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Lehrreden des Buddha

POTALIYA-SUTTA

DIE LEHRREDE AN POTALIYA

SO HABF ICH GEHÖRT: Einstmals weilte der Erhabene bei den Anguttarapern, bei einer Stadt der Anguttaraper namens Apana. Da nun ging der Erhabene, nachdem er sich zur Morgenzeit angekleidet und Obergewand und die Almosenschale genommen hatte, nach Apana auf den Almosengang. Nachdem er in Apana den Almosengang beendet hatte, nach dem Mahle, vom Almosengang zurückgekehrt, begab er sich in ein Walddickicht, um den Tag über zu verweilen. Nachdem er nun in dieses Walddickicht eingetreten war, ließ er sich am Fuß eines Baumes nieder. Und auch der Haushaber Potaliya, vollständig gekleidet in Ober- und Untergewand, mit Schirm und Sandalen auf einem Spaziergang lustwandelnd, sich ergehend, begab sich zu jenem Walddickicht. Nachdem er jenes Walddickicht betreten hatte; begab er sich zum Erhabenen. Dort angelangt, begrüßte er sich mit dem Erhabenen und stellte sich nach den üblichen Begrüßungsworten seitwärts. Zu dem seitwärts stehenden Haushaber Potaliya sprach der Erhabene so: »Es gibt da, Haushaber, Sitze. Wenn du Lust hast, setze dich.« Auf diese Worte hin (dachte) der Haushaber Potaliya: »Mit dem Titel Haushaber‘ redet der Mönch Gotama mich an.« Und ärgerlich und unzufrieden schwieg er still. Und zum zweitenmal sprach der Erhabene zum Haushaber Potaliya so: »Es gibt da, Haushaber, Sitze. Wenn du Lust hast, setze dich.« Und zum zweitenmal (dachte) der Haushaber Potaliya: »Mit dem Titel Haushaber‘ redet der Mönch Gotama mich an.« Und ärgerlich und unzufrieden schwieg er still. Und zum drittenmal sprach der Erhabene zum Haushaber Potaliya so: »Es gibt da, Haushaber, Sitze. Wenn du Lust hast, setze dich.« Auf diese Worte hin (dachte) der Haushaber Potaliya: »Mit dem Titel Haushaber‘ redet der Mönch Gotama mich an.« Und ärgerlich und unzufrieden sprach er zum Erhabenen so: -Das ist, verehrter Gotarna, nicht schicklich, das ist nicht angemessen, daß du mich mit dem Titel Haushaber‘ anredest.« »jene Zeichen, Haushaber, jene Unterschiede, jene Merkmale besitzest du, wie sie dem Haushaber zukommen.« »Tatsächlich habe ‚ich aber, verehrter Gotama, jede Tätigkeit verworfen, alles Berufsmäßige abgeschnitten.« »Wie denn aber, Haushaber, hast du jede Tätigkeit verworfen, alles Berufsmäßige abgeschnitten?« -Da habe ich, verehrter Gotama, was ich an Gut oder an Getreide, an Silber oder an Gold hatte, den Kindern als Erbschaft zurückgegeben. So lebe ich, ohne zu ermahnen, ohne zu tadeln, allerhöchstens auf Nahrung und Notdurft (mich beschränkend). So, verehrter Gotama, habe ich jede Tätigkeit verworfen, alles Berufsmäßige abgeschnitten.« »In anderer Weise sprichst du, Haushaber, vom Abschneiden alles Berufsmäßigen; in anderer Weise findet in der Ordnung des Edlen das Abschneiden alles Berufsmäßigen statt.« »Wie denn aber, o Herr, findet in der Ordnung des Edlen das Abschneiden alles Berufsmäßigen statt? Dankenswert wäre es, wenn, o Herr, der Erhabene die Lehre mir dahin zeigen wollte, wie in der Ordnung des Edlen das Abschneiden alles Berufsmäßigen stattfindet.« »So höre denn, Haushaber! Achte wohl auf! Ich werde reden.« -ja, o Herr!« antwortete da der Haushaber Potaliya dem Erhabenen. Der Erhabene sprach so: »Diese acht Dinge, Haushaber, führen in der Ordnung des Edlen zum Abschneiden alles Berufsmäßigen. Welche acht? Gestützt auf Nichtberaubung des Lebens, ist Lebensberaubung aufzugeben; gestützt auf das Nehmen von Gegebenem, ist das Nehmen von Nichtgegebenem aufzugeben; gestützt auf wahrhafte Rede, ist falsche Rede aufzugeben; gestützt auf nicht-verleumderische Rede, ist verleumderische Rede aufzugeben; gestützt auf Nicht-Lustgier, ist Lustgier aufzugeben; gestützt auf Nicht-Tadeln und -Zanken, ist Tadeln und Zanken aufzugeben; gestützt auf Nicht-Wüten und -Verzweifeln, ist Wut und Verzweiflung aufzugeben; gestützt auf Nicht-Dünkel, ist der Dünkel aufzugeben. Diese acht Dinge, Haushaber, in Kürze dargestellt, nicht ausführlich erklärt, führen in der Ordnung des Edlen zum Abschneiden alles Berufsmäßigen.« »Diese acht Dinge, o Herr, die da, vom Erhabenen in Kürze dargestellt, nicht ausführlich erklärt, zum Abschneiden alles Berufsmäßigen führen - dankenswert wäre es, o Herr, wenn der Erhabene mir diese acht Dinge ausführlich erklären wollte, aus Mitleid.« »So höre denn, Haushaber! Achte wohl auf! Ich werde reden.« »ja, o Herr!« antwortete da der Haushaber Potaliya dem Erhabenen. Der Erhabene sprach so: »Gestützt auf Nichtberaubung des Lebens, ist Lebensberaubung aufzugeben - so wurde dieses gesagt. Und aus welchem Grunde wurde das gesagt? Da, Haushaber, überlegt ein Hörer des Edlen so: Die Fesseln, um deren willen ich ein Lebensberauber wäre - der Lösung, der Abschneidung dieser Fesseln befleißige ich mich. Denn wenn ich selber ein Lebensberauber wäre, dann würde ich selber mich tadeln der Lebensberaubung wegen; mit Bedacht würden Verständige mich tadeln der Lebensberaubung wegen; beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode wäre üble Fährte zu erwarten der Lebensberaubung wegen.‘ Eben dieses aber ist die Fessel, dieses das Hindernis; nämlich: die Lebensberaubung. Was da aber auf Grund der Lebensberaubung für Triebe entstehen würden, schmerzlich-quälende, solche schmerzlich-quälenden Triebe gibt es für den der Lebensberaubung sich Enthaltenden nicht. Gestützt auf Nichtberaubung des Lebens, ist Lebensberaubung aufzugeben - was da so gesagt wurde, das wurde um dieses willen gesagt. Gestützt auf das Nehmen von Gegebenem, ist das Nehmen von Nichtgegebenem aufzugeben - so wurde dieses gesagt. Und aus welchem Grunde wurde das gesagt? Da, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Die Fesseln, um deren willen ich ein Nehmer von Nichtgegebenem wäre - der Lösung, der Abschneidung dieser Fesseln befleißige ich mich. Denn, wenn ich selber ein Nehmer von Nichtgegebenem wäre, dann würde ich selber mich tadeln des Nehmens von Nichtgegebenem wegen; mit Bedacht würden Verständige mich tadeln des Nehmens von Nichtgegebenem wegen; beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode wäre üble Fährte zu erwarten des Nehmens von Nichtgegebenern wegen.‘ Eben dieses aber ist die Fessel, dieses das Hindernis, nämlich: das Nehmen von Nichtgegebenem. Was da aber auf Grund des Nehmens von Nichtgegebenem für Triebe entstehen würden, schmerzlich-quälende, solche schmerzlich-quälenden Triebe gibt es für den des Nehmens von Nichtgegebenem sich Enthaltenden nicht. Gestützt auf das Nehmen von Gegebenem, ist das Nehmen von Nichtgegebenem aufzugeben - was da so gesagt wurde, das wurde um dieses willen gesagt. Gestützt auf wahrhafte Rede, ist falsche Rede aufzugeben - so wurde dieses gesagt. Und aus welchem Grunde wurde das gesagt? Da, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Die Fesseln, um deren willen ich eine falsche Rede Führender wäre - der Lösung, der Abschneidung dieser Fesseln befleißige ich mich. Denn wenn ich selber eine falsche Rede Führender wäre, dann würde ich selber mich tadeln der falschen Rede wegen; mit Bedacht würden Verständige mich tadeln der falschen Rede wegen; beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode wäre üble Fährte zu erwarten der falschen Rede wegen.‘ Eben dieses aber ist die Fessel, dieses das Hindernis, nämlich: die falsche Rede. Was da aber auf Grund der falschen Rede für Triebe entstehen wurden, schmerzlich-quälende, solche schmerzlich-quälenden Triebe gibt es für den der falschen Rede sich Enthaltenden nicht. Gestützt auf wahrhafte Rede, ist falsche Rede aufzugeben - was da so gesagt wurde, das wurde um dieses willen gesagt. Gestützt auf nicht-verleumderische Rede ist verleumderische Rede aufzugeben - so wurde dieses gesagt. Und aus welchem Grunde wurde das gesagt? Da, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Die Fesseln, um deren willen ich ein Verleumdet wäre der Lösung, der Abschneidung dieser Fesseln befleißige ich mich. Denn wenn ich selber ein Verleumdet wäre, dann würde ich selber mich tadeln der verleumderischen Rede wegen; mit Bedacht würden Verständige mich tadeln der verleumderischen Rede wegen; beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode wäre üble Fährte zu erwarten der verleumderischen Rede wegen.‘ Eben dieses aber ist die Fessel, dieses das Hindernis, nämlich: die verleumderische Rede. Was da aber auf Grund der verleumderischen Rede für Triebe entstehen würden, schmerzlichquälende, solche schmerzlich-quälenden Triebe gibt es für den der verleumderischen Rede sich Enthaltenden nicht. Gestützt auf nicht-verleumderische Rede, ist verleumderische Rede aufzugeben - was da so gesagt wurde, das wurde um dieses willen gesagt. Gestützt auf Nicht-Lustgier, ist Lustgier aufzugeben - so wurde dieses gesagt. Und aus welchem Grunde wurde das gesagt? Da, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Die Fesseln, um deren willen ich ein Lustgieriger wäre - der Lösung, der Abschneidung dieser Fesseln befleißige ich mich. Denn wenn ich selber ein Lustgieriger wäre, dann würde ich selber mich tadeln der Lustgier wegen; mit Bedacht würden Verständige mich tadeln der Lustgier wegen; beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode wäre üble Fährte zu erwarten der Lustgier wegen.‘ Eben dieses aber ist die Fessel, dieses das Hindernis, nämlich: die Lustgier. Was da aber auf Grund der Lustgier für Triebe entstehen würden, schmerzlich-quälende, solche schmerzlich-quälenden Triebe gibt es für den Lustgier-Freien nicht. Gestützt auf Nicht-Lustgier, ist Lustgier aufzugeben - was da so gesagt wurde, das wurde um dieses willen gesagt. Gestützt auf Nicht-Tadeln und -Zanken, ist Tadeln und Zanken aufzugeben - so wurde dieses gesagt. Und aus welchem Grunde wurde das gesagt? Da, Haushaber, überlegt ein Hörer des Edlen so: Die Fesseln, um deren willen ich ein Tadler und Zanker wäre - der Lösung und Abschneidung dieser Fesseln befleißige ich mich. Denn wenn ich selber ein Tadler und Zanker wäre, so würde ich selber mich tadeln des Tadelns und Zankens wegen; mit Bedacht würden midi Verständige tadeln des Tadelns und Zankens wegen; beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode wäre üble Fährte zu erwarten des Tadelns und Zankens wegen.‘ Eben dieses aber ist die Fessel, dieses das Hindernis, nämlich: das Tadeln und Zanken. Was da aber auf Grund des Tadelns und Zankens für Triebe entstehen würden, schmerzlich-quälende, solche schmerzlich-quälenden Triebe gibt es für den Tadel- und Zank-freien nicht. Gestützt auf Nicht-Tadeln und -Zanken ist Tadeln und Zanken aufzugeben - was da so gesagt wurde, das wurde um dieses willen gesagt. Gestützt auf Nicht-Wüten und -Verzweifeln, ist Wüten und Verzweifeln aufzugeben - so wurde dieses gesagt. Und aus welchem Grunde wurde das gesagt? Da, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so? Die Fesseln, um deren willen ich ein Wütender und Verzweifelnder wäre - der Lösung, der Abschneidung dieser Fesseln befleißige ich mich. Denn wenn ich selber ein Wütender und Verzweifelnder wäre, so würde ich midi selber tadeln des Wütens und Verzweifelns wegen; mit Bedacht würden midi Verständige tadeln des Wütens und Verzweifelns wegen; beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode wäre üble Fährte zu erwarten des Wütens und Verzweifelns wegen.‘ Eben dieses aber ist die Fessel, dieses das Hindernis, nämlich: das Wüten und Verzweifeln. Was da aber auf Grund des Wütens und Verzweifelns für Triebe entstehen werden schmerzlich-quälende, solche schmärzlich-quälenden Triebe gibt es für den Wut- und Verzweiflungs-Freien nicht. Gestützt auf Nicht-Wüten und -Verzweifeln, ist Wüten und Verzweifeln aufzugeben - was da so gesagt wurde, das wurde um dieses willen gesagt. Gestützt auf Nicht-Dünkel, ist der Dünkel aufzugeben - so wurde dieses gesagt. Und aus welchem Grunde wurde das gesagt? Da, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Die Fesseln, um deren willen ich ein Dünkelhafter wäre der Lösung, der Abschneidung dieser Fesseln befleißige ich mich. Denn wenn ich selber ein Dünkelhafter wäre, so würde ich mich selber tadeln des Dünkels wegen: mit Bedacht würden mich Verständige tadeln des Dünkels wegen; beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode wäre üble Fährte zu erwarten des Dünkels wegen.‘ Eben dieses aber ist die Fessel dieses das Hindernis, nämlich: der Dünkel. Was da aber auf Grund des Dünkels für Triebe entstehen würden, schmerzlich-quälende, solche schmerzlich-quälenden Triebe gibt es für den Dünkel-Freien nicht. Gestützt auf Nicht-Dünkel, ist der Dünkel aufzugeben - was da so gesagt wurde, das wurde um dieses willen gesagt. Diese acht Dinge, Haushaber, in Kürze dargestellt und ausführlich erklärt, sind es, die da in der Ordnung des Edlen zum Abschneiden alles Berufsmäßigen führen. Nicht aber nur insoweit findet in der Ordnung des Edlen völlig und vollständig das Abschneiden alles Berufsmäßigen statt.« »Inwiefern aber, 0 Herr, findet in der Ordnung des Edlen völlig und vollständig das Abschneiden des Berufsmäßigen statt? Dankenswert wäre es, o Herr, wenn der Erhabene mir in der Art der Lehre zeigen wollte, wie in der Ordnung des Edlen völlig und vollständig das Abschneiden des Berufsmäßigen stattfindet.« »So höre denn, Haushaber! Achte wohl auf! Ich werde reden.« »ja, Herr!« antwortete da der Haushaber Potaliya dem Erhabenen. Der Erhabene sprach so: »Gleich als wenn, Haushaber, ein Gassenhund, durch Hunger von Schwäche überwältigt vor dem Hause eines Kuhschlächters auf der Lauer steht; dem würfe ein geschickter Kuhschlächter oder Kuhschlächtergeselle einen bloßen Knochen hin, kahl und leer, fleischlos, blutbeschmutzt - was meinst du wohl, Haushaber: Könnte dieser Gassenhund wohl, wenn er jenen bloßen Knochen, den kahlen, leeren, fleischlosen, blutbeschmutzten, benagte, Hunger und Schwäche überkommen?« »Das nicht, o Herr! Und aus welchem Grunde? Jener bloße Knochen, o Herr, ist ja kahl und leer, fleischlos, blutbesdunutzt. In Anbetracht dessen würde dieser Hund dann auch nur der Mühe und des Verdrusses teilhaftig werden.« »Ebenso auch, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Bloßen Knochen vergleichbar sind die Lüste vom Erhabenen genannt worden, voll von Leiden, voll von Verzweiflung. Leiden ist mehr daran‘, so erkennt er wirklichkeitsgemäß, mit vollendeter Weisheit; und jene Art des Gleichmuts, die vielartig ist, aufs Vielartige ausgeht, die weist er ab, und jene Art des Gleichmuts, die einartig ist, aufs Einartige ausgeht, wo gänzlich die Weltlust-Haftungen restlos zugrunde gehen - eben den Gleichmut pflegt er. Gleich als wenn, Haushaber, ein Geier oder ein Reiher oder ein Falke ein Stück Fleisch fortrisse - den verfolgten dann andere Geier und Reiher und Falken und zerrten ihn im Verfolgen hin und her - was meinst du wohl, Haushaber: Wenn dieser Geier oder Reiher oder Falke dieses Stück Fleisch nicht eiligst fahren ließe, würde er dann infolge davon den Tod erleiden oder tödlichen Schmerz?« »ja, o Herr!« »Ebenso auch, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Fleischstücken vergleichbar sind die Lüste vom Erhabenen ‚genannt worden, voll von Leiden, voll von Verzweiflung. Leiden ist mehr daran‘, so erkennt er wirklichkeitsgemäß, mit vollendeter Weisheit; und jene Art des Gleichmuts, die vielartig ist, aufs Vielartige ausgeht, die weist er ab, und jene Art des Gleichmuts, die einartig ist, aufs Einartige ausgeht, wo gänzlich die Weltlust-Haftungen restlos zugrunde gehen - eben den Gleichmut pflegt er. Gleich als wenn, Haushaber, ein Mensch mit einer brennenden Grasfackel Wind entgegen ginge - was meinst du wohl, Haushaber- Wenn dieser Mensch diese brennende Grasfackel nicht eiligst fahren ließe, würde ihm da diese brennende Grasfackel die Hand verbrennen oder den Arm verbrennen oder ein anderes größeres oder kleineres Glied verbrennen, und würde er infolge davon den Tod erleiden oder tödlichen Schmerz?« »ja, o Herr!« »Ebenso auch, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Grasfackeln vergleichbar sind die Lüste vom Erhabenen genannt worden, voll von Leiden, voll von Verzweiflung. Leiden ist mehr daran‘, so erkennt er wirklichkeitsgemäß, mit vollendeter Weisheit; und jene Art des Gleichmuts, die vielartig ist, aufs Vielartige ausgeht, die weist er ab, und jene Art des Gleichmuts, die einartig ist, aufs Einartige ausgeht, wo gänzlich die Weltlust-Haftungen restlos zugrunde gehen eben den Gleichmut pflegt er. Gleich als wenn, Haushaber, da eine Kohlengrube wäre von über Mannshöhe, voll von Kohlen, ganz glühend, ohne Rauch; da käme nun ein Mensch heran, der zu leben begehrt, der nicht zu sterben begehrt, der Glück begehrt, der sich dem Leid widersetzt - den ergriffen zwei starke Männer, jeder gesondert an den Armen und zerrten ihn in die Kohlengrube hinein - was meinst du wohl, Haushaber: Wird wohl jener Mensch auf alle mögliche Weise den Körper winden?« »ja, o Herr! Und aus welchem Grunde? Es wird, o Herr, dem Menschen ja klar: Wenn ich in diese Kohlengrube hineinfalle, so erleide ich infolge davon den Tod oder tödlichen Schmerz.« »Ebenso auch, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so. Kohlengruben vergleichbar sind die Lüste vom Erhabenen genannt worden, voll von Leiden, voll von Verzweiflung. Leiden ist mehr daran‘, so erkennt er wirklichkeitsgemäß, mit vollendeter Weisheit; und jene Art des Gleichmuts, die vielartig ist, aufs Vielartige ausgeht, die weist er ab, und jene Art des Gleichmuts, die einartig ist, aufs Einartige ausgeht, wo gänzlich die Weltlust-Haftungen restlos zugrunde gehen -eben den Gleichmut pflegt er. Gleich als wenn, Haushaber, ein Mensch ein Traumbild schaute- einen entzückenden Garten, einen entzückenden Waldpark, einen entzückenden Erdenfleck, einen entzückenden Lotussee, der würde, wieder erwacht, gar nichts schauen; ebenso auch, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Traumbildern vergleichbar sind die Lüste vom Erhabenen genannt worden, voll von Leiden, voll von Verzweiflung. Leiden ist mehr daran‘, so erkennt er wirklichkeitsgemäß, mit vollendeter Weisheit, und jene Art des Gleichmuts, die vielartig ist, aufs Vielartige ausgeht, die weist er ab, und jene Art des Gleichmuts, die einartig ist, aufs Einartige ausgeht, wo gänzlich die Weltlust-Haftungen zugrunde gehen - eben den Gleichmut pflegt er. Gleich als wenn, Haushaber, ein Mensch entliehenes Gut nähme und einen Wagen füllte mit ausgesuchtem Schmuck und Edelsteinen; der begäbe sich dann mit diesem geliehenen Gut geschmückt, beladen auf den Bazar. Wenn den das Volk sähe, würde es sagen: Begütert, wahrlich, ist dieser Mensch; so in der Tat genießen Begüterte die Güter.‘ Dem würden dann die Eigentümer, wo sie ihn gerade gesehen hätten, ihr Eigentum abnehmen. Was meinst du wohl, Haushaber: Würde das bei diesem Manne genügen, um ihn außer Fassung zu bringen?« »ja, o Herr! Und aus welchem Grunde? Die Eigentümer, o Herr, nehmen ja ihr Eigentum zurück.« »Ebenso auch, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Geliehenem vergleichbar sind die Lüste vom Erhabenen genannt worden, voll von Leiden, voll von Verzweiflung. Leiden ist mehr daran‘, so erkennt er wirklichkeitsgemäß, mit vollendeter Weisheit; und jene Art des Gleichmuts, die vielartig ist, aufs Vielartige ausgeht, die weist er ab, und jene Art des Gleichmuts, die einartig ist, aufs Einartige ausgeht, wo gänzlich die Weltlust-Haftungen zugrunde gehen - eben den Gleichmut pflegt er. Gleich als wenn, Haushaber, nicht fern von einem Dorfe oder einer Stadt ein wildes Walddickicht wäre, da wäre ein Baum voll von Früchten, dicht besetzt mit Früchten, und nichts von den Früchten wäre zur Erde gefallen. Da käme ein Mensch heran, der Früchte begehrt, der Früchte sucht, der auf Früchte ausgeht. Der betrete nun jenes Walddickicht und sähe jenen Baum voll von Früchten, dicht besetzt mit Früchten. Dem käme der Gedanke -. Dieser Baum da ist voll von Früchten, dicht besetzt mit Früchten, und nichts von den Früchten ist zur Erde gefallen. Aber, ich verstehe einen Baum zu besteigen. Sollte ich nun nicht diesen Baum besteigen, davon essen, soviel mir beliebt, und den Lendenschurz damit füllen?‘ Der bestiege dann diesen Baum, äße, soviel ihm beliebt, und füllte den Lendenschurz. Aber ein zweiter Mensch käme heran, der Früchte begehrt, der Früchte sucht, der auf die Fruchtsuche ausgeht, mit einer scharfen Axt versehen. Der beträte dann jenes Walddickicht, sähe jenen Baum, voll von Früchten, dicht besetzt mit Früchten, und ihm käme der Gedanke: Dieser Baum ist voll von Früchten, dicht besetzt mit Früchten, und nichts von den Früchten ist auf die Erde gefallen. Ich verstehe aber nicht, einen Baum zu besteigen; sollte ich nun nicht diesen Baum an der Wurzel fällen, essen, soviel mir beliebt, und den Lendenschurz füllen?‘ Der würde dann diesen Baum an der Wurzel fällen. Was meinst du wohl, Haushaber: jener Mensch, der da zuerst den Baum bestiegen hätte, wenn der nicht schleunigst herabstiege, Würde ihm der fallende Baum die Hand zerbrechen oder den Fuß zerbrechen oder irgend ein anderes größeres oder kleineres Glied zerbrechen und er infolge davon den Tod erleiden oder tödlichen Schmerz?« »ja, o Herr!« »Ebenso auch, Haushaber, überlegt der Hörer des Edlen so: Baumfrüchten vergleichbar sind die Lüste vom Erhabenen genannt worden, voll von Leiden, voll von Verzweiflung. Leiden ist mehr daran‘, so erkennt er wirklichkeitsgemäß, mit vollendeter Weisheit; und jene Art des Gleichmuts, die vielartig ist, aufs Vielartige ausgeht, die weist er ab, und jene Art des Gleichmuts, die einartig ist, aufs Einartige ausgeht, wo gänzlich die Weltlust-Haftungen zugrunde gehen - eben den Gleichmut pflegt er. Der Hörer des Edlen, Haushaber, der da diese unvergleichliche Klärung in Gleichmut und Verinnerlichung erreicht hat, der erinnert sich auf verschiedenartige Weise der früheren Aufenthaltsorte, nämlich: an eine Geburt, an zwei Geburten, an drei Geburten, an vier Geburten, an fünf Geburten, an zehn Geburten, an zwanzig Geburten, an dreißig Geburten, an vierzig Geburten, an fünfzig Geburten, an hundert Geburten, an tausend Geburten, an hunderttausend Geburten, an mehrere Perioden des Weltschrumpfens, an mehrere Perioden des Welterblühens, an mehrere Perioden des Weltschrumpfens-Welterblühens: Dort hatte ich solchen Namen, solches Geschlecht, solche Kaste, solchen Lebensunterhalt, so erlebte ich Freudiges und Leidiges, so war mein Lebensende. Von da entschwunden, tauchte ich dort wieder auf; dort hatte ich dann solchen Namen, solches Geschlecht, solche Kaste, solchen Lebensunterhalt, so erlebte ich Freudiges und Leidiges, so war mein Lebensende; von da entschwunden, bin ich hier wieder aufgetaucht.‘ Nach Inhalt und Örtlichkeit erinnert er sich so in verschiedener Weise der früheren Aufenthaltsorte. Der Hörer des Edlen, Haushaber, der diese unvergleichliche Klärung in Gleichmut und Verinnerlichung erreicht hat, der sieht mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, dem Menschliches übersteigenden, die Wesen, wie sie entschwinden, wieder auftauchen, gemeine und feine, schöne und häßliche, glückliche und unglückliche, er erkennt die Wesen, wie sie gemäß dem Wirken ins Leben treten: Wahrlich, diese verehrten Wesen, die da in Taten schechten Lebenswandel führen, die da in Worten schlechten Lebenswandel führen, die da in Gedanken schlechten Lebenswandel führen, die da Schmäher der Edlen sind, die da falscher Ansicht anhängen und die Folgen falscher Ansicht erfahren, die tauchen beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode in Elend, in Unglück, in einem gesunkenen, höllischen Zustand wieder auf; wahrlich, diese verehrten Wesen, die da in Taten guten Lebenswandel führen, die da in Worten guten Lebenswandel führen, die da in Gedanken guten Lebenswandel führen, die da nicht Schmäher der Edlen sind die da rechter Ansicht anhängen und die Folgen rechter Ansicht erfahren, die tauchen beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode in einer glücklichen, himmlischen Weit auf.‘ So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, dem Menschliches übersteigenden, die Wesen, wie sie entschwinden, wieder auftauchen, gemeine und feine, schöne und häßliche, glückliche und unglückliche; er erkennt die Wesen, wie sie gemäß dem Wirken ins Leben treten. Der Hörer des Edlen, Haushaber, der diese unvergleichliche Klärung in Gleichmut und Verinnerlichung erreicht hat, der weilt, nach dem Schwinden der Triebe, im Besitz der triebfreien Gedankenbefreiung, Weisheitsbefreiung schon in diesem Dasein, nachdem er sie aus sich selber unmittelbar begriffen und verwirklicht hat. Insofern nun, Haushaber, findet in der Ordnung des Edlen völlig und vollständig die Abschneidung alles Berufsmäßigen statt. Was meinst du wohl, Haushaber: Wie da in der Ordnung des Edlen völlig und vollständig das Abscheiden des Berufsmäßigen stattfindet, nimmst du wohl ein derartiges Abschneiden des Berufsmäßigen bei dir selber wahr?« »Was bin ich, o Herr, und was ist das völlige und vollständige Abschneiden des Berufsmißigen im Orden des Edlen? Gar fern, o Herr, bin ich von dem völligen und vollständigen Abschneiden des Berufsmäßigen, wie es in der Ordnung des Edlen stattfindet. Wir, o Herr, haben früher die Wandermönche anderer Sekten und unedle Büßer für edel gehalten, oder wir haben unedle Büßer mit einem Edlen gebührenden Mahl bewirtet, oder wir haben unedle Büßer an Edlen gebührende Stelle gesetzt; die Mönche hingegen, o Herr, oder edle Büßer haben wir für unedel gehalten, oder edle Büßer haben wir mit Unedlen gebührendem Mahl bewirtet, oder edle Büßer haben wir an Unedlen gebührende Stelle gesetzt. jetzt aber, o Herr, werden wir die Wandermönche anderer Sekten oder unedle Büßer als unedel erkennen, werden wir unedle Büßer mit Unedlen gebührendem Mahl bewirten, werden wir unedle Büßer an Unedlen gebührende Stelle setzen; die Mönche aber, o Herr, oder edle Büßer werden wir als edel erkennen, edle Büßer werden wir mit Edlen gebührendem Mahl bewirten; edle Büßer werden wir an Edlen gebührende Stelle setzen. Entstehen lassen, wahrlich, hat mir, o Herr, der Erhabene zu den Büßern Büßerliebe, zu den Büßern Büßerbehagen, zu den Büßern Büßerehrfurcht. Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleich als wenn man, o Herr, Umgestürztes wieder aufrichtete oder Verdecktes aufdeckte oder einem Verirrten den Weg zeigte oder eine Lampe in der Dunkelheit hielte: die da Augen haben, werden die Dinge sehen ebenso ist vom Erhabenen auf mannigfache Weise die Lebte gezeigt worden. So nehme ich, o Herr, beim Erhabenen die Zuflucht, bei der Lehre und bei der Mönchsgemeinde. Als Anhänger möge der Erhabene mich nehmen, als einen, der von heute ab für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat.« Maji@-N@ya

 

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