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Lehrreden des Buddha

KUTADANTA-SUTTA

DIE LEHRREDE AN KUTADANTA

SO HABE ICH GEHÖRT: Einstmals weilte der Erhabene im Magadha Lande auf der Wanderug mit einer großen Mönchsgemeinde zusammen mit fünfhundert Mönchen und kam nach einem Dorfe im Magadha-Lande namens Khanumata. Und es weilte da der Erhabene in Khanumata, im Mango-Gehölz. Zu jener Zeit nun wohnte der Brahmane Kutadanta in Khanumata. Der hatte damals das große Opfer vorbereitet. Siebenhundert Stiere, siebenhundert Ochsen, siebenhundert Kühe, siebenhundert Ziegen, siebenhundert Widder waren zum Pfahl gebracht worden um des Opfers willen. Da nun begab sich der Brahmane Kutadanta zusammen mit einer großen Brahmanenschar hin zum Mango-Gehölz, hin zum Erhabenen. Dort angelangt, begrüßte er sich freundlich mit dem Erhabenen und ließ sich nach den üblichen Begrüßungsworten seitwärts nieder. Seitwärts sitzend, sprach der Brahmane Kutadanta zum Erhabenen so: »Gehört habe ich es, Herr Gotama: Der Büßer Gotama kennt das dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer.‘ Ich aber kenne nicht das dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer, und ich wünsche doch, das große Opfer darzubringen. Dank wissen würde ich ja dem Herrn Gotama, wenn er das dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer zeigen wollte.- »So höre denn, Brahmane, achte wohl auf, ich werde reden.« »ja, o Herr-, erwiderte da der Brahmane Kutadanta dem Erhabenen. Der Erhabene sprach so: »Vor Zeiten einmal, Brahmane, lebte ein König namens Maha-vijita, reich, sehr begütert, sehr vermögend, überreichlich mit Gold und Silber, überreichlich mit Lebensunterhalt, überreichlich mit Gut und Eigentum versehen, vollgefüllt seine Schatzkammer. Da nun, Brahmane, stieg dem König Maha-viiita, als er einsam, zurückgezogen weilte, im Geiste folgende Überlegung auf: Besitzen tue ich reichlich irdische Güter; den gewaltigen Erdkreis habe ich als Herrscher inne. Sollte ich jetzt nicht das große Opfer bringen, das mir für lange Zeit zum Heile, zum Segen gereichen würde?‘ Da nun, Brahmane, ließ König Maha-vijita den brahmanischen Hauspriester rufen und sprach so: Als ich da, Brahmane, einsam, zurückgezogen weilte, stieg mir im Geist folgende Überlegung auf: Besitzen tue ich reichlich irdische Güter; den gewaltigen Erdkreis habe ich als Herrscher inne. Sollte ich jetzt nicht das große Opfer bringen, das mir für lange Zeit zum Heile, zum Segen gereichen würde? Ich wünsche also, Brahmane, das große Opfer zu bringen. Unterweisen möge mich der Verehrte, so daß es mir für lange Zeit zum Heile, zum Segen gereichen möge.‘ Auf diese Worte hin, Brahmane, sprach der brahmanische Hauspriester zum König Maha-vijita so: Des königlichen Herrn Reich lebt in Not und Bedrückung. Man trifft geplünderte Dörfer, man trifft geplünderte Städte, man trifft Wegelagerer. Wenn nun aber der königliche Herr in diesem notleidenden und bedruckten Lande Steuern erheben wollte, so würde der königliche Herr insofern Unrecht handeln. Nun mag es zwar sein, daß dem königlichen Herrn der Gedanke kommt: Ich will dieses Unwesen durch Hinrichtung, durch Gefängnis, durch Geldstrafe, durch Ehrverlust, durch Verbannung ausrotten - nicht so aber ist die Ausrottung dieses Unwesens in der richtigen Weise möglich. Diejenigen, die bei den Hinrichtungen verschont geblieben sind, die werden hinterher wieder des Königs Land schädigen. Wenn man aber folgende Einrichtung träfe, so würde die Ausrottung dieses Unwesens möglich sein Denjenigen Landbebauern und Viehhaltern im Reich des königlichen Herrn, die es benötigen, denen möge der königliche Herr Samen und Futter verabfolgen; denjenigen Handeltreibenden im Reich des königlichen Herrn, die es benötigen, denen möge der königliche Herr Geld verabfolgen; denjenigen Beamten im Reich des königlichen Herrn, die es benötigen, denen möge der königliche Herr Kost und Sold anweisen, und diese Menschen werden dann, ihren eigenen Geschäften nachgehend, des Königs Land nicht schädigen, und groß wird des Königs Schatz werden, befriedigt das Reich, frei von Not und Bedrückung, und die Menschen, mild geworden, froh im Herzen, werden die Kinder an ihrer Brust spielen lassen und werden sozusagen in unverschlossenen Häusern leben.‘ ,ja, Verehrter‘, stimmte da, Brahmane, der König Maha-vijita dem brahmanischen Hauspriester zu. Und denjenigen Landbebauern und Viehhaltern in des Königs Reich, die es benötigten, denen verabfolgte der König Samen und Futter; denjenigen Handeltreibenden in des Königs Reich, die es benötigten, denen verabfolgte der König Geld; denjenigen Beamten in des Königs Reich, die es benötigten, denen wies der König Kost und Sold an, und diese Menschen, ihren eigenen Geschäften nachgehend, schädigten dann des Königs Land nicht mehr, und groß wurde des Königs Schatz, befriedigt das Reich, frei, von Not und Bedrückung, und die Menschen, milde geworden, froh im Herzen, ließen die Kinder an ihrer Brust spielen und lebten sozusagen in unverschlossenen Häusern. Da nun, Brahmane, ließ König Maha-vijita den brahmanischen Hauspriester rufen und sprach so: Ausgerottet, Verehrter, ist das Räberunwesen. Der Rat des Verehrten ist befolgt worden, und groß ist mein Schatz geworden, befriedigt das Reich, frei von Not und Bedrückung, und die Menschen, milde geworden, froh im Herzen, lassen die Kinder an ihrer Brust spielen und leben sozusagen in unverschlossenen Häusern. Ich wünsche, Brahmane, das große Opfer zu bringen. Unterweisen möge mich der Verehrte, daß es mir für lange Zeit zum Heile, zum Segen gereichen möge.‘ So möge denn der königliche Herr die dem Reiche des königlichen Herrn angehörigen Adligen, sowohl die in der Stadt wie die auf dein Lande, rufen lassen; er möge die Räte und Beamten, sowohl die in der Stadt wie die auf dem Lande, rufen lassen; er möge die angesehenen Brahmanen, sowohl die in der Stadt wie die auf dem Lande, rufen lassen; er möge die gebildeten Haushaber, sowohl die in der Stadt wie die auf dem Lande, rufen lassen: Ich wünsche, Verehrte, das große Opfer zu bringen. Zustimmen mögen mir die Verehrten, so daß es mir für lange Zeit zum Heile, zum Segen gereichen möge.‘ ja, Verehrter‘, stimmte da, Brahmane, der König Maha-vijit dem brahmanen Hauspriester zu und ließ die seinen Reichen angehörigen Adligen, die Räte und Beamten, die angesehenen Brahmanen, die gebildeten Haushaber rufen: Ich wünsche, Verehrte, das große Opfer zu bringen. Zustimmen mögen mir die Verehrten, so daß es mir für lange Zeit zum Heile, zum Segen gereichen möge.‘ - Möge der königliche Herr das Opfer darbringen. Rechte Zeit für das Opfer ist es, Großkönig. So waren diese vier beistimmenden Körperschaften eben die Zierden dieses Opfers. König Maha-vijita war mit acht Stücken begabt: beiderseits wohlgeboren von Mutterseite wie Vaterseite, rein empfangen bis hinauf zur siebenten Großväter-Folge, fleckenlos, untadelig dem Stammbaum nach; von schöner Gestalt, ansehnlich, liebenswürdig, von vollendet blütenreiner Haut, Brahma gleichend, wie Brahma glänzend, eine Augenweide; reich, sehr begütert, sehr vermögend, überreichlich mit Gold und Silber, überreichlich mit Lebensunterhalt, überreichlich mit Gut und Eigentum versehen, vollgefüllt seine Schatzkammer; stark im Besitz des viergliedrigen Heeres, des treuen, seinen Befehlen nachkommenden, er überstrahlte sozusagen die Feinde durch seinen Ruhm; ein gläubiger Geber, ein Meister der Gabe, einer, der offene Tür hat, als Notstiller für Büßer und Brahmanen, für Arme, für Pilgrime, für Bettler und Bittende übte er Verdienste; vielerfahren in allem, was eben aus Erfahrung hervorgeht; er kannte durchaus den Sinn dieses oder jenes Satzes: Das ist der Sinn dieses Satzes, das ist der Sinn jenes Satzes; weise, erfahren, klug, fähig, Vergangenes, Zukünftiges, Gegenwärtiges seinem Sinn nach zu bedenken. Der König Maha-vijita war mit diesen acht Stücken begabt. Und auch diese acht Stücke waren eben die Zierden dieses Opfers. Der brahmanische Hauspriester war mit vier Stücken begabt-. beiderseits wohlgeboren von Mutterseite wie Vaterseite, rein empfangen bis hinauf zur siebenten Großviter-Folge, fleckenlos, untadelig dem Stammbaum nach; ein Gelehrter, bewandert in den Sprüchen, ein vollendeter Kenner der Drei-Veden, der religiösen Gesänge, samt den Wortverzeichnissen, den Silbenmaßen und den Legendenwerken fünftens, ein Wortkenner und Grammatiker, durchaus bewandert in Weltanschauungsfragen und in den Merkmalen des Großmenschen; züchtig, Zucht-beflissen, Zucht-vollendet; weise, erfahren, klug, der erste oder zweite von denen, die den Opferlöffel halten. Der brahmanische Hauspriester war mit diesen vier Stücken begabt. Und auch diese vier Stücke waren eben die Zierde dieses Opfers. Da nun, Brahmane, belehrte der brahmanische Hauspriester den König Maha-vijita vor dem Opfer über die dreifache Möglichkeit: Es könnte ja wohl sein, daß den königlichen Herrn bei seinem Bestreben, das große Opfer darzubringen, etwa derart Reue ankommen könnte: Wahrlich, ein großes Stück meines Vermögens wird mir dahingehen - oder: Wahrlich, ein großes Stück meines Vermögens geht mir dahin - oder: Wahrlich, ein großes Stück meines Vermögens ist mir dahingegangen - eine derartige Reue darf den königlichen Herrn nicht ankommen.‘ Und dieses, Brahmane, lehrte der brahmanische Hauspriester den König Maha-vijita vor dem Opfer als die dreifache Möglichkeit (der Vollendung). Und bei diesem Opfer, Brahmane, wurden keine Rinder geschlachtet, wurden keine Schafe und Ziegen geschlachtet, wurden keine Hühner und Schweine geschlachtet, nicht fielen da alle diese verschiedenen Lebewesen dem Geschlechter anheim. Nicht wurden da Bäume gefällt zu Opferpfosten. Nicht wurde heiliges Gras geschnitten zum Opfergras. Und was es da an Sklaven und Dienern und Arbeitern gab, die verrichteten ihre Arbeiten nicht aus Furcht vor dem Stock, aus Furcht vor der Strafe, nicht tränenbenetzten Antlitzes, weinend: die da nun willig waren, die arbeiteten; die da nicht willig waren, die arbeiteten nicht; wozu sie willig waren, das arbeiteten sie, wozu sie nicht willig waren, das arbeiteten sie nicht. Eben nur mit geklärter Butter, mit Sesam-Öl, mit frischer Butter, mit geronnener Milch, mit Honig, mit Zuckersaft wurde dieses Opfer ausgerichtet. So waren vier die beistimmenden Körperschaften, mit acht Stücken begabt war König Maha-vijita, mit vier Stücken begabt war der brahmanische Hauspriester und dreifach die Möglichkeit (der Vollendung).« Auf diese Worte hin riefen jene Brahmanen unter lautem Lärm, unter großem Lärm: »Ei, solch ein Opfer! Ei, solch eine Opfer-Vollendung!- Kutadanta aber, der Brahmane, saß schweigend da. Da nun sprachen jene Brahmanen zum Brahmanen Kutadanta so: »Warum nur preist nicht der Herr Kutadanta als wohlgesprochen, was der Büßer Gotama so wohl gesprochen hat?« »Nicht ja ist das so, daß ich das nicht preise als wohlgesprochen, was der Büßer Gotama so wohl gesprochen hat. Das Haupt müsste ja dem zerspringen, der das, was der Büßer Gotama so wohl gesprochen hat, nicht als wohlgesprochen preisen würde. Indessen, mir kommt da wahrlich der Gedanke: Der Büßer Gotama hat nicht gesagt: So habe ich es gehört‘ oder So kann das geschehen sein‘, sondern der Büßer Gotama hat ja geradezu gesagt: So ist das damals gewesen‘, Auf die Art ist das damals gewesen‘. Da kam mir, wahrlich, der Gedanke: Sicherlich ist der Büßer Gotama damals entweder König Maha-vijita gewesen, der Opferherr, oder der brahmanische Hauspriester, der Vollzieher dieses Opfers.‘ Bekennt der Herr Gotama wohl, daß er ein derartiges Opfer dargebracht hat oder hat darbringen lassen, und daß er beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode in himmlischer Welt aufgetaucht ist?« »Ich bekenne es, Brahmane, daß ich ein derartiges Opfer sowohl dargebracht habe, wie habe darbringen lassen, und daß ich beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode in himmlischer Welt aufgetaucht bin. Bei jener Gelegenheit freilich bin ich der brahmanische Hauspriester gewesen, der Vollzieher dieses Opfers.« »Gibt es aber. Herr Gotama, ein anderes Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als dieses dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer und lohnender und segensreicher?« »Es gibt, Brahmane, ein anderes Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als dieses dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer und lohnender und segensreicher.« »Was ist das aber, Herr Gotama, für ein Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als dieses dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer und lohnender und segensreicher?« »Was da, Brahmane, an immer wiederholten Gaben als familienmäßigen Opfern für zuchtvolle Weltentsager gegeben wird, das, Brahmane, ist ja ein Opfer, weniger umständlich, weniger mühevoll als das dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer und lohnender und segensreicher.« »Was, Herr Gotama, ist nun wohl der Grund, was ist die Ursache, daß diese immer wiederholte Gabe, dieses familienmäßige Opfer weniger umständlich, weniger mühevoll ist als das dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer und lohnender und segensreicher?« »Nicht ja, Brahmane, begeben sich zu einem derartigen Opfer Vollkommene oder solche, die den Weg zur Vollkommenheit betreten haben. Und warum das? Man sieht ja da, Brahmane, Stockschläge und rohe Gewalt. Daher begeben sich zu einem derartigen Opfer weder Vollkommene, noch solche, die den Weg zur Vollkommenheit betreten haben. Was da aber, Brahmane, an immer wiederholten Gaben als familienmäßigen Opfern für zuchtvolle Weltentsager gegeben wird, zu einem derartigen Opfer, Brahmane, begeben sich Vollkommene und solche, die den Weg zur Vollkommenheit betreten haben. Nicht, Brahmane, sieht man ja da Stockschläge und rohe Gewalt. Daher begeben sich zu einem derartigen Opfer Vollkommene und solche, die den Weg zur Vollkommenheit betreten haben. Und das, Brahmane, ist der Grund, das ist die Ursache, daß diese immer wiederholte Gabe, dieses familienmäßige Opfer weniger umständlich, weniger mühevoll ist als das dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer und lohnender und segensreicher.« »Gibt es aber, Herr Gotama, ein anderes Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als dieses dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer und als dieses immer wiederholte Geben, dieses familienmäßige Opfer und lohnender und segensreicher?« »Das gibt es, Brahmane. Wer da, Brahmane, für die aus allen Himmelsrichtungen zusammenkommende Gemeinde Behausung schafft, das, Brahmane, ist ein Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als dieses dreifach vollendete, sechzehnfach gezierte Opfer und als dieses immer wiederholte Geben, dieses familienmäßige Opfer und lohnender und segensreicher.« »Gibt es aber, Herr Gotama, ein anderes Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als diese Gabe der Behausung und lohnender und segensreicher?« - »Das gibt es, Brahmane; Wer da, Brahmane, reinen Herzens beim Buddha die Zuflucht nimmt, bei der Lehre die Zuflucht nimmt, bei der Mönchsgemeinde die Zuflucht nimmt, das, Brahmane, ist ein Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als diese Gabe der Behausung und lohnender und segensreicher.« »Gibt es aber, Herr Gotama, ein anderes Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als dieses Zufluchtnehmen und lohnender und segensreicher?« »Das gibt es, Brahmane. Wer da, Brahmane, reinen Herzens in den Übungen sich übt: der Lebensberaubung sich enthaltend, des Nehmens von Nichtgegebenem sich enthaltend, unreiner Lüste sich enthaltend, falscher Rede sich enthaltend, gegorener Getränke, berauschender und erschlaffender Dinge sich enthaltend - das, Brahmane, ist ein Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als dieses Zufluchtnehmen und lohnender und segensreicher.« »Gibt es aber, Herr Gotama, ein anderes Opfer, weniger umständlich und weniger mühevoll als diese Übungen und lohnender und segensreicher?« »Das gibt es, Brahmane. Da erscheint, Brahmane, der Vollendete in der Welt, der Verehrungswürdige, der Voll-Erwachte. Der zeigt die Lehre, die im Anfang gute, die in der Mitte gute, die im Ende gute, nach ihrem eigenen Sinn, nach ihrer eigenen Fassung; das ganz vollkommen geklärte Reinheitsleben verkündet er. Diese Lehre hört ein Haushaber oder der Sohn eines Haushabers oder einer, der in anderem guten Stand wiedergeboren ist. Nachdem der diese Lehre gehört hat, faßt er Vertrauen zum Vollendeten. Erfüllt von diesem Vertrauen, überlegt er so: Ein Gedränge ist das Hausleben, eine Schmutzgasse; der freie Weltenraum ist die Pilgerschaft. Nicht wohl ist es angängig, beim Leben im Hause das ganz vollendete, ganz geklärte, muschelblanke Reinheitsleben zu führen. Sollte ich nicht mir Haar und Bart scheren lassen, die dunkelgelben Gewänder anlegen und aus dem Haus in die Hauslosigkeit hinausziehen?‘ Der läßt sich dann nach einiger Zeit, nachdem er ein kleines Besitztum aufgegeben hat oder ein großes Besitztum aufgegeben hat, nachdem er einen kleinen Verwandtenkreis aufgegeben hat oder einen großen Verwandtenkreis aufgegeben hat, Haar und Bart scheren, legt die dunkelgelben Gewänder an und geht aus dem Haus in die Hauslosigkeit hinaus. So hinausgezogen, lebt er dann in edler Zucht, in edler Vertiefung, in edler Weisheit, und er erkennt: Vernichtet ist Geburt, ausgelebt das Reinheitsleben, vollbracht die Aufgabe, nichts weiteres mehr nach diesem hier.‘ Dieses Opfer, Brahmane, ist weniger umständlich und weniger mühselig als die früheren Opfer und lohnender und segensreicher. Und eine Opfervollendung, erhabener und vollkommener als diese, gibt es nicht.« Auf diese Worte hin sprach der Brahmane Kutadanta so: »Vortrefflich, Herr Gotama, vortrefflich, Herr Gotama! Wie wenn einer, Herr Gotama, Umgestürztes wieder aufrichtete oder Zugedecktes öffnete oder einem Verirrten den Weg zeigte oder eine Lampe in der Dunkelheit hielte: die da Augen haben, werden die Dinge sehen - ebenso ist vom Herrn Gotama auf mannigfache Weise die Lehre gezeigt worden. So nehme ich beim Herrn Gotama die Zuflucht, bei der Lehre und bei der Mönchsgemeinde. Als Anhänger möge der Herr Gotama mich halten, als einen, der von heute ab für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat. Und die siebenhundert Stiere, die siebenhundert Ochsen, die siebenhundert Kühe, die siebenhundert Ziegen, die siebenhundert Widder - ich schenke ihnen das Leben. Grüne Gräser mögen sie fressen, kühle Wässer mögen sie trinken, und kühl mag sie der Wind umwehen.« Da nun begann der Erhabene mit dem Brahmanen Kutadanta das Gespräch in der üblichen Reihenfolge: nämlich das Gespräch über das Geben, das Gespräch über die Zucht, das Gespräch über Himmelsleben; das Elend der Lüste, ihre Eitelkeit, ihren Schmutz, das Segensreiche im Entsagen zeigte er, Sobald der Erhabene erkannte, daß der Brahmane Kutadanta im Geiste geschickt, im Geiste geschmeidig, im Geiste enthemmt, im Geiste erheitert war, da zeigte er die Lehre, die alle Buddhas auszeichnet: Leiden, Entstehung, Vernichtung, Weg. Und gleichwie da ein reines Gewand, ein fleckenfreies, in ganz vollkommener Weise die Farbe annimmt, ebenso ging dem Brahmanen Kutadanta auf diesem selbigen Sitze das reine, fleckenlose Auge der Lehre auf: Was immer auch dem Entstehen unterworfen ist, alles das ist auch dem Vergehen unterworfen. Nachdem nun der Erhabene den seitwärts sitzenden Brahmanen Kutadanta in belehrendem Gespräch unterwiesen angeregt, bestärkt, erheitert hatte, erhob er sich von seinem Sitz und ging fort. Digha-Nikaya

 

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