Tore führen zur Hölle - Lust, Zorn und Gier. Jeder vernünftige Mensch sollte sich von ihnen abwenden, denn sie führen zur erniedrigung der Seele.
16.22 O Sohn Kuntis, ein Mensch, der diesen drei Toren zur Hölle entgangen ist, führt Handlungen aus, die ihn zur Selbstverwirklichung erheben, und erreicht somit allmählich das höchste Ziel.
16.23 Wer jedoch die Anweisungen der Schriften mißachtet und nach seinen Launen handelt, erreicht weder die Vollkommenheit noch Glück, noch das höchste Ziel.
16.24 Man sollte aus den Unterweisungen der Schriften verstehen, was Pflicht und was nicht Pflicht ist. Wenn man diese Regeln und regulierungen kennt, sollte man so handeln, daß man allmählich erhoben wird.

17. Die verschiedenen Arten des Glaubens.

17.1 Arjuna sagte: O Krsna, wie verhält es sich mit einem Menschen, der die Prinzipien der Schriften nicht befolgt, sondern nach eigenen Vorstellungen Verehrungen ausführt? Befindet er sich in Reinheit, Leidenschaft oder Unwissenheit?
17.2 Der Höchste Herr sagte: In Entsprechung zu den Erscheinungsweisen der Natur, die von der verkörperten Seele angenommen werden, kann ihr Glaube von dreierlei Arten sein - von Reinheit, Leidenschaft oder Unwissenheit. Höre nun hiervon.
17.3 Je nach dem Leben, das man unter dem Einfluß der verschiedenen Erscheinungsweisen der Natur führt, entwickelt man eine bestimmte Art des Glaubens. Man sagt, das Lebewesen habe je nach den Erscheinungsweisen, die es angenommen hat, einen bestimmten Glauben.
17.4 Menschen in der Erscheinungsweise der Reinheit verehren die Halbgötter; diejenigen, die sich in der Erscheinungsweise der Leidenschaft befinden, verehren die Dämonen, und diejenigen, die in Unwissenheit sind, verehren Geister und Gespenster.
17.5-6 Menschen, die sich aus Stolz, Geltungsbedürfnis, Lust und Anhaftung strenge, nicht in den Schriften empfohlene Enthaltsamkeiten und Bußen auferlegen, von Leidenschaft getrieben werden und so wohl ihre Körperorgane als auch die Überseele in ihrem Innern quälen, müssen als Dämonen gelten.
17.7 Selbst Nahrung - die jeder zu sich nehmen muß - ist entsprechend den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur in drei Gruppen unterteilt. Das gleiche gilt auch für Opfer, Bußen und Wohltätigkeiten, Höre, und Ich werde dir die Unterschiede erklären.
17.8-10 Nahrungsmittel in der Erscheinungsweise der Reinheit verlängern die Lebensdauer, reinigen das Dasein und geben Kraft, Gesundheit, Glück und Zufriedenheit. Solche nahrhaften Speisen enthalten viel Fett, sind saftig und wohlschmeckend. Nahrungsmittel, die zu bitter, zu sauer, zu salzig, beisend, trocken und zu scharf sind, werden von Menschen geschätzt, die sich in der Erscheinungsweise der Leidenschaft befinden. Solche Nahrung verursacht Schmerz, Leid und Krankheit. Nahrungsmittel, die länger als drei Stunden vor dem Essen gekocht wurden, die ohne Geschmack, abgestanden, faul, verwest und unsauber sind, werden von Menschen bevorzugt, die sich in der Erscheinungsweise der Unwissenheit befinden.
17.11 Das Opfer, das in übereinstimmung mit der Pflicht und nach den Regeln der Schriften dargebracht wird, und bei dem man keine Belohnung erwartet, befindet sich in der Erscheinungsweise der Reinheit.
17.12 Doch das Opfer, o Oberhaupt der Bharatas, das aus einem materiellen Motiv heraus, um einen materiellen Nutzen zu erhalten, oder prahlerisch, aus Stolz, dargebracht wird, befindet sich in der Erscheinungsweise der Leidenschaft.
17.13 Und das Opfer, das entgegen den Anweisungen der Schriften dargebracht wird, bei dem keine spirituellen Speisen verteilt und keine Hymnen gechantet werden, den Priestern kein Entgelt gegeben und das ohne Glauben ausgeführt wird - solch ein Opfer befindet sich in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.
17.14 Die Enthaltsamkeit des Körpers besteht aus der Verehrung des Höchsten Herrn, der brahmans, des geistigen Meisters und der Höherstehenden wie dem Vater und der Mutter. Sauberkeit, Einfachheit und sexuelle Enthaltsamkeit und Gewaltlosigkeit sind ebenfalls Enthaltsamkeiten des Körpers.
17.15 Enthaltsamkeit in der Rede bedeutet, die Wahrheit zu sagen, zum Wohl anderer zusprechen und Gerede zu vermeiden, das andere verletzt. Auch sollte man regelmäßig die Veden vortragen.
17.16 Klarheit, Einfachheit, Ernsthaftigkeit, Selbstbeherrschung und Reinheit der Gedanken sind Enthaltsamkeiten des Geistes.
17.17 Diese dreifache Buße, die sich Menschen auferlegen, die nicht das Ziel haben, sich materiell zu nutzen, sondern die den Höchsten erfreuen wollen, befinden sich in der Erscheinungsweise der Reinheit.
17.18 Die prahlerischen Bußen und Enthaltsamkeiten, die man sich auferlegt, um Respekt, Ehre und Verehrung zu erlangen, befinden sich in der Erscheinungsweise der Leidenschaft. Sie sind weder beständig noch von Dauer.
17.19 Und die Bußen und Enthaltsamkeiten, mit denen man sich aus starrsinniger Verblendung Selbsttorturen auferlegt, oder andere zerstören oder verletzen will, befinden sich in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.
17.20 Die Spende, die aus Pflichtgefühl zur rechten Zeit und am rechten Ort einem würdigen Menschen gegeben wird, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, gilt alsWohltätigkeit in der Erscheinungsweise der Reinheit.
17.21 Doch wenn man nur wohltätig ist, weil man sich einen Nutzen davon verspricht, oder weil man sich fruchtbringende Ergebnisse wünscht, oder wenn man nur mit Widerwillenspendet, so befindet sich diese Wohltätigkeit in der Erscheinungsweise der Leidenschaft.
17.22 Und Spenden, die an einem ungeeigneten Ort, zu einer ungünstigen Zeit und unwürdigen Menschen ohne Respekt und mit Verachtung gegeben werden, sind Spenden in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.
17.23 Seit dem Beginn der Schöpfung wurden die drei Silben om tat sat verwendet, um auf die Höchste Absolute Wahrheit (Brahman) hinzuweisen. Sie wurde von den brahman asausgesprochen, um den Höchsten zufrieden zu stellen, während diese vedische Hymnen chanteten und Opfer darbrachten.
17.24 Um daher den Höchsten zu erreichen, bringen die Transzendentalisten Opfer dar, erweisen Wohlttigkeiten und nehmen Bußen auf sich, wobei sie immer mit om beginnen.
17.25 Man sollte Opferdarbringen, sich Bußen auferlegen und wohltätig sein, in dem man dabei das Wort tat spricht. Solche transzendentalen Aktivitäten werden ausgeführt, um von der materiellen Verstrickung frei zu werden.
17.26-27 O Sohn Prthas, die Absolute Wahrheit ist das Ziel des hingebungsvollen Opfers, und auf sie wird mit dem Wort sat hingewiesen. Diese Opferdarbringungen, Auferlegungen von Bußen und Wohltätigkeiten, die von absoluter Natur sind, sind zur Freude der Höchsten Person bestimmt.
17.28 Doch Opfer, Bußen und Wohltätigkeiten, o Sohn Prthas, die ohne Glauben an den Höchsten ausgeführt werden, sind nicht von Dauer - ganz gleich welche Rituale auch vollzogen werden. Sie werden asat genannt und bringen sowohl in diesem als auch im nächsten Leben keinen Nutzen.

18. Schlussfolgerung
die Vollkommenheit der Entsagung.

18.1 Arjuna sagte: O Starkarmiger, o Hrsikesa, o Töter des Kesi - Dämonen, ich möchte den Zweck der Entsagung (tyaga) und der Lebensstufe der Entsagung (sanjasa) verstehen.
18.2 Der Höchste Herr sagte: Die Weisen nennen den Verzicht auf die Ergebnisse aller Aktivitäten Entsagung (tyaga), und große Gelehrte haben diesen Zustand als die Lebensstufe der Entsagung (sannyasa) bezeichnet.
18.3 Einige Gelehrte erklären, daß alle Arten fruchtbringender Aktivitäten aufgegeben werden sollten; doch es gibt andere Weise, die der Meinung sind, Opferhandlungen, Wohltätigkeit und Buße sollte man niemals aufgeben.
18.4 O Bester der Bharatas, höre nun von Mir über Entsagung. O Tiger unter den Menschen, es gibt drei Arten von Entsagung, die in den Schriften erklärt werden.
18.5 Opferhandlungen, Wohltätigkeiten und Buße sollten nicht aufgegeben werden, sondern ausgeführt werden. Selbst die großen Seelen werden durch Opfer, Wohltätigkeit und Buße gereinigt.
18.6 All diese Aktivitäten sollte man ausführen, ohne ein Ergebnis zu erwarten. Man sollte ihre Ausführung als Pflicht betrachten, o Sohn Prthas. Das ist Meine endgültige Meinung.
18.7 Vorgeschriebene Pflichten sollten niemals aufgegeben werden. Wenn jemand, in Illusion, seine vorgeschriebene Pflicht aufgibt, befindet sich solche Erscheinung in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.
18.8 Wer seine vorgeschriebenen Pflichten aus Angst aufgibt, oder weil sie ihm zu mühsam erscheinen, befindet sich in der Erscheinungsweise der Leidenschaft. Solches Handeln führt niemals zur Stufe der Entsagung.
18.9 Die Entsagung eines Menschen jedoch, der seine vorgeschriebene Pflicht erfüllt, weil sie getan werden muß, und der jede Anhaftung an die Früchte seines Handelnsaufgibt, befindet sich in der Erscheinungsweise der Reinheit, o Arjuna.
18.10 Wer weder unangenehme Arbeit haßt noch an angenehmer Arbeit haftet, die sich inder Erscheinungsweise der Reinheit befindet, kennt hinsichtlich der Arbeit keine Zweifel.
18.11 Einem verkörperten Wesen ist es niemals möglich, alle Aktivitäten aufzugeben. Deshalb wird gesagt, daß derjenige, der auf die Früchte der Handlung verzichtet, wahrhaft entsagungsvoll ist.
18.12 Einem Menschen, der nicht entsagungsvoll ist, fallen nach dem Tode die dreifachen Ergebnisse der Handlung zu - die wünschenswerten, die unerwünschten und die vermischten. Wer sich aber auf der Lebensstufe der Entsagung befindet, braucht solche Ergebnisse nicht zu erleiden oder zu genießen.
18.13-14 O starkarmiger Arjuna, höre nun von Mir über die fünf Faktoren, die jede Handlung verursachen und zur Vollkommenheit führen. Sie werden in der sankhya -Philosophie beschrieben als der Ort der Handlung, der Ausführende, die Sinne, die Bemühung und die Überseele.
18.15 Jede richtige oder falsche Handlung, die ein Mensch mit dem Körper, dem Geist oder mit Worten ausführt, wird von diesen fünf Faktoren verursacht.
18.16 Daher ist jeder, der sich für den alleinigen Handelnden hält und diese fünf Faktoren nicht in Betracht zieht, nicht sehr Intelligent und kann die Dinge nicht so sehen, wie sie wirklich sind.
18.17 Wer nicht vom falschen Ich motiviert und wessen Intelligenz nicht verstrickt ist, ist selbst wenn er in dieser Welt Menschen tötet, kein Mörder, noch wird er durch seine Handlungen gebunden.
18.18 Wissen, das Ziel des Wissens und der Wissende sind die drei Faktoren, die eine Handlung verursachen; die Sinne, die Arbeit und der Ausführende bilden die dreifache Grundlage einer Handlung.
18.19 In Entsprechung zu den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur gibt es drei Arten des Wissens, der Handlung und der Ausführenden. Höre, wie Ich sie beschreibe.
18.20 Das Wissen, durch das man die ungeteilte spirituelle Natur in allem Existierenden sieht - ungeteilt im Geteilten - ist Wissen in der Erscheinungsweise der Reinheit.
18.21 Das Wissen, durch das man verschiedenartige Lebewesen in verschiedenen Körpern zu sehen glaubt, ist Wissen in der Erscheinungsweise der Leidenschaft.
18.22 Und das Wissen, durch das man an einer bestimmten Form der Arbeit als dem Ein und Alles haftet, ohne von der Wahrheit zu wissen, und das sehr dürftig ist, befindet sich in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.
18.23 Handlungen, die in Einklang mit der Pflicht, ohne Anhaftung und ohne Liebe oder Haß, von einem Menschen ausgeführt werden, der auch den Früchten der Ergebnisse entsagt hat, werden Handlungen in der Erscheinungsweise der Reinheit genannt.
18.24 Aktivitäten jedoch, die mitgroßer Anstrengung von einem Menschen ausgeführt werden, der seine Begierden befriedigen will, und die vom falschen Ich veranlaßt werden, nennt man Aktivitäten in der Erscheinungsweise der Leidenschaft.
18.25 Und Aktivitäten, die in Unwissenheit und Illusion, ohne Rücksicht auf zukünftige Bindungen und Konsequenzen, ausgeführt werden, die anderen Leid zufügen und unpraktisch sind, werden Aktivitäten in der Erscheinungsweise der Unwissenheit genannt.
18.26 Wer frei von allen materiellen Anhaftungen und frei vom falschen Ich, wer entschlossen und enthusiastisch ist und Erfolg und Mißerfolg gleichgültig gegenübersteht, handelt in der Erscheinungsweise der Reinheit.
18.27 Wer jedoch an den Früchten seiner Arbeit haftet und sie leidenschaftlich genießen will, wer gierig, neidisch und unrein ist und von Glück und Leid bewegt wird, handelt in der Erscheinungsweise der Leidenschaft.
18.28 Und wer fortwährend Arbeit verrichtet, die den Anweisungen der Schriften widerspricht, wer materialistisch, eigensinnig und betrügerisch ist und es versteht, andere zu beleidigen, und wer faul und immer verdrießlich und von zögernder Natur ist, handelt in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.
18.29 O Gewinner von Reichtum, höre nun bitte, wie Ich dir ausführlich die drei Arten der Intelligenz und Entschlossenheit in bezug auf die drei Erscheinungsweisen der Naturerkläre.
18.30 O Sohn Prthas, die Intelligenz, durch die man erkennt, was getan werden muß und was nicht getan werden darf, wovor man sich fürchten muß und wovor man sich nicht zufürchten braucht, was bindend und was befreiend ist, befindet sich in der Erscheinungsweise der Reinheit.
18.31 Und die Intelligenz, die zwischen religiöser und irreligiöser Lebensweise nicht unterscheiden kann - zwischen Handlungen, die ausgeführt, und Handlungen, die nicht ausgeführt werden sollen - , diese unvollkommene Intelligenz, o Sohn Prthas, befindetsich in der Erscheinungsweise der Leidenschaft.
18.32 O Sohn Prthas, die Intelligenz, die Irreligion für Religion und Religion für Irreligion hält, die im Bann der Illusion und Dunkelheit steht und stets in die falsche Richtung strebt, befindet sich in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.
18.33 O Sohn Prthas, die Entschlossenheit, die niemals gebrochen werden kann, die durch das Praktizieren von yoga mit Standhaftigkeit aufrechterhalten wird und somit den Geist, das Leben und die Aktivitäten der Sinne beherrscht, befindet sich in der Erscheinungsweise der Reinheit.
18.34 O Arjuna, die Entschlossenheit, mit der man nach fruchtbringenden Ergebnissen auf religiösem und wirtschaftlichen Gebiet und nach Sinnesbefriedigung strebt, befindet sichin der Erscheinungsweise der Leidenschaft.
18.35 Und die Entschlossenheit, die über Träume, Angst, Klagen, Verdrießlichkeit und Illusion nicht hinausgeht - solche unintelligente Entschlossenheit befindet sich in der Erscheinungsweise der Dunkelheit.
18.36-37 O Bester der Bharatas, höre nun bitte von Mir über die drei Arten des Glücks, die die bedingte Seele genießt, und durch die sie manchmal an das Ende allen Leids gelangt. Was am Anfang wie Gift, doch am Ende wie Nektar ist und einen Menschen zur Selbstverwirklichung erweckt, wird Glück in der Erscheinungsweise der Reinheit genannt.
18.38 Das Glück, das aus der Verbindung der Sinne mit ihren Objekten erfahren wird und am Anfang wie Nektar mundet, doch am Ende wie Gift wirkt, nennt man Glück in der Erscheinungsweise der Leidenschaft.
18.39 Und Glück, welches für Selbstverwirklichung blind macht, das von Anfang bis Ende Illusion ist und aus Schlaf, Faulheit und Illusion entsteht, befindet sich in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.
18.40 Es existiert kein Wesen - weder hier noch unter den Halbgöttern auf den höheren Planetensystemen - , das vom Einfluß der drei Erscheinungsweisen der materiellen Naturf rei ist.
18.41 Brahmanas, ksatriyas, vaisyas und sutras unterscheiden sich durch die Eigenschaften ihres Handelns, die in Beziehung zu den Erscheinungsweisen der materiellen Natur stehen, o Bezwinger der Feinde.
18.42 Friedfertigkeit, Selbstbeherrschung, Enthaltsamkeit, Reinheit, Duldsamkeit, Ehrlichkeit, Gelehrsamkeit, Weisheit und Religiosität sind die Eigenschaften, die die Handlungsweise der brahmanas bestimmen.
18.43 Heldenmut, Stärke, Entschlossenheit, Geschicklichkeit, Furchtlosigkeit in der Schlacht, Großzügigkeit und die Fähigkeit zu regieren, sind die Eigenschaften, die die Handlungsweise der ksatriyas bestimmen.
18.44 Ackerbau, Viehzucht und Handel bestimmen die Handlungsweise der vaisyas, und die Aufgabe der sudras besteht darin, körperliche Arbeit zu verrichten und anderen Dienste zu leisten.
18.45 Jeder Mensch kann die Vollkommenheit erreichen, wenn er den Eigenschaften seiner vorgeschriebenen Handlungsweise folgt. Höre nun bitte von Mir, wie dies geschehen kann.
18.46 Durch die Verehrung des Herrn, der der Ursprung aller Lebewesen ist und alles durchdringt, kann ein Mensch in der Erfüllung seiner Pflicht die Vollkommenheit erreichen.
18.47 Es ist besser, die eigene Tätigkeit zu verrichten - selbst wenn sie unvollkommen ausgeführt wird - , als die Aufgabe eines anderen zu übernehmen und sie vollendet auszuführen. Vorgeschriebene Pflichten, die mit der eigenen Natur übereinstimmen, werden niemals von sündhaften Reaktionen beeinflußt.
18.48 Wie Feuer von Rauch bedeckt ist, so ist jede Bemühung von einem Fehler überschattet. Deshalb, o Sohn Kuntis, sollte man die Tätigkeit, die der eigenen Natur entspricht, nicht aufgeben, auch wenn solche Arbeit fehlerhaft ist.
18.49 Man kann die Ergebnisse der Entsagung erhalten, indem man einfach den Geist kontrolliert, die Anhaftung an materielle Dinge aufgibt und materiellen Genüssen keine Beachtung schenkt. Das ist die am höchsten vervollkommnete Stufe der Entsagung.
18.50 O Sohn Kuntis, lerne von Mir in Kürze, wie man die höchste Stufe der Vollkommenheit, das Brahman, erreichen kann, indem man so handelt, wie ich es nunzusammenfassen werde.
18.51-53 Wer durch seine Intelligenz gereinigt ist und den Geist mit Entschlossenheit kontrolliert, die Objekte der Sinnesbefriedigung aufgibt und von Anhaftung und Haß frei ist, wer an einem einsamen Ort lebt, wenig ißt, Körper und Zunge beherrscht, in ständiger Trance sich befindet und losgelöst ist, wer frei von falschem Ich, falscher Stärke, Lust und Zorn ist und keine materiellen Dinge annimmt - solch ein Mensch hat zweifellos die Stufe der Selbstverwirklichung erreicht.
18.54 Wer auf diese Weise in der Transzendenz verankert ist, verwirklicht augenblicklich das Höchste Brahman. Er klagt niemals, noch verlangt er danach, irgendetwas zu besitzen. Er ist jedem Lebewesen gleich gesinnt. In diesem Zustand erreicht er reines hingebungsvolles Dienen.
18.55 Allein durch hingebungsvolles Dienen kann man die Höchste Persönlichkeit wahrhaft verstehen. Und wenn man sich durch solche Hingabe über den Höchsten Herrn völlig bewußt ist, kann man in das Königreich Gottes eingehen. 18.56 Obwohl Mein Geweihter mit allen Arten von Aktivitäten beschäftigt ist, erreicht er durch Meine Gnade und unter Meinem Schutz das ewige, unvergängliche Reich.
18.57 Sei in allen Aktivitäten von Mir abhängig, und handle immer unter Meinem Schutz. Sei dir bei solchem hingebungsvollen Dienen völlig über Mich bewußt.
18.58 Wenn du dir Meiner bewußt wirst, wirst du durch Meine Gnade alle Hindernisse des bedingten Lebens überwinden. Wenn du jedoch nicht in diesem Bewußtsein, sondern aus falschem Ich heraus handelst, und nicht auf Mich hörst, wirst du verloren sein.
18.59 Wenn du Meinen Anweisungen nicht nachkommst und nicht kämpfst, wirst du in die Irre gehen. Deine Natur wird dich zwingen, am Kriegshandwerk teilzunehmen.
18.60 Nur weil du in Illusion bist, weigerst du dich nun, Meine Anweisungen zu befolgen. Doch gezwungen durch deine eigene Natur, wirst du ohnehin nicht anders handeln können, o Sohn Kuntis.
18.61 O Arjuna, der Höchste Herr weilt im Herzen eines jeden und lenkt die Wege aller Lebewesen, die im Körper wie auf einer Maschine aus materieller Energie sitzen.
18.62 O Nachkomme Bharatas, gib dich Ihm völlig hin. Durch Seine Gnade wirst du transzendentalen Frieden erlangen und in das höchste, ewige Reich eingehen.
18.63 Ich habe dir somit den vertraulichsten Teil allen Wissens erklärt. Denke in Ruhe darüber nach, und tue dann, was du für richtig hältst.
18.64 Weil du Mir sehr lieb bist, offenbare Ich dir den vertraulichsten Teil des Wissens. Höre also von Mir, denn es ist zu deinem Nutzen.
18.65 Denke ständig an Mich und werde Mein Geweihter. Verehre Mich und bringe Mir deine Ehrerbietung dar. Auf diese Weise wirst du ohne Fehl zu Mir kommen. Ich verspreche dir dies, weil du mein lieber Freund bist.
18.66 Gib alle Arten von Religion auf und gib dich einfach Mir hin. Ich werde dich von allen sündhaften Reaktionen befreien. Fürchte dich nicht.
18.67 Dieses vertrauliche Wissen darf nicht Menschen erklärt werden, die sich keine Bußen auferlegen, die Mir nicht hingegeben sind, sich nicht im hingebungsvollen Dienen beschäftigen oder Mich beneiden.
18.68 Wer dieses größte Geheimnis den Gottgeweihten erklärt, wird mit Sicherheit die Stufe des hingebungsvollen Dienens erreichen und am Ende zu Mir zurückkehren.
18.69 Kein Diener in dieser Welt ist Mir lieber als er, noch wird Mir jemals einer lieber sein.
18.70 Wer dieses heilige Gespräch studiert, verehrt Mich mit seiner Intelligenz.
18.71 Und wer mit Vertrauen und ohne Neid zuhört, wird von allen sündhaften Reaktionen frei und erreicht die Planeten, auf denen die Frommen leben.
18.72 O Arjuna, Gewinner von Reichtum, hast du all dies mit wachem Geist vernommen? Sind Illusion und Unwissenheit von dir gewichen?
18.73 Arjuna sagte: Mein lieber Krsna, o Unfehlbarer, meine Illusion ist nun zerstreut. Durch Deine Barmherzigkeit habe ich meine Erinnerung zurück gewonnen und bin nun gefestigt und frei von allen Zweifeln. Ich bin jetzt bereit, nach Deinen Anweisungen zu handeln.
18.74 Sanjaya sagte: Somit hörte ich das Gespräch der beiden großen Seelen, Krsna und Arjuna. Und diese Botschaft ist so wundervoll, daß sich mir die Haare sträuben.
18.75 Durch die Barmherzigkeit Vyasas konnte ich dieses höchst vertrauliche Gespräch direkt vom Meister aller Mystik, Krsna, vernehmen, der persönlich zu Arjuna sprach.
18.76 O König, wenn ich mir dieses wunderbare und heilige Gespräch zwischen Krsna und Arjuna ins Gedächtnis rufe, erbebe ich jeden Augenblick vor Freude.
18.77 O König, wenn ich mich an die wunderbare universale Form Sri Krsnas erinnere, überkommt mich große Verwunderung, und ich erfahre immer wieder neue Freude.
18.78 Überall dort, wo Krsna, der Meister aller Mystiker, und Arjuna, der größte Bogenschütze, anwesend sind, werden gewiß auch Reichtum, Sieg, außergewöhnliche Macht und Moral zu finden sein. Das ist meine Ansicht.

 

 

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