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Lehrreden des Buddha

VASALA-SUTTA

DIE LEHRREDE VOM KASTENLOSEN

SO HABE ICH GEHÖRT: Einstmals weilte der Erhabene in Savatthi, im jetavana, in Anathapindikas Mönchsheim. Da nun ging der Erhabene frühzeitig gekleidet, mit Obergewand und Almosenschale versehen, nach Savatthi um Almosenspeise. Damals war da in der Behausung des Brahmanen Aggikabharadvaja ein Feuer entzündet worden, und es wurde die Opferhandlung abgehalten. Da nun begab sich der Erhabene, indem er in Savatthi von Haus zu Haus um Almosenspeise ging, auch zur Behausung des Brahmanen Aggikabharadvaja. Und es sah der Brahmane Aggikabharadvaja den Erhabenen von fern her herankommen, und sobald er ihn gesehen hatte, sprach er zum Erhabenen so - »Dort bleib stehen, du Kahlkopf! Dort bleib stehen, du Büßerling! Dort bleib stehen, du Unkast!« Auf diese Worte sprach der Erhabene zum Brahmanen Aggikabharadvaja so: »Kennst du denn, Brahmane, den Kastenlosen und die Eigenschaften, die den Kastenlosen ausmachen?« »Allerdings, Herr Gotama, kenn‘ ich den Kastenlosen und die Eigenschaften, die den Kastenlosen ausmachen, nicht. Wolle doch der Herr Gotama gütigst so die Lehre zeigen, daß ich den Kastenlosen und die Eigenschaften, die den Kastenlosen ausmachen, kennenlerne.« »So höre denn, Brahmane! Achte wohl auf! Ich werde reden.« »ja, o Herr«, erwiderte der Brahmane Aggikabharadvaja dem Erhabenen. Der Erhabene sprach so: *** »Wer zornig und gehässig ist, Der Mann, der eigne Schuld verbirgt, Voll falscher Lehre, trügerisch, Den merke dir als kastenlos‘. Sei er Zweimal-Geborner auch - Wer Lebewesen hier verletzt Und nicht mit ihnen Mitleid hat, Den merke dir als kastenlos‘. Wer tötet, Wegelagrer ist, Bei Dörfern und bei Städten auch, Und darum Räuber wird genannt, Den merke dir als kastenlos‘. Wer, sei‘s im Dorfe, sei‘s im Wald, Das Gut, das andern angehört, Als Dieb sich ungegeben nimmt, Den merke dir als kastenlos‘. Wer eine Schuldenlast aufnahm Und, wenn gefordert, sich entzieht: Nicht schulde ich dir diese Schuld, Den merke dir als kastenlos‘. Wer da um eine Nichtigkeit Den Wandrer tötet auf dem Weg Und diese Nichtigkeit sich nimmt, Den merke dir als kastenlos‘. Wer da sich oder anderen Zuliebe oder um Gewinn, Zeugnis gefragt, die Lüge spricht, Den merke dir als kastenlos‘. Wer mit den Weibern pflegt Verkehr Derer, die Freund ihm und verwandt, Sei‘s mit Gewalt, sei‘s gütlich auch, Den merke dir als kastenlos‘. Wer Mutter und den Vater auch, Alt, nach geschwundner jugendkraft, Nicht nährt, obgleich er viel besitzt, Den merke dir als kastenlos‘. Wer Mutter und den Vater auch, Wer Bruder, Schwester, Schwägerin Schlägt oder auch in Worten schmäht, Den merke dir als kastenlos‘. Wer, nach dem redeten Sinn gefragt, Gerade das Unrechte lehrt Und insgeheim Gedanken spinnt, Den merke dir als kastenlos‘. Wer, wenn er üble Tat getan, Nicht soll man kennen mich‘, sich wünscht, Wer übles im geheimen tut, Den merke dir als kastenlos‘. Wer da zu andrer Hausung geht Und sich am Essen gütlich tut Und jenen dann nicht wieder ehrt, Den merke dir als kastenlos‘. Wer Büßer und Brahmanen auch Oder sonstigen Bettelmönch Durch lügnerische Rede täuscht, Den merke dir als kastenlos‘. Wer Büßer und Brahmanen auch, Wenn seine Mahlzeit ist bereit, Mit Worten schmäht und nicht beschenkt, Den merke dir als kastenlos‘. Wer das Unwirkliche hier rühmt, In seinen eitlen Wahn verstrickt, Und nur nach Nichtigkeiten jagt, Den merke dir als kastenlos‘. Wer nur das eigne Ich erhebt Und andere verächtlich macht, Durch eignen Dünkel niedrig ward, Den merke dir als kastenlos‘. Wer da zu Zorn und Geiz geneigt, Mißgünstig, neidisch, schurkisch ist, Wer schamlos ist, ein frecher Mensch, Den merke dir als kastenlos‘. Wer einen Buddha wagt zu schmähn, Oder wer dessen Jünger schmäht, Sei Pilger der, leb‘ er im Haus, Den merke dir als kastenlos‘. Wer, ohne Heiliger zu sein, Sich doch als Heiligen bekennt, Ein Dieb in höchster Reinheitswelt - Vom Auswurf ist der Auswurf der. Die Kastenlose‘ sind genannt, Von mir als kastenlos‘ gezeigt. Nicht durch Geburt wird kostenlos, Nicht durch Geburt man Brahmana: Durch seine Tat wird kostenlos, Durch seine Tat man Brahmana.« *** Auf diese Worte sprach der Brahmane Aggikabharadvaja zum Erhabenen so: »Vortrefflich!, Herr Gotama, vortrefflich, Herr Gotama! Wie wenn einer, Herr Gotama, Umgestürztes wieder aufrichtete oder Zugedecktes öffnete oder einem Verirrten den Weg zeigte oder eine Lampe in der Dunkelheit hielte: Die da Augen haben, werden die Dinge sehen‘“ ebenso ist vom Erhabenen auf mannigfache Weise die Lehre gezeigt worden. So nehme auch ich beim Herrn Gotama die Zuflucht, bei der Lehre und bei der Mönchsgemeinde. Als Anhänger möge der Herr Gotama mich halten, als einen, der von heute ab für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat.« Sutta-Nipata

 

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