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Die Bhagavad Gita

4. Transzendentales Wissen

4.1 Der Höchste Herr sagte: Ich offenbarte dem Sonnengott Vivasvan diese unvergängliche Wissenschaft des yoga; Vivasvan unterwies Manu, den Vater der Menschheit, darin, und Manu wiederum gab dieses Wissen an Iksvaku weiter.
4.2 Dieses höchste Wissen wurde durch die Nachfolge der geistigen Meister weitergegeben, und die heiligen Könige empfingen sie auf diese Weise. Im Laufe der Zeit aber wurde die Nachfolge unterbrochen, und daher scheint die Wissenschaft, wie sie ist,verloren zu sein.
4.3 Diese uralte Wissenschaft von der Beziehung zum Höchsten wird dir heute von mir offenbart, weil du mein Geweihter und mein Freund bist - nur deshalb kannst du das transzendentale Mysterium dieser Wissenschaft verstehen.
4.4 Arjuna sagte: Der Sonnengott Vivasvan ist von Geburt her älter als Du. Wie ist es daher zu verstehen, daß Du ihn am Anfang in dieser Wissenschaft unterwiesen hast.
4.5 Der Höchste Herr sagte: Viele Geburten haben sowohl du als auch Ich hinter unsgelassen. Ich kann mich an sie alle erinnern, doch du kannst es nicht, o Bezwinger der Feinde.
4.6 Obgleich Ich ungeboren bin und Mein transzendentaler Körper niemals vergeht, und obwohl Ich der Herr aller fühlenden Wesen bin, erscheine Ich dennoch in jedem Zeitalter in Meiner ursprünglichen transzendentalen Gestalt.
4.7 Wann immer und wo immer das religiöse Leben verfällt und Irreligiösität überhand nimmt, o Nachkomme Bharatas, zu der Zeit erscheine Ich.
4.8 Um die Frommen zu befreien und die Schurken zu vernichten, und um die Prinzipien der Religion wieder einzuführen, erscheine ich in jedem Zeitalter.
4.9 Wer das transzendentale Wesen Meines Erscheinens und Meiner Aktivitäten kennt, wird, nach dem er seinen Körper verlassen hat, nicht wieder in der materiellen Weltgeboren, sondern in mein ewiges Reich gelangen, o Arjuna.
4.10 Befreit von Anhaftung, Angst und Zorn, und völlig in Mich vertieft, wurden in der Vergangenheit viele Menschen, die bei Mir Zuflucht suchten, durch Wissen über Mich gereinigt und erlangten so transzendentale Liebe zu Mir.
4.11 Jeden belohne Ich in dem Maße, wie er sich Mir hingibt, (VERSCHICKEN) o Sohn Prthas. Alle folgenmeinem Pfad in jeder Hinsicht.
4.12 Die Menschen dieser Welt streben in ihren fruchtbringenden Aktivitäten nach Erfolg und verehren deshalb die Halbgötter. Und selbstverständlich erhalten sie auf diese Weise sehr schnell die Ergebnisse ihrer fruchtbringenden Arbeit.
4.13 In Entsprechung zu den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur und der Arbeit, die ihnen zugeordnet ist, wurden die vier Einteilungen der menschlichen Gesellschaft von Mir geschaffen. Und obwohl Ich der Schöpfer dieses Systems bin, solltest du wissen, daß ich dennoch der Nicht - Handelnde bin, denn ich bin unwandelbar.
4.14 Es gibt keine Arbeit, die Mich beeinflußt, noch strebe Ich nach den Früchten des Handelns. Wer diese Wahrheit erkennt, wird ebenfalls nicht in die Reaktionen auffruchtbringender Arbeit verstrickt.
4.15 Alle befreiten Seelen der Vergangenheit handelten mit diesem Verständnis und erlangten somit Befreiung. Daher solltest du, wie die Alten, deine Pflicht in diesem göttlichen Bewußtsein erfüllen.
4.16 Selbst die Intelligenten können nicht genau zwischen Handeln und Nicht - Handeln unterscheiden. Ich werde dir nun erklären, was Handeln ist, und wenn du dies weißt, wirst du von allen Sünden befreit sein.
4.17 Die Feinheiten des Handelns sind sehr schwer zu verstehen. Daher sollte man genau wissen, was Handeln, was verbotenes Handeln und was Nicht - Handeln ist.
4.18 Wer Nicht - Handeln in Handeln und Handeln in Nicht - Handeln sieht, ist ein wahrhaft intelligenter Mensch und gründet in der Transzendenz, obgleich er alle Artenvon Aktivitäten ausführt.
4.19 Wer in allen Handlungen frei von Verlangen nach Sinnesbefriedigung ist, gründet in vollkommenem Wissen. (VERSCHICKEN) Die Weisen nennen ihn einen Handelnden, dessenfruchtbringende Arbeit vom Feuer des vollkommenen Wissens verzehrt ist.
4.20 Er gibt jede Anhaftung an die Ergebnisse seines Handelns auf, ist immer zufriedengestellt und unabhängig und führt daher keine fruchtbringenden Handlungen aus, obwohler mit verschiedenen Unternehmungen beschäftigt ist.
4.21 Solch ein wissender Mensch handelt mit vollkommen kontrolliertem Geist und vollkommen kontrollierter Intelligenz, gibt jeden Anspruch auf Besitz auf und handelt nur für die allernotwendigsten Lebensbedürfnisse. Daher wird er von sündhaften Reaktionen nicht berührt.
4.22 Wer mit dem zufrieden ist, was er ohne eigenes Zutun erhält, wer frei von Dualität und Neid ist und von Erfolg und Mißerfolg nicht berührt wird, ist niemals verstrickt, obwohl er handelt.
4.23 Die Arbeit eines Menschen, der von den Erscheinungsweisen der materiellen Natur nicht beeinflußt wird und völlig im transzendentalen Wissen verankert ist, geht vollständig in die Transzendenz ein.
4.24 Ein Mensch, der völlig im Krsna - Bewußtsein vertieft ist, erreicht mit sicherheit das spirituelle Königreich, denn er widmet sich voll und ganz spirituellen Aktivitäten, in denen die Ausführung absolut, und das, was in ihnen geopfert wird, von gleicher spiritueller Natur ist.
4.25 Einige yogis verehren die Halbgötter mit vollendet ausgeführten Opfern, und andere opfern im Feuer des Höchsten Brahman.
4.26 Einige opfern den Vorgang des Hörens und die Sinne im Feuer des kontrollierten Geistes, und andere bringen Sinnesobjekte, wie zum Beispiel Klang, im Opferfeuer dar.
4.27 Diejenigen, die an Selbstverwirklichung durch Kontrolle von Geist und Sinnen interessiert sind, opfern sowohl die Funktionen ihrer Sinne als auch die Lebenskraft (Atem) im Feuer des kontrollierten Geistes.
4.28 Es gibt andere, die strikte Gelübde auf sich nehmen und den yoga der achtfachenMystik praktizieren, weil sie durch das Opfer ihres materiellen Besitzes in strengen Bußen erleuchtet worden sind. Wieder andere studieren die Veden, um im transzendentalen Wissen Fortschritte zu machen.
4.29 Und es gibt sogar noch andere, die dazu neigen, den Vorgang der Atembeherrschung zu praktizieren, um in Trance zu bleiben. Sie üben sich darin, den ausströmenden Atem im einströmenden und den einströmenden Atem im ausströmenden anzuhalten, und bleiben so letztlich in Trance, da sie das Atmen einstellen. Einige von ihnen bringen, in dem sie das Essen einschränken, den ausströmenden Atem sich selbst als Opfer dar.
4.30 All diese yogis, die die wirkliche Bedeutung von Opfern kennen, werden von allen sündhaften Reaktionen gereinigt, und nachdem sie den Nektar der überreste solcher Opfer gekostet haben, gehen sie in die höchste, ewige Atmosphäre
ein.
4.31 O Bester der Kuru - Dynastie, ohne Opfer kann man auf diesem Planeten bzw. indiesem Leben niemals glücklich werden - vom nächsten ganz zu schweigen.
4.32 Alle diese verschiedenen Opfer werden in den Veden empfohlen, und sie alle werden aus den unterschiedlichen Handlungsweisen geboren. Wenn du dies weißt, wirst du befreit werden.
4.33 O Bezwinger der Feinde, das Opfer von Wissen ist größer als das Opfer materiellen Besitzes. O Sohn Prthas, letztenendes findet das Opfer von Arbeit im transzendentalen Wissen seinen Höhepunkt.
4.34 Versuche die Wahrheit zu erfahren, indem du dich an einen geistigen Meister wendest. Stelle ihm in ergebener Haltung Fragen, und diene ihm. Die selbstverwirklichte Seele kann dir Wissen offenbaren, weil sie die Wahrheit gesehen hat.
4.35 Und wenn du die Wahrheit erfahren hast, wirst du wissen, daß alle Lebewesen meine Teile sind - und daß sie in Mir ruhen und Mein eigen sind.
4.36 Selbst wenn du der sündigste aller Sünder bist, wirst du fähig sein, den Ozean der Leiden zu überqueren, wenn du im Boot des transzendentalen Wissens sitzt.
4.37 Wie loderndes Feuer Holz in Asche verwandelt, o Arjuna, so verbrennt das Feuer des Wissens alle Reaktionen auf materielle Aktivitäten.
4.38 In dieser Welt gibt es nichts, was so erhaben und rein ist wie transzendentales Wissen. Solches Wissen ist die reife Frucht aller Mystik, und wer es erreicht hat, wird sehr bald das Selbst in sich genießen können.
4.39 Ein gläubiger Mensch, der im transzendentalen Wissen verankert ist und seine Sinne beherrscht, erlangt sehr schnell den höchsten spirituellen Frieden.
4.40 Unwissende und ungläubige Menschen jedoch, die an den offenbarten Schriften zweifeln, werden niemals Gottes - bewußt. Die zweifelnde Seele kann weder in dieser noch in der nächsten Welt glücklich werden.
4.41 Wer auf die Früchte seiner Handlungen verzichtet, wessen Zweifel durch transzendentales Wissen beseitigt sind, und wer fest im Selbst verankert ist, wird durch sein Handeln nicht gebunden, o Gewinner von Reichtum.
4.42 Daher sollten die Zweifel, die aus Unwissenheit in deinem Herzen entstanden sind, mit der Waffe des Wissens vernichtet werden. Bewaffne dich mit yoga, o Bharata, und stehe auf und kämpfe.

5. Karma - yoga
Handeln im Krsna - Bewusstsein.

5.1 Arjuna sagte: O Krsna, erst bittest Du mich, allen Handlungen zu entsagen, und dann wieder empfiehlst Du mir, in Hingabe zu handeln. Würdest Du mir bitte eindeutig sagen, welcher Weg der bessere ist?
5.2 Der Höchste Herr sagte: Sowohl Entsagung der Arbeit als auch Handeln in Hingabe führen zur Befreiung, doch ist es besser, sich im hingebungsvollen Dienen zubeschäftigen, als allem Tun zu entsagen.
5.3 O starkarmiger Arjuna, wer die Früchte seiner Aktivitäten weder haßt noch begehrt, ist immer entsagungsvoll. Solch ein Mensch, frei von allen Dualitäten, löst leicht die materielle Fessel und ist völlig befreit.
5.4 Nur die unwissenden behaupten, karma - yoga und hingebungsvolles Dienen würden sich vom analytischen Studium der materiellen Welt (sankhya) unterscheiden. Die Weisen jedoch erklären, daß einer, der sich einem dieser Pfade eingehend widmet, das Ziel beider erreicht.
5.5 Wer versteht, daß die Stufe, die man durch Entsagung erreicht, auch durch Arbeit im hingebungsvollen Dienen erlangt werden kann, und wer daher erkennt, daß der Pfad der Arbeit und der Pfad der Entsagung eins sind, sieht die Dinge, wie sie wirklich sind.
5.6 So lange man nicht im hingebungsvollen Dienst des Herrn beschäftigt ist, kann man durch bloße Entsagung der Aktivitäten nicht glücklich werden. Die Weisen, die durch Werke in Hingabe gereinigt worden sind, erreichen den Höchsten ohne Verzögerung.
5.7 Wer in Hingabe handelt, eine reine Seele ist und Geist und Sinne kontrolliert, ist jedem ein Freund, und jeder ist ihm lieb. Obwohl ein solcher Mensch stets handelt, ist erniemals verstrickt.
5.8-9 Ein Mensch mit göttlichem Bewußtsein weiß im Innern stets, daß er in wirklichkeit nicht handelt, obwohl er sieht, hört, berührt, riecht, ißt, sich bewegt, schläft und atmet. Denn während er spricht, sich entleert, etwas zu sich nimmt, seine Augen öffnet oder schließt, weiß er immer, daß nur die materiellen Sinne mit ihren Objekten beschäftigt sind, und daß er davon nicht berührt wird.
5.10 Wer seine Pflicht ohne Anhaftung erfüllt und die Ergebnisse dem Höchsten Gott hingibt, wird gleich einem Lotusblatt, das vom Wasser nicht berührt wird, von sündhaften Reaktionen nicht beeinflußt.
5.11 Die yogis, die sich von jeder Anhaftung lösen, handeln mit Körper, Geist, Intelligenz und Sinnen einzig und allein, um gereinigt zu werden.
5.12 Die fortwährend hingegebene Seele erreicht wirklichen Frieden, denn sie bringt das Ergebnis aller Aktivitäten Mir dar; doch ein Mensch, der nicht mit dem Göttlichen verbunden ist und gierig nach den Früchten seiner Arbeit strebt, wird verstrickt.
5.13 Wenn das verkörperte Lebewesen seine Aktivitäten kontrolliert und im Geist allen Handlungen entsagt, wohnt es glücklich in der Stadt der neun Tore (dem materiellenKörper) und handelt nicht, noch veranlaßt es andere zu handeln.
5.14 Die verkörperte Seele, die der Herr in der Stadt ihres Körpers ist, führt keine Aktivitäten aus, noch veranlaßt sie andere zu handeln, noch ist sie die Ursache für die Reaktionen, die auf ihre Handlungen folgen. All dies wird von den Erscheinungsweisen der materiellen Natur bewirkt.
5.15 Auch nimmt das Höchste Spirituelle Wesen die sündhaften oder frommen Aktivitäten des Lebewesens nicht auf Sich. Die verkörperten Wesen jedoch sind verwirrt, da Unwissenheit ihr wahres Wissen bedeckt.
5.16 Wenn einer mit dem Wissen erleuchtet ist, das die Unwissenheit zerstört, offenbart sein Wissen alles, wie auch die Sonne am Tage alles erleuchtet.
5.17 Wenn Intelligenz, Geist, Glaube und Zuflucht im Höchsten verankert sind, wird man durch vollständiges Wissen von allen Befürchtungen befreit und kann somit auf dem Pfad der Befreiung unbeirrt fortschreiten.
5.18 Der demütige Weise sieht, da er im wirklichen Wissen gründet, keinen Unterschied zwischen einem gelehrten und freundlichen brahman, einer Kuh, einem Elefanten, einem Hund und einem Hundeesser (Unberührbaren).
5.19 Menschen, deren Geist in Gleichmut und Ausgeglichenheit ruht, haben die Fessel von Geburt und Tod abgestreift. Sie sind unbefleckt wie das Brahman, und daher sind sie bereits im Brahman verankert.
5.20 Wer weder frohlockt, wenn er etwas erfreuliches erreicht, noch klagt, wenn ihm etwas unerfreuliches widerfährt, wer über die Intelligenz des Selbst verfügt, nicht verwirr tist und die Wissenschaft von Gott kennt, ist bereits in der Transzendenz verankert.
5.21 Solch ein befreiter Mensch fühlt sich weder zu materieller Sinnesfreude noch zu äußeren Objekten hingezogen, sondern befindet sich stets in Trance, und genießt die Freude im Innern. Auf diese Weise erfährt der Selbstverwirklichte unbegrenztes Glück, denn er konzentriert sich auf den Höchsten.
5.22 Wer intelligent ist, schöpft nicht aus den Quellen des Leids, die aus der Berührung mit den materiellen Sinnen entstehen. O Sohn Kuntis, solche Freuden haben einen Anfang und ein Ende, und daher erfreut sich der Weise nicht an ihnen.
5.23 Wer vor Verlassen des gegenwärtigen Körpers dem Drang der materiellen Sinne widerstehen und die Macht von Verlangen und Zorn bezwingen kann, ist ein yogi und lebtglücklich in dieser Welt.
5.24 Wessen Glück im Innern liegt, wer im Innern aktiv ist, sich im Innern erfreut, und von innen her erleuchtet wird, ist der wahrhaft vollkommene Mystiker. Er ist im Höchsten befreit, und letztlich erreicht er den Höchsten.
5.25 Wer sich jenseits von Dualität und Zweifel befindet, wessen Geist im Innern vertief tist, wer sich ständig um das Wohlergehen aller fühlenden Wesen bemüht und frei von allen Sünden ist, erreicht befreiung im Höchsten.
5.26 Wer frei von Zorn und allen materiellen Verlangen und wer selbstverwirklicht, selbstdiszipliniert und ständig um Vollkommenheit bemüht ist, wird mit Sicherheit in sehr naher Zukunft im Höchsten befreit.
5.27-28 Indem er sich von allen äußeren Sinnesobjekten zurückzieht, den Blick zwischen die Augenbrauen konzentriert, den ein - und ausströmenden Atem in den Nasenlöchern anhält und so den Geist, die Sinne und die Intelligenz kontrolliert, wird der Transzendentalist von Verlangen, Angst und Zorn frei. Wer sich fortwährend in diesemZustand befindet, ist zweifellos befreit.
5.29 Die Weisen, die Mich als das endgültige Ziel aller Opfer und Bußen kennen, als den Höchsten Herrn aller Planeten und Halbgötter und den Wohltäter und wohlmeinenden Freund aller Lebewesen, erlangen Frieden von den Qualen des materiellen Daseins.

6. Sankhya - yoga

6.1 Der Höchste Herr sagte: Wer an den Früchten seiner Arbeit nicht haftet und seine vorgeschriebenen Pflichten erfüllt, befindet sich auf der Lebensstufe der Entsagung. Er ist der wahre Mystiker, und nicht der, der kein Feuer entzündet und keine Arbeit verrichtet.
6.2 Was Entsagung genannt wird, ist das gleiche wie yoga - sich mit dem Höchsten verbinden - , denn niemand kann ein yogi werden, solange er nicht den Verlangen nach Sinnesbefriedigung entsagt.
6.3 Ein Neuling im achtfachen yoga - System wird Arbeit als Weg empfohlen, und für einen, der yoga bereits erreicht hat, ist, wie man sagt, die Beendigung aller materiellen Aktivitäten der Pfad zur Befreiung.
6.4 Man sagt, ein Mensch habe yoga erreicht, wenn er alle materiellen Verlangen aufgegeben hat und weder zur Sinnesbefriedigung handelt noch fruchtbringende Aktivitäten ausführt.
6.5 Der Mensch muß sich durch seinen Geist erheben, und nicht erniedrigen. Der Geist ist der Feind der bedingten Seele, aber auch ihr Freund.
6.6 Für den, der den Geist bezwungen hat, ist der Geist der beste Freund; doch für den, der dies versäumt hat, wird der gleiche Geist zum größten Feind.
6.7 Wer den Geist bezwingen kann, hat die überseele erreicht, denn er hat Ausgeglichenheit erlangt. Für einen solchen Menschen sind Glück und Leid, Hitze und Kälte, Ehre und Schmach das gleiche.
6.8 Ein Mensch gilt als selbstverwirklicht und wird ein yogi oder Mystiker genannt, wenn er durch sein Wissen und seine Verwirklichung völlig zufrieden ist. Solch ein Mensch ist in der Transzendenz verankert und selbstkontrolliert. Für ihn sind Kiesel, Steine oder Gold das gleiche.
6.9 Man sagt, ein Mensch sei noch weiter fortgeschritten, wenn er sowohl Freunde als auch Feinde, Neidische und auch Wohlgesinnte, die Frommen und die Sünder und die, die gleichgültig und unparteiisch sind, mit gleichen Augen sieht.
6.10 Ein Transzendentalist sollte immer versuchen, seinen Geist auf das Höchste Selbst zu konzentrieren; er sollte allein an einem einsamen Ort leben, seinen Geist stets sorgfältig kontrollieren und von Verlangen und Gefühlen der Besitzgier frei sein.
6.11-12 Um yoga zu praktizieren, sollte man an einen einsamen Ort gehen, kusa - Gras auf den Boden legen und es mit einem Rehfell und einem weichen Tuch bedecken. Der Sitz sollte weder zu hoch noch zu niedrig sein und an einem heiligen Ort liegen. Der yogi sollte in aufrechter Haltung darauf sitzen und yoga praktizieren, in dem er den Geist und die Sinne beherrscht, das Herz reinigt und den Geist auf einen Punkt fixiert.
6.13-14 Man sollte Körper, Nacken und Kopf aufrecht, in einer geraden Linie halten und stetig auf die Nasenspitze starren. Auf diese Weise sollte man mit ungestörtem, kontrolliertem Geist, ohne Furcht und völlig frei von Sexualität über Mich im Herzen Meditieren und Mich zum endgültigen Ziel des Lebens machen.
6.15 Während sich der Transzendentalist somit darin übt, Körper, Geist und Aktivitäten zu kontrollieren, beendet er das materielle Dasein und geht in das Königreich Gottes (dasReich Krsnas) ein.
6.16 O Arjuna, es ist nicht möglich, ein yogi zu werden, wenn man zu viel ißt oder zu wenig ißt, wenn man zu viel schläft oder nicht genügend schläft.
6.17 Wer das yoga - System praktiziert und im Essen, Schlafen, Arbeiten und sich erholen maßvoll ist, kann alle materiellen Leiden lindern.
6.18 Wenn der yogi durch das praktizieren von yoga die Aktivitäten seines Geistes zügelt und, frei von materiellen Verlangen, in der Transzendenz verankert wird, sagt man von ihm, er habe yoga erreicht.
6.19 Gleich einem Licht, das an einem windstillen Ort nicht flackert, bleibt der Transzendentalist, dessen Geist kontrolliert ist, in seiner Meditation über das transzendentale Selbst immer stetig.
6.20-23 Wenn der Geist durch das Praktizieren von yoga von allen Aktivitäten in der Materie vollständig zurückgehalten wird, nennt man diese Stufe der Vollkommenheit Trance oder samadhi. Auf dieser Ebene kann man durch den reinen Geist das Selbst sehen, sich am Selbst erfreuen und im Selbst genießen. In diesen freudigen Zustand erfährt man grenzenloses transzendentales Glück und genießt durch transzendentale Sinne. Wenn man diese Stufe erreicht hat, weicht man niemals von der Wahrheit ab und denkt, daß es keinen größeren Gewinn gibt. In einer solchen Position gerät man niemals, nichteinmal in mitten der größten Schwierigkeiten, ins Wanken. Dies ist wirkliche Freiheit von allen Leiden, die aus der Berührung mit der Materie entstehen.
6.24 Man sollte yoga mit fester Entschlossenheit und unerschütterlichem Vertrauen praktizieren. Dabei sollte man alle materiellen Verlangen, die aus dem falschen Ich geboren werden, ohne Ausnahme aufgeben und auf diese Weise alle Sinne durch den Geist beherrschen.
6.25 Allmählich, Schritt für Schritt und mit völliger überzeugung, sollte man mit Hilfe der Intelligenz in Trance versinken und auf dieser Stufe den Geist allein auf das Selbst richten und an nichts anderes mehr denken.
6.26 Wohin auch immer der Geist aufgrund seiner flackernden und unsteten Natur wandert - man muß ihn auf jeden Fall zurückziehen und wieder unter die Kontrolle des Selbst bringen.
6.27 Der yogi, dessen Geist fest auf Mich gerichtet ist, erreicht das höchste Glück. Weil er sich mit dem Brahman identifiziert, ist er befreit; sein Geist ist von Frieden erfüllt, seine Leidenschaften sind zur Ruhe gekommen, und er ist frei von allen Sünden.
6.28 Fest verankert im Selbst und befreit von aller materiellen Verunreinigung, erreicht der yogi, der mit dem Höchsten Bewußtsein verbunden ist, die am höchsten vervollkommnete Stufe des Glücks.
6.29 Ein wahrer yogi sieht Mich in allen Wesen und alle Wesen in Mir. Wahrlich, die selbstverwirklichte Seele sieht Mich überall.
6.30 Wer Mich überall und alles in Mir sieht, ist immer mit Mir verbunden und niemals von Mir getrennt.
6.31 Der yogi, der weiß, daß Ich und die überseele in allen Geschöpfen eins sind, verehrt Mich und bleibt unter allen Umständen in Mir verankert.
6.32 O Arjuna, ein vollkommener yogi ist, wer im Vergleich mit seinem eigenen Selbst die wahre Gleichheit aller Wesen sowohl in ihrem Glück als auch in ihrem Leid sieht.
6.33 Arjuna sagte: O Madhusudana, das yoga - System, das Du beschrieben hast, erscheint mir unpraktisch und undurchführbar, denn der Geist ist ruhelos und unstet.
6.34 Der Geist ist ruhelos, stürmisch, widerspenstig und sehr stark, o Krsna, und ihn zu kontrollieren erscheint mir schwieriger, als den Wind zu beherrschen.
6.35 Der höchste Herr sagte: O starkarmiger Sohn Kuntis, es ist ohne Zweifel sehrschwierig, den ruhelosen Geist zu zügeln, doch durch ständige übung und durch Loslösung ist dies möglich.
6.36 Für einen Menschen mit ungezügeltem Geist ist Selbstverwirklichung ein schwieriges Unterfangen. Doch wer den Geist kontrolliert und sich mit rechten Mitteln bemüht, wird mit Sicherheit erfolgreich sein. Das ist meine Meinung.
6.37 Arjuna sagte: Was ist das Schicksal eines Gläubigen, der nicht standhaft ist - den Pfad der Selbstverwirklichung zwar aufnimmt, doch ihn später, aufgrund seiner Weltzugewandtheit, wieder verläßt und daher die vollkommenheit der Mystik nicht erreicht?
6.38 O starkarmiger Krsna, vergeht nicht solch ein Mensch, der vom Pfad der Transzendenz abweicht, wie eine zerrissene Wolke - ohne Halt in irgend einer Sphäre?
6.39 Das ist mein Zweifel, o Krsna, und ich bitte Dich, ihn völlig zu beseitigen. Außer Dir gibt es niemanden, der diesen Zweifel vertreiben kann.
6.40 Der höchste Herr sagte: O Sohn Prthas, ein Transzendentalist, der glückverheißenden Aktivitäten nachgeht, wird weder in der materiellen noch in derspirituellen Welt vergehen; wer Gutes tut, Mein Freund, wird niemals vom Bösen besiegt.
6.41 Nachdem sich der gescheiterte yogi auf den Planeten der frommen Lebewesen erfreut hat, wird er in einer Familie rechtschaffener Menschen oder in einer reichen aristokratischen Familie geboren.
6.42 Oder er wird in einer Familie von Transzendentalisten geboren, die von großer Weisheit sind. Wahrlich, solch eine Geburt ist selten in dieser Welt.
6.43 O Nachkomme Kurus, wenn er in solch einer Familie geboren wird, wiedererweckt er das göttliche Bewußtsein seines vorherigen Lebens und versucht, weiteren Fortschritt zumachen, um schließlich die Vollkommenheit zu erlangen.
6.44 Durch das göttliche Bewußtsein seines vorherigen Lebens fühlt er sich, sogar ohne danach zu streben, zu den Prinzipien des yoga hingezogen. Solch ein wißbegieriger Transzendentalist, der sich bemüht, die Stufe des yoga zu erreichen, steht immer über den rituellen Prinzipien der Schriften.
6.45 Wenn sich der yogi jedoch ernsthaft bemüht, weiteren Fortschritt zu machen, und von allen Verschmutzungen reingewaschen ist, erreicht er nach vielen Geburten das höchste Ziel.
6.46 Ein yogi ist größer als ein Asket, größer als ein Empiriker und größer als ein fruchtbringender Arbeiter. Deshalb, o Arjuna, sei unter allen Umständen ein yogi.
6.47 Von allen yogis ist der am engsten mit Mir in yoga vereint, der mit großem Vertrauen immer in Mir weilt und Mich im transzendentalen liebevollen Dienst verehrt,und er ist der höchste von allen.

 

 

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