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Tao te King

Der gönigliche Weg (68-81)

Zweites Buch

KAPITEL 68
164. Wer gut als Ritter, ist nicht streitbar; Ein guter Kämpfer wütet nicht; Wer gut als Feindbezwinger, wird nicht handgemein; Wer Menschen gut verwendet, stellt sich ihnen unter. Dies nennt man: Tugend des Nicht-Streitens; Dies nennt man: Macht der Menschen-Verwendung; Dies nennt man: First der Himmels-Paarung.

KAPITEL 69
165. Beim Gebrauch der Waffen gibt es seit alters ein Wort: »Ich wage nicht, den Hausherrn zu machen, Sondern mache den Gast; Ich wage nicht, um eine Daumenbreite vorzurücken, Sondern weiche eine Fußbreit zurück.« Dies nennt man: Vorgehn auch ohne Vorgehn, Ärmelaufrollen auch ohne Arm, Festhalten auch ohne Waffe, Angreifen auch ohne Feind. 166. Kein Unheil größer, als ohne Feind zu sein Ohne Feind kann ich verlieren Meine Kostbarkeit. 167. Wahrlich: Wenn zwei die Waffe gegeneinander erheben, Wird der, der trauert, siegen.

KAPITEL 70
168. Meine Worte sind Sehr leicht zu verstehen Und sehr leicht auszufahren. Doch im ganzen Reich Vermag niemand, sie zu verstehen, Vermag niemand, sie auszufahren. Mein Wort hat einen Ahn, Mein Werk hat einen Herrn. Wohl! Nur weil man sie nicht kennt, Versteht man auch Mich nicht. 169. Die Seltenen sind es, die Mich verstehn; Und die Mir folgen, sind angesehn. 170. Deshalb der Heilige Mensch: Trägt am Leibe das härene Gewand, Aber am Herzen das Kleinod.

KAPITEL 71
171. Um sein Nichtwissen wissen Ist das Höchste. Um sein Wissen nicht wissen ist krankhaft. 172. Wohl! Nenne das Kranke krank! So nur bist du nicht krank. Der Heilige Mensch ist nicht krank. Er nennt das Kranke krank, Deshalb ist er nicht krank.

KAPITFL 72
173. Erst wenn das Volk vor deiner Macht nicht bangt, Hast du die größte Macht erlangt. Enge nicht ein, worauf sie wohnen! Mache nicht Mühsam, wovon sie leben! Wohl, nur wenn du sie nicht mühst, 'Werden sie deiner nicht müde. 174. Deshalb der Heilige Mensch: Er kennt sich selbst, Aber sieht sich nicht; Er schont sich selbst, Aber ehrt sich nicht. Wahrlich: Von jenem laß! Dieses erfaß!

KAPITEL 73
175. Mutig sein beim Wagen bedeutet Tod; Mutig sein beim Nicht-Wagen bedeutet Leben. Von diesen beiden Bringt eines Nutzen, das andere Schaden. Was der Himmel haßt, Wer kennt den Grund davon? 150. (Deshalb der Heilige Mensch: Gleichsam tut er sich schwer.) 176. Des Himmels Weg: Er streitet nicht Und ist dennoch gut im Siegen; Er redet nicht Und ist dennoch gut, Antwort zu geben; Er ruft nicht auf, Und dennoch kommt alles von selbst; Sanft ist er Und ist dennoch gut im Planen. 177. Des Himmels Netz ist endlos weit; So groß die Maschen - Dennoch entgeht ihm nichts.

KAPITEL 74
178. Wenn das Volk nicht vor dem Tode bangt, Warum es dann mit dem Tode schrecken? Gesetzt aber, man wirkte, Daß das Volk ständig den Tod fürchtet, Und sie täten Ordnungswidriges: Wer von uns wagte, sie greifen und töten zu lassen? Ständig ist ein Scharfrichter da, der richtet. Statt des Scharfrichters zu richten, Das hieße »statt des Zimmermanns hobeln«. Wohl! Wenn einer statt des Zimmermanns hobelt, selten, daß er sich nicht die Hand verletzt.

KAPITIEL 75
179. Wenn das Volk hungert, so darum, Weil der Steuern, die seine Oberen verzehren, Zu viel sind. Nur darum hungert es. Wenn das Volk schwer zu regieren ist, so darum, Weil seine Oberen tätig sind. Nur darum ist es schwer zu regieren. Wenn das Volk den Tod gering achtet, so darum, Weil es dem Leben zu völlig nachgeht. Nur darum achtet es den Tod gering. 180. Wohl! Nicht zu haben, Wodurch das Leben schätzenswert, Ist besser, als das Leben wertzuschätzen.

KAPITEL 76
181. Wenn der Mensch geboren wird, Ist er weich und schwach; Wenn er stirbt, Ist er fest und stark. Wenn die zehntausend Wesen, Wenn Gräser und Bäume wachsen, Dann sind sie weich und saftig; Doch wenn sie absterben, Dann sind sie dürr und trocken. Wahrlich: Das Feste, Starke ist des Todes Begleiter; Das Weiche, Schwache des Lebens Begleiter. Deshalb: Sind die Waffen stark, dann siegen sie nicht. Sind die Bäume stark, dann werden sie gefällt. Das Starke, Große liegt darnieder; Das Weiche, Schwache ist hochgestellt.

KAPITEL 77
183 Des Himmels Weg, wie gleicht er dem Bogenspannen! Was hoch ist, wird niedergedrückt; Was tief ist, nach oben gezogen; Was zu viel ist, wird vermindert; Was unzureichend, wird aufgewogen. So auch des Himmels Weg: Er mindert das, was zu viel, Und wiegt auf, was unzureichend ist. Doch der Menschen Weg ist anders: Sie mindern die, bei denen es nicht reicht, Um es darzubringen denen, die zu viel haben. 184. Wer ist imstande, sein Zu-Viel Darzubringen dem Reiche? Nur der, der den Weg hat. 185. Deshalb der Heilige Mensch: Er tut, aber baut nicht darauf; Ist das Werk vollbracht, verweilt er nicht dabei. Denn er wünscht nicht zu zeigen seine Trefflichkeit.

KAPITEL 78
186. Nichts auf Erden ist so weich und schwach Wie das Wasser. Dennoch, im Angriff auf das Feste und Starke Wird es durch nichts besiegt: Das Nicht-Sein macht ihm dies leicht. 187. Schwaches besiegt das Starke; Weiches besiegt das Harte. Niemand auf Erden, der das nicht weiß, Niemand, der ihm zu folgen vermag. 188. Deshalb sagt der Heilige Mensch: >>Wer auf sich nimmt den Schmutz im Land, Sei Herr des Flur- und Kornaltars genannt. Wer Landes Unheil auf . sich nimmt, Der ist zum König des Erdreichs bestimmt.« 189. Wahre Worte klingen Oft wie Gegensinn.

KAPITEL 79
190. Wenn wir den größten Groll beschwichtigen, Verbleibt des Grolls genug. Wie stellen trotzdem wir Uns mit den andern gut? 191. Deshalb, der Heilige Mensch Behält den linken Teil der Schuldverschreibung, Aber treibt nicht ein von den Menschen: Wer Tugend hat, obliegt der Schuldverschreibung; Wer tugendlos, obliegt der Schuld-Eintreibung. 192. Des Himmels Weg ist ohne Günstlingsgeist, Gibt ewig dem, der sich als gut erweist.

KAPITEL 80
193. Ein kleines Land! Ein Volk gering an Zahl! Und gäb es dort Geräte zehnfach, hundertfach - Von Wirkung - mach, daß man sie nicht gebraucht! Mach, daß das Volk ernst nimmt den Tod Und nicht auswandert in die Ferne! Wohl gibt es Schiff und Wagen dort, Jedoch kein Ziel, sie zu besteigen; Wohl gibt es Panzer und Waffen dort, Doch keinen Grund, sie aufzunehmen. Laß auch die Menschen finden heim zur Knotenschnur Und sie gebrauchen. Mach süß ihre Speise, Schön ihre Kleider, Friedlich ihr Wohnen, Fröhlich die Lebensweise! Man sieht von weitem wohl das Nachbarland, Die Hähne sind, die Hunde noch zu hören; Das Volk wird alt, und wenn sie sterben, War dennoch keiner, der zum Nachbarn fand.

KAPITEL 81
194. Trauenswerte Worte sind nicht schön; Schöne Worte sind nicht trauenswert. Wer gut ist, disputiert nicht; Wer disputiert, ist nicht gut. Ein Wissender ist nicht gelehrt; Ein Gelehrter ist nicht wissend. 195. Der Heilige Mensch häuft nicht an. Je mehr er für die Menschen tut, Desto mehr hat er selbst. Je mehr er den Menschen gibt, Desto mehr wird ihm selbst zuteil. 195. Des Himmels Weg: Er nützt, ohne zu schaden. Der heiligen Menschen Weg: Er tut, ohne zu streiten.


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