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Die Bhagavad Gita

10. Die Fuellen des Absoluten.

10.1 Der Höchste Herr sagte: Mein lieber Freund, o starkarmiger Arjuna, höre nun wieder Meine erhabenen Worte, die Ich dir zu deinem Wohl verkünde und die dir große Freude bereiten werden.
10.2 Weder die Scharen der Halbgötter noch die großen Weisen kennen Meinen Ursprung, denn Ich bin der Ursprung der Halbgötter und Weisen.
10.3 Wer Mich als den Ungeborenen, den Anfanglosen und den Höchsten Herrn aller Welten kennt, ist frei von Täuschung und frei von allen Sünden.
10.4-5 Intelligenz, Wissen, freiheit von Zweifel und Täuschung, Nachsicht, Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung und Ruhe, Freude und Schmerz, Geburt und Tod, Furcht, Furchtlosigkeit, Gewaltlosigkeit, Ausgeglichenheit, Zufriedenheit, Buße, Wohltätigkeit, Ruhm und Schmach werden von Mir allein geschaffen.
10.6 Die sieben großen Weisen, vor ihnen die vier anderen großen Weisen und die Manus (die Vorväter der Menschheit) sind aus Meinem Geist geboren und alle Geschöpfe auf allen Planeten stammen von ihnen ab.
10.7 Wer diese Meine Herrlichkeit und Macht in Wahrheit kennt, beschäftigt sich im reinen hingebungsvollen Dienen; darüber besteht kein Zweifel.
10.8 Ich bin der Ursprung der spirituellen und der materiellen Welt. Alles geht von Mir aus. Die Weisen, die dies wissen, dienen Mir in Hingabe und verehren Mich von ganzem Herzen.
10.9 Die Gedanken Meiner reinen Geweihten weilen in Mir, ihr Leben ist Mir hingegeben, und sie erfahren große Zufriedenheit und Glückseligkeit, wenn sie einander erleuchten und über Mich sprechen.
10.10 Denen, die Mir fortwährend hingegeben sind und Mich mit Liebe verehren, gebe Ich die Intelligenz, durch die sie zu Mir gelangen können.
10.11 Aus Mitleid zerstöre Ich, der Ich in ihren Herzen weile, mit der leuchtenden Fackel der Erkenntnis die Dunkelheit, die aus Unwissenheit geboren wurde.
10.12-13 Arjuna sagte: Du bist der Höchste Brahman, das Endgültige, das Höchste Reich und der Alles - Reinigende, die Absolute Wahrheit und die Ewige Göttliche Person. Du bist der Urerste Gott, transzendental und ursprünglich, und Du bist die ungeborene, alldurchdringende Schönheit. Alle großen Weisen wie Narada, Asita, Devala und Vyasa sagen dies von Dir, und nun verkündest Du es mir Selbst.
10.14 O Kesava (Krsna), alles, was Du mir gesagt hast, akzeptiere ich als Wahrheit. Weder die Götter noch die Dämonen, o Herr, kennen Deine Persönlichkeit.
10.15 Wahrlich, Du allein kennst Dich durch Deine Energien, o Ursprung allen Seins, Herr aller Wesen, Gott der Götter, o Höchste Person, Herr des Universums.
10.16 Bitte erkläre mir im einzelnen Deine göttlichen Energien, mit denen Du alle Welten durchdringst und in ihnen gegenwärtig bist.
10.17 Wie soll ich über Dich meditieren? In welch mannigfachen Formen kann man über Dich nachdenken, o Höchster Herr?
10.18 O Janardana (Krsna) berichte mir abermals im einzelnen über Deine mächtigen Kräfte und Deine Herrlichkeit, denn ich werde es niemals Müde, Deinen nektarnenWorten zu lauschen.
10.19 Der Höchste Herr sagte: Ja, Ich werde dir von Meinen herrlichen Manifestationen berichten, o Arjuna; doch nur von den bedeutendsten, denn Meine Füllen kennen keine Grenzen.
10.20 Ich bin das Selbst, o Gudakesa, das in den Herzen aller Geschöpfe weilt. Ich bin der Anfang, die Mitte und das Ende aller Wesen.
10.21 Von den Adityas bin Ich Visnu; von den Lichtern bin Ich die strahlende Sonne; von den Maruts bin Ich Marici, und unter den Sternen bin Ich der Mond.
10.22 Von den Veden bin Ich der Sama - veda; von den Halbgöttern bin Ich Indra; von den Sinnen bin Ich der Geist und in den Lebewesen bin Ich die lebendige Kraft (Wissen).
10.23 Von den Rudras bin Ich Siva; von den Yaksas und Raksasas bin Ich der Herr des Reichtums (Kuvera); von den Vasus bin Ich das Feuer (Agni), und von den Bergen bin Ich der Meru.
10.24 Wisse, o Arjuna, von den Pristern bin Ich das Oberhaupt, Brhaspati, der Herr der Hingabe. Von den Generälen bin Ich Skanda, der Herr des Krieges, und von den Wassern bin Ich der Ozean.
10.25 Von den großen Weisen bin Ich Bhrgu, und von den Klangschwingungen bin Ich das transzendentale om; von den Opfern bin Ich das Chanten der heiligen Namen (japa), und von den unbeweglichen Dingen bin Ich der Himalaja.
10.26 Von allen Bäumen bin Ich der heilige Feigenbaum; unter den großen Weisen und Halbgöttern bin Ich Narada; von den Sängern der Götter (Gandharvas) bin Ich Citraratha, und unter den vollkommenen Wesen bin Ich der Weise Kapila.
10.27 Wisse, von allen Pferden bin Ich Uccaihsrava, das aus dem Elexier der Unsterblichkeit geboren wurde und dem Ozean entstieg; von den Elefantenfürsten bin Ich Airavata, und unter den Menschen bin Ich der König.
10.28 Von den Waffen bin Ich der Blitz, und unter den Kühen bin Ich die surabhi - Kuh, die Milch im überfluß gibt. Von den Erzeugern bin Ich Kandarpa, der Gott der Liebe, und von den Schlangen bin Ich Vasuki.
10.29 Von den himmlischen Naga - Schlangen bin Ich Ananta; von den Gottheiten des Wassers bin Ich Varuna; von den verstorbenen Vorvätern bin Ich Aryama, und unter den Gesetzeshütern bin Ich Yama, der Herr des Todes.
10.30 Unter den Daitya - Dämonen bin Ich der hingegebene Prahlada; unter den Bezwingern bin Ich die Zeit; unter den wilden Tieren bin Ich der Löwe, und von denVögeln bin Ich Garuda, der gefiederte Träger Visnus.
10.31 Von den reinigenden Kräften bin Ich der Wind; von den Waffenträgern bin Ich Rama; von den Fischen bin Ich der Hai, und von den strömenden Flüssen bin Ich der Ganges.
10.32 Von allen Schöpfungen bin Ich der Anfang, das Ende und auch die Mitte, o Arjuna; von allen Wissenschaften bin Ich die spirituelle Wissenschaft vom Selbst, und von aller Logik bin Ich die endgltige Wahrheit.
10.33 Von den Buchstaben bin Ich der Buchstabe A, und unter den zusammengesetzten Wörtern bin Ich das Doppelwort. Auch bin Ich die unerschöpfliche Zeit, und von den Schöpfern bin Ich Brahma, dessen mannigfache Gesichter in alle Richtungen schauen.
10.34 Ich bin der alles - verschlingende Tod, und Ich bin der Erzeuger aller Dinge, die noch sein werden. Unter den Frauen bin Ich Ruhm, Glück, Rede, Erinnerung, Intelligenz, Treue und Geduld.
10.35 Von den Hümnen bin Ich der Brhat - sama, der Indra vorgesungen wurde, und von den Dichtungen bin Ich der Gayatri - mantra, den die brahmans täglich chanten. Von den Monaten bin Ich der November und der Dezember, und von den Jahreszeiten bin Ich der blühende Frühling.
10.36 Von allem Betrug bin Ich das Glücksspiel, und von allem Prunkvollen bin Ich die Pracht. Ich bin der Sieg; Ich bin das Abenteuer, und Ich bin die Stärke der Starken.
10.37 Von den Nachkommen der Vrsni - Dynastie bin Ich Vasudeva, und von den Pandavas bin Ich Arjuna. Von den Weisen bin Ich Vyasa, und unter den großen Denkern bin Ich Usana.
10.38 Bei der Bestrafung bin Ich der Prügelstock, und bei denen, die den Sieg suchen, bin Ich die Moral. Von den Geheimnissen bin Ich das Schweigen, und von den Weisen bin Ich die Weisheit.
10.39 Ferner, o Arjuna, bin Ich der zeugende Same allen Seins. Es gibt kein Wesen - ganzgleich, ob es sich bewegt oder nicht bewegt - , das ohne Mich existieren kann.
10.40 O mächtiger Bezwinger der Feinde, Meine göttlichen Manifestationen haben kein Ende. Was Ich dir berichtet habe, ist nur ein kleiner Hinweis auf Meine unbegrenzten Füllen.
10.41 Wisse, daß alle wunderschönen, herrlichen und mächtigen Schöpfungen nur einem Funken Meiner Pracht entspringen.
10.42 Doch wozu ist dieses detaillierte Wissen notwendig, o Arjuna? Mit einem einzigen Teil meines Selbst durchdringe und erhalte Ich das gesamte Universum.

11. Die universale Form

11.1 Arjuna sagte: Ich habe Deine Unterweisung in vertraulichen spirituellen Angelegenheiten vernommen, die Du mir in Deiner Güte verkündet hast, und meine Illusion ist von mir gewichen.
11.2 O Lotusäugiger, ich habe von Dir im einzelnen über das Erscheinen und Fortgehen aller Lebewesen und über Deine unerschöpfliche Herrlichkeit gehört.
11.3 O größter aller Persönlichkeiten, o höchste Gestalt, obwohl ich Dich in Deiner wirklichen Identität hier vor mir sehe, möchte ich dennoch sehen, wie Du in die kosmische Manifestation eingegangen bist. Zeige mir bitte diese Deine Form.
11.4 O mein Herr, o Meister aller mystischen Kräfte, wenn Du glaubst, ich sei fähig, Deine kosmische Form zu betrachten, dann sei bitte so gütig, mir dieses universale Selbst zu zeigen.
11.5 Der Höchste Herr sagte: Mein lieber Arjuna, o Sohn Prthas, betrachte nun Meine Füllen - Hunderttausende von verschiedenen göttlichen Formen, die vielfarbig wie die See.
11.6 O Bester der Bharatas, sieh nur die verschiedenen Manifestationen der Adityas, Rudras und aller Halbgötter. Betrachte die Vielfalt, die niemand zuvor gesehen und von der niemand jemals etwas gehört hat.
11.7 Was immer du auch sehen möchtest kann augenblicklich in diesem Körper gesehen werden. Diese universale Form kann dir alles zeigen, was du dir jetzt, wie auch in der Zukunft wünschen magst. Alles ist hier vorhanden.
11.8 Doch mit deinen gegenwärtigen Augen kannst du Mich nicht sehen. Deshalb gebe Ich dir göttliche Augen, mit denen du Meinen mystischen Reichtum betrachten kannst.
11.9 Sanjaya sagte: O König, mit diesen Worten offenbarte der Höchste, der Herr allermystischen Kraft, der Persönliche Gott, Arjuna seine universale Form.
11.10-11 Arjuna sah in dieser universalen Form unbegrenzt viele Münder und Augen. Alles war überwältigend. Die Form war mit göttlichem, gleissendem Geschmeide geschmückt und in viele Gewänder gekleidet. Wunderschöne Girlanden bekränzten den Herrn und sein Körper war mit wohlriechenden Ölen gesalbt. All dies war großartig und erweiterte sich überall hin ins Grenzenlose. Dies wurde von Arjuna geschaut.
11.12 Wenn Hunderttausende von Sonnen gleichzeitig in den Himmel steigen, könnten sie dem Glanz der Höchsten Person in dieser universalen Form vielleicht gleichkommen.
11.13 Arjuna konnte in der universalen Form des Herrn die grenzenlosen Erweiterungen des Universums sehen, die sich alle an einem Ort befanden, obwohl es ihrer viele Tausende waren.
11.14 Da Arjuna von Erstaunen überwältigt war und seine Haare sich in Ekstase sträubten, brachte er dem Höchsten Herrn seine Ehrerbietung dar und begann mit gefalteten Händen zu beten.
11.15 Arjuna sagte: Mein lieber Krsna, ich sehe in Deinem Körper alle Halbgötter und verschiedene andere Lebewesen versammelt. Ich sehe Brahma auf dem Lotus, und ich kann auch Siva, viele Weise und göttliche Schlangen erkennen.
11.16 O Herr des Universums, ich sehe in Deinem universalen Körper zahllose Formen -Arme, Bäuche, Münder und Augen - , die sich ins Grenzenlose ausdehnen. All dies hat kein Ende, keine Mitte und keinen Anfang.
11.17 Der Anblick Deiner Form, die als Schmuck verschiedene Kronen, Keulen und Feuerräder trägt, ist kaum zu ertragen, da ein strahlender Glanz von ihr ausgeht, der feurig und unermeßlich ist wie die Sonne.
11.18 Du bist das höchste, ursprüngliche Ziel; Du bist der Vortrefflichste in allen Universen; Du bist unerschöpflich, und Du bist der Älteste; Du bist der Erhalter der Religion, der ewig Höchste Persönliche Gott.
11.19 Du bist der Ursprung, ohne Anfang, Mitte oder Ende. Du hast zahllose Arme, und die Sonne und der Mond gehören zu Deinen großen, unbegrenzten Augen. Durch Deinen strahlenden Glanz erhitzt Du das gesamte Universum.
11.20 Obwohl Du eins bist, bist Du dennoch überall im Himmel, in den Planeten und im Raum dazwischen verbreitet. O Erhabener, während ich diese schreckliche Form betrachte, sehe ich, daß die Bewohner aller Planetensysteme bestürzt sind.
11.21 Alle Halbgötter geben sich Dir hin und gehen in Dich ein. Sie fürchten sich sehr und singen mit gefalteten Händen vedische Hymnen.
11.22 Die verschiedenen Manifestationen Sivas, die Adityas, die Vasus, die Sadhyas, die Visvadevas, die beiden Asvins, die Maruts, die Vorväter und die Gandharvas, die Yaksas, die Asuras, und alle vollkommenen Halbgötter betrachten Dich mit erstaunen.
11.23 O Starkarmiger, alle Halbgötter sind bestürzt, da sie Deine vielen Gesichter, Augen, Arme, Bäuche, Beine und Deine fürchterlichen Zähne sehen. Und wie sie, so bin auch ich verwirrt.
11.24 O alldurchdringender Visnu, ich kann meinen Gleichmut nicht länger bewahren. Wenn ich sehe, wie Deine leuchtenden Farben den Himmel bedecken, und wenn ich Deine Augen und Münder betrachte, überkommt mich Angst.
11.25 O Herr aller Herren, Zuflucht der Welten, bitte sei mir gnädig. Ich kann meinen Gleichmut nicht bewahren, wenn ich Deine lodernden, todesähnlichen Gesichter und Deine fürchterlichen Zähne sehe. Ich bin völlig verwirrt.
11.26-27 Alle Söhne Dhrtarastras stürzen zusammen mit ihren Verbündeten Königen, mit Bhisma, Drona und Karna und all unseren Soldaten in Deine Münder, wo ihre Köpfe von Deinen Zähnen zerschmettert werden. Und ich sehe, daß einige zwischen Deinen Zähnen auch zermalmt werden.
11.28 Wie sich die Flüsse ins Meer ergießen, so stürzen all diese großen Krieger in Deine lodernden Münder und vergehen.
11.29 Und gleich Motten, die in ein loderndes Feuer jagen, so sehe ich alle Menschen mit rasender Geschwindigkeit in Deine Münder stürzen.
11.30 O Visnu, ich sehe, wie Du alle Menschen mit Deinen flammenden Mündern verschlingst und das Universum mit Deinen unermeßlichen Strahlen erfüllst. In dem Du die Welten versengst, bist Du offenbar.
11.31 O Herr der Herren, schreckliche Gestalt, bitte sage mir, wer Du bist. Ich bringe Dir meine Ehrerbietung dar, bitte sei mir gnädig. Ich weiß nicht, was Dein Vorhaben ist, doch ich möchte davon hören.
11.32 Der Höchste Herr sagte: Zeit bin Ich, die Zerstörerin der Welten, und Ich bin gekommen, um alle Menschen in der Schlacht zu verschlingen. Außer euch (den Pandavas) werden alle Soldaten auf beiden Seiten erschlagen werden.
11.33 Darum erhebe dich und rüste dich zum Kampf. Nachdem du deine Feinde besiegt hast, wirst du dich eines blühenden Königreiches erfreuen. Durch Meinen Willen sind sie bereits getötet worden, und du, o Savyasacin, kannst in diesem Kampf nur ein Instrument sein.
11.34 Der Höchste Herr sagte: All die großen Krieger wie Drona, Bhisma, Jayadrathaund Karna sind bereits getötet worden. Kämpf nur, und du wirst deine Feinde vernichten.
11.35 Sanjaya sagte zu Dhrtarastra: O König, nachdem Arjuna diese Worte vom Höchsten Persönlichen Gott vernommen hatte, erbebte er und brachte Ihm ehrfürchtig, mit gefalteten Händen, seine Ehrerbietungen dar und begann stockend wie folgt zusprechen.
11.36 Arjuna sagte: O Hrsikesa, die Welt wird von Freude erfüllt, wenn sie Deinen Namen hört, und somit fühlt sich jeder zu Dir hingezogen. Während Dir die vollkommenen Wesen ihre respektvollen Ehrerbietungen darbringen, werden die Dämonen von Angst ergriffen und fliehen nach allen Seiten. All das geschieht in rechter Weise.
11.37 O Erhabener, der Du selbst über Brahma stehst, Du bist der ursprngliche Meister.Warum sollten sie Dir nicht ihre Ehrerbietung darbringen, o Grenzenloser? O Zuflucht des Universums, Du bist die unüberwindliche Quelle, die Ursache aller Ursachen, und Du bist transzendental zur materiellen Manifestation.
11.38 Du bist die ursprngliche Persönlichkeit, der Höchste Gott. Du bist das einzige Allerheiligste der manifestierten kosmischen Welt. Du weißt alles, und außer Dir gibt es nichts zu erkennen. Du stehst über den materiellen Erscheinungsweisen. O grenzenlose Form, die gesamte kosmische Manifestation wird von Dir durchdrungen.
11.39 Du bist Luft, Feuer, Wasser, und Du bist der Mond. Du bist der höchste Kontrollierende und der Großvater. Daher bring ich Dir tausendmal und immer und immer wieder meine respektvolle Ehrerbietung dar.
11.40 Ehrerbietungen seien Dir von vorne, von hinten und von allen Seiten dargebracht. O ungebundene Kraft, Du bist der Herr über unbegrenzte Macht. Du bist alldurchdringend, und daher bist Du alles.
11.41-42 Ohne Deine Herrlichkeit zu kennen, habe ich Dich in der Vergangenheit mit "oKrsna" , "o Yadava" , "o mein Freund" angeredet. Bitte vergib mir, was immer ich in Verrücktheit oder aus Liebe getan haben mag. Ich habe Dich - manchmal allein und manchmal vor vielen Freunden - viele Male beleidigt, während wir uns ausruhten oder auf den gleichen Bett lagen oder zusammen speisten. Bitte verzeih mir all meine Vergehen.
11.43 Du bist der Vater der gesamten kosmischen Manifestation; Du bist der Herr, dem alle Verehrung gebührt, und Du bist der geistige Meister. Niemand kommt Dir gleich, noch kann jemand eins mit Dir sein. Es gibt niemanden in den drei Welten, der Dich ermessen könnte.
11.44 Du bist der Höchste Herr, der von jedem Lebewesen verehrt werden muß. Daher falle ich nieder, um Dir meine Ehrerbietung zu erweisen und Deine Barmherzigkeit zu erflehen. Bitte, übersieh die Kränkungen, die ich Dir zugefügt haben mag, und dulde mich wie ein Vater seinen Sohn, ein Freund seinen Freund oder ein Liebender seine Geliebte duldet.
11.45 Nachdem ich die universale Form gesehen habe, die ich niemals zuvor sah, bin ich von Glück erfüllt; doch zur gleichen Zeit ist mein Geist von Angst verwirrt. Sei mir daher bitte gnädig, und offenbare wieder Deine Gestalt als Persönlicher Gott, o Herr der Herren, Zuflucht des Universums.
11.46 O universaler Herr, ich möchte Dich in Deiner vierarmigen Gestalt sehen, mit behelmten Haupt und mit Keule, Feuerrad, Muschelhorn und Lotus in Deinen Händen. Ich sehne mich danach, Dich in dieser Form zu sehen.
11.47 Der Höchste Herr sagte: Mein lieber Arjuna, mit Freuden habe Ich dir durch Meine innere Energie diese universale Form in der materiellen Welt gezeigt. Niemand vor Dir hat jemals diese unbegrenzte und gleisende Form gesehen.
11.48 O Bester der Kuru - Krieger, niemand vor dir hat jemals diese Meine universale Form gesehen, denn sie kann weder durch studieren der Veden noch durch Opferdarbringungen, noch durch Wohltätigkeiten oder ähnliche Aktivitäten gesehenwerden. Nur du allein hast sie gesehen.
11.49 Dein Geist ist verwirrt worden, weil du diese Meine entsetzliche Erscheinung gesehen hast. Es soll nun genug sein. Sei frei von aller Verwirrung; mit friedvollem Geist kannst du nun die Gestalt sehen, nach der Du verlangst.
11.50 Sanjaya sagte zu Dhrtarastra: Da der Höchste Persönliche Gott, Vasudeva (Krsna), so zu Arjuna sprach, offenbarte Er Seine wirkliche, vierarmige Form und zeigte ihm schließlich Seine zweiarmige Gestalt, um so den furchtvollen Arjuna zu ermutigen.
11.51 Als Arjuna Krsna in Seiner ursprünglichen Gestalt sah, sagte er: O Janardana, da ich diese menschenähnliche Gestalt sehe, die so überaus schön ist, ist mein Geist beruhigt und mein ursprüngliches Wesen wieder hergestellt.
11.52 Der Höchste Herr sagte: Mein lieber Arjuna, die Gestalt, die du nun erblickst, ist sehr schwer zu schauen. Sogar die Halbgötter suchen stets die Gelegenheit, diese Gestalt zu sehen, die so lieblich ist.
11.53 Diese Gestalt, die du nun mit deinen transzendentalen Augen siehst, kann man weder durch Studieren der Veden verstehen, noch durch strenge Bußen, Wohltätigkeit oder Verehrung. Nicht mit diesen Mitteln kann man Mich sehen, wie Ich bin.
11.54 Mein lieber Arjuna, allein durch uneingeschränktes hingebungsvolles Dienen kann Ich verstanden werden, wie Ich bin und vor dir stehe, und kann so direkt gesehen werden. Nur so kannst du in die Geheimnisse Meines Verstehens eindringen.
11.55 Mein lieber Arjuna, wer in Meinem reinen hingebungsvollen Dienst beschäftigt ist, frei von den Verunreinigungen vorangegangener Aktivitäten und frei von gedanklichen Spekulationen, und wer jedem Lebewesen ein Freund ist, gelangt ganz sicher zu Mir.

12. Hingebungsvolles Dienen.

12.1 Arjuna fragte: Wer wird als vollkommener angesehen - wer in rechter Weise in Deinem hingebungsvollen Dienst beschäftigt ist, oder wer das unpersönliche Brahman, das Unmanifestierte, verehrt?
12.2 Der Höchste Herr sagte: Wessen Geist auf Meine persönliche Gestalt gerichtet ist, und wer Mich mit festem und transzendentalem Glauben ständig verehrt, wird von Mir als der Vollkommenste angesehen.
12.3-4 Diejenigen aber, die das Unmanifestierte verehren, welches jenseits der Sinneswahrnehmung liegt, das Alldurchdringende, Unvorstellbare, Unwandelbare und Unbewegliche - die unpersönliche Auffassung der Absoluten Wahrheit - , in dem sie die verschiedenen Sinne beherrschen und jedem gleich gesinnt sind, solche Menschen, zum Wohl aller beschäftigt, erreichen am Ende ebenfalls Mich.
12.5 Für diejenigen, deren Geist am unmanifestierten, unpersönlichen Aspekt des Höchsten haftet, ist es sehr schwierig fortzuschreiten. Auf diesem Pfad Fortschritt zumachen, fällt allen verkörperten Seelen schwer.
12.6-7 O Sohn Prthas, wer Mich verehrt, alle Aktivitäten Mir weiht und Mir völlig hingegeben ist, wer sich im hingebungsvollen Dienen beschäftigt, ständig über Mich meditiert und seinen Geist auf Mich gerichtet hat - ihn befreie ich sehr schnell aus dem Ozean von Geburt und Tod.
12.8 Versenke dich immer in Gedanken an Mich, den Höchsten Persönlichen Gott, und beschäftige all deine Intelligenz in Mir, so wirst du immer frei von Zweifeln, in Mir leben.
12.9 Mein lieber Arjuna, o Gewinner von Reichtum, wenn du deine Gedanken nicht ohne abzuweichen auf Mich richten kannst, dann folge den regulierenden Prinzipien des bhakti- yoga. So wirst du das Verlangen entwickeln, zu Mir zu gelangen.
12.10 Wenn du die Regulierungen des bhakti - yoga nicht befolgen kannst, dann versuche einfach, für Mich zu arbeiten; denn wenn du für Mich arbeitest, wirst du auf die Stufe der Vollkommenheit gelangen.
12.11 Wenn du jedoch auch unfähig bist, in diesem Bewußtsein zu arbeiten, dann versuche zu handeln, indem du auf alle Ergebnisse deiner Arbeit verzichtest und dich bemühst, im Selbst verankert zu sein.
12.12 Und wenn du auch in dieser Weise nicht handeln kannst, dann versuche Wissen zu entwickeln. Besser jedoch als Wissen ist Meditation, und besser als Meditation ist der Verzicht auf die Früchte der Arbeit, denn durch solche Entsagung kann man inneren Frieden erlangen.
12.13-14 Wer nicht neidisch ist, sondern allen Lebewesen ein gütiger Freund, wer keinen Besitzanspruch erhebt, frei vom falschen Ich und in Glück und Leid ausgeglichen ist, wer immer zufrieden und mit Entschlossenheit im hingebungsvollen Dienen beschäftigt ist und wessen Geist und Intelligenz mit Mir in Einklang stehen, ist Mir sehr lieb.
12.15 Wer niemanden in Schwierigkeiten bringt, nicht von Angst beunruhigt wird und beständig ist in Glück und Leid, ist Mir sehr lieb.
12.16 Ein Gottgeweihter, der nicht vom gewohnten Verlauf der Aktivitäten abhängig ist, der rein, erfahren, ohne Sorgen und frei von allem Leid ist, und nicht nach irgendwelchen Ergebnissen strebt, ist Mir sehr lieb.
12.17 Wer weder erfreut noch bekümmert ist, weder klagt noch begehrt und sowohl auf glückverheißende als auch ungünstige Dinge verzichtet, ist Mir sehr lieb.
12.18-19 Wer Freund und Feind gleichgesinnt ist, von Ehre und Schmach, Hitze und Kälte, Glück und Leid und Ruhm und Schande unberührt bleibt, wer ständig frei von Verunreinigungen und immer schweigsam und mit allem zufrieden ist, wer sich nicht um eine Bleibe sorgt, im Wissen gefestigt ist und sich im hingebungsvollen Dienen beschäftigt, ist Mir sehr lieb.
12.20 Wer diesem unvergänglichen Pfad des hingebungsvollen Dienens folgt, sich mit festem Vertrauen fortwährend beschäftigt und Mich dabei zum höchsten Ziel macht, ist Mir sehr, sehr lieb.

 

 

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