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Tao te King

Der gönigliche Weg (13-24)

Erstes Buch

KAPITEL 13
29. Gunst und Schande sind gleichsam ein Stachel. Ehrung ist ein großes Leiden wie Dein Leib." Was heißt: Gunst und Schande sind gleichsam ein Stachel?" Gunst ist etwas [Hohes, Schande etwas] Niedriges. Sie zu erlangen, ist gleichsam ein Stachel; Sie zu verlieren, ist gleichsam ein Stachel. Das heißt: Gunst und Schande sind gleichsam ein Stachel." Was heißt: Ehrung ist ein großes Leiden wie Dein Leib? Daß Wir große Leiden haben, Ist, weil Wir einen Leib haben. Wären Wir ohne Leib, Was hätten Wir für Leid? 30. Wahrlich: Ehre wie den Leib so das Reich, Und das Reich kann Dir anvertraut werden. Schone wie den Leib so das Reich, Und das Reich kann Dir überantwortet werden.

KAPITEL 14
31. Was du nicht siehst, so sehr du danach schaust, Des Name ist: plan. Was du nicht hörst, so sehr du danach lauschest, Des Name ist: heimlich. Was du nicht fängst, so sehr du danach greifst, Des Name ist: subtil. Diese drei kannst du nicht weiter erkunden; Wahrlich, chaotisch sind sie zum Einen verbunden. Sein Oben ist nicht heil, Sein Unten ist nicht dunkel. Unendlich ist es, nicht kann es benannt werden; Zum Wesenlosen hat es heimgefunden. Dies ist es, was man heißt: Die Gestalt des Gestaltlosen, Das Bild des Wesenlosen; Dies ist es, was man heißt: Brauendes Ur-Glosen. Wer ihm sich naht, kann keinen Kopf erblicken; Und wer ihm folgt, erblickt nicht seinen Rücken. 32. Halte fest am Weg des Altertums, Und du lenkst das Sein der Gegenwart! Zu wissen um des Altertums Beginn, Das nennen wir des Weges leitenden Sinn.

KAPITEL 15
33. Wer im Altertum gut war als Meister, War subtil, geheimnisvoll, mystisch, durchdringend; So tief, daß er uns unbegreiflich bleibt. Wohl! Und weil er unbegreiflich bleibt, Will ich lieber dartun sein Gebaren: 34. So zögernd, ach! Wie wenn man winters quert einen Strom; ängstlich, ach! Wie wenn man fürchtet die Nachbarn rings; Verhalten, ach! Als wäre zu Gast man geladen; Nachgiebig, ach! Wie vor der Schmelze das Eis; Gediegen, ach! Gleich einem Grobholz; Weit, ach! Gleich einem Flußtal; Chaotisch, ach! Gleich einem Strudel. 35. Wer kann den Strudel stillen, Auf daß er rnählich werde rein? Wer kann das Ruhende bewegen, Auf daß es mählich Leben gewinne? 36. Wer diesen Weg bewahrt, Wünscht nicht, erfüllt zu sein. Wohl! Nur was unerfüllt, Kann auch verschleißen ohne Erneuen.

KAPITEL 16
37. Erreichend den First des Leeren, Bewahrend die Stille, die Stete - Zusammen wirken die zehntausend Wesen: So kann ich betrachten ihr Wiederkehren. 38. Denn blühn die Wesen üppig-bunt, Kehrt jedes heim zu seinem Wurzelgrund. 39. Heimkehren zum Wurzelgrund heißt: Stille finden. Und dieses nennt man: sich zum Schicksal kehren. Sich zum Schicksal kehren heißt: ewig sein. Das Ewige kennen heißt: erleuchtet sein. (VERSCHICKEN) 40. Wer nicht das Ewige kennt, Schafft sinnlos Unheil-, Wer das Ewige kennt , ist duldsam. Duldsam ist aber: unbefangen; Unbefangen ist aber: allumfassend; Allumfassend ist aber: himmlisch; Himmlisch ist aber: der Weg; Der mit dem Weg aber dauert. Sinkt hin sein Leib, ist er ohne Gefahr.

KAPITEL 17
41. Vom Allerhöchsten- Wissen die Niederen nur: Es gibt sie. Die Nächsthohen liebt man und preist man; Die Nächsten fürchtet man; Die Nächsten verweist man. 42. Wer nicht genug vertraut, Dem ist man nicht treu. Beim Ehren des Wortes, wie waren sie scheu! War vollendet das Werk, vollbracht die Tat, Meinten die hundert Geschläter: Wir schufen es frei.

KAPITEL 18
43. Wenn der Große Weg ist aufgegeben, Gibt es »Menschlichkeit und Rechtlichkeit«. Wenn Klugheit sich und Findigkeit erheben, Ist auch das »Künstlich-Gute« nicht mehr weit. Wenn die Sechs Blutsverwandten nicht in Einklang leben, Gibt es die »Kindes-Ehrerbietigkeit«. Regiert das Herrscherhaus in Zwist und Wahn, Gibt es den »Lauteren Untertan«.

KAPITEL 19
44. Brich ab die Heiligkeit, verwirf die Klugheit! So wird dem Volke Nutzen hundertfältig. Brich ab die Menschlichkeit, verwirf die Rechtlichkeit! So kehrt das Volk zu Kindgehorsam, Elternliebe. Brich ab Geschicklichkeit, verwirf den Nutzen! So finden keine Räuber sich und Diebe. 45. Diese drei für Kultur zu nehmen, das reicht nicht aus. 46. Wahrlich: Gib ein Gebot, das bindend verpflichte! Betrachte das Blanke, faß an das Schlichte! Mach klein dein Eigen und karg deine Süchte!

KAPITEL 20
47. Brich ab das Lernen, so bist du sorgenfrei! Sind denn »jawohl!« und »Recht gern!« Wirklich einander so fern? Sind denn das Gute, die Schlechtigkeit Wirklich einander so weit? »Wem andere Menschen sich beugen, Dem mußt auch du dich beugen«: Welch Öde doch! Und kein Ende noch! 48. Die Menschen alle sind ausgelassen, Als säßen sie zechend beim Opferfest, Als stiegen sie auf zu den Frühlingsterrassen. Ich allein liege noch still, Kein Zeichen hab ich gegeben, Gleich einem kleinen Kinde, Das noch nie gelacht hat im Leben; Bin schwankend, bin wankend, Als hätt ich die Heimat verloren. Die Menge der Menschen hat Überfluß; Nur Ich bin gleichsam von allem entblößt. Wahrlich, Ich habe das Herz eines Toren, So dunkel und wirr! Die gewöhnlichen Menschen sind hell und klar; Nur Ich bin trübe verhangen. Die gewöhnlichen Menschen sind strebig-straff; Nur Ich bin bang-befangen. Ruhelos gleich ich dem Meere; Verweht, ach, bin gleichsam ich ohne Halt. Die Menschen machen sich nützlich all, Nur Ich bin halsstarr, als ob ich ein Wildling wäre. Nur Ich bin von den andern Menschen verschieden - Der ich die nährende Mutter verehre.

KAPITEL 21
49. Der tiefsten Tugend Gebaren, Es folgt allein dem Wege. Der Weg als ein Wesen Ist ein Brauen, ein Glosen. O Glosen, o Brauen! Darin sind die Bilder. O Brauen, o Glosen! Darin sind die Wesen. O Dunkel, versunken! Darin sind die Samen. Die Samen sind Wahrheit; Darin ist die Treulichkeit. Von alters bis heute Ward sein Name nicht aufgehoben, Um damit den Vater von allen Dingen zu deuten. Und woher kenn Ich das Walten Des Vaters von allen Dingen? Durch dieses.

KAPITEL 22
50. Was krumm ist, wird heil gemacht; Was gebeugt ist, wird aufgerichtet; Was hohl ist, wird ausgefüllt; Was zerschlissen, wird neu gemacht. Mit wenigem wirst du bekommen; Mit vielem bist du beklommen. (VERSCHICKEN) 51. Deshalb der Heilige Mensch: Wenn er das Eine umfaßt, Wird er zum Richtmaß dem Reich. Weil er sich selbst nicht sieht, Darum ist er erleuchtet; Weil er sich selbst nicht recht gibt, Darum ist er anerkannt; Weil er sich selbst nicht aufspielt, Darum hat er Verdienst; Weil er sich selbst nicht rühmt, Darum wird er erhöht. Wohl! Eben weil er nicht streitet, Darum vermag niemand im Reich, Mit ihm zu streiten. 52. Wenn die Alten sagten: »Was krumm ist, wird heil gemacht«, So sind das keine leeren Worte gewesen! Zum wahrhaft Heilen kehrt man sich hin.

KAPITEL 23
53. Rede selten nur So will es die Natur. 54. Wahrlich: Ein Wirbelwind währt keinen Morgen; Ein Regenguß währt keinen Tag. Wer dieses macht, sind Himmel und Erde. Wenn schon Himmel und Erde nicht vermögen, Dauer zu geben, Um wieviel weniger ist sie dem Menschen gegeben 55. Wahrlich: Wer dem Wege folgt in seinen Geschäften, Wird eins mit dem Wege; Wer tugendhaft, wird eins mit der Tugend; Wer sie verliert, wird eins mit dem Verlust. Wenn einer eins wird mit dem Wege, Freut sich desgleichen der Weg, Ihn zu gewinnen; Wenn einer eins wird mit der Tugend, Freut sich desgleichen die Tugend, Ihn zu gewinnen; Wenn einer eins wird mit dem Verlust, Freut sich desgleichen der Verlust, Ihn zu gewinnen. 42. (Wer nicht genug vertraut, Dem ist man nicht treu.)

KAPITEL 24
56. Wer auf Zehen steht, der hält sich nicht; Wer die Beine spreizt, der wandelt nicht. Wer sich selber sieht, ist nicht erleuchtet; Wer sich selber recht gibt, ist nicht anerkannt; Wer sich selber aufspielt, hat kein Verdienst; Wer sich selber rühmt, wird nicht erhöht. 57. Auf den Weg übertragen, heißt das: Zu viel der Speisen und prunkender Wandel Sind den Geschöpfen allzumal ein Überdruß. Wahrlich: Wer den Weg hat, weilt nicht dabei.


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