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Lehrreden des Buddha

SONADANDA-SUTTA

DIE LEHRREDE AN SONADANDA

SO HABE ICH GEHÖRT: Einstmals war der Erhabene im Lande der Anga auf der Wanderschaft zusammen mit einer großen Mönchsgemeinde, mit fünfhundert Mönchen, und kam nach Campa. Und es weilte da der Erhabene am Ufer des Gaggara-Sees. Zu jener Zeit nun wohnte der Brahmane Sonadanda in Campa ein reich belebter Ort, reich an Weide, Wald und Wasser, reich an Getreide, ein königlicher Besitz, vom Magadha-König Seniya Bimbisara als Königsgabe, als Großschenkung ihm zu eigen gegeben. Und es hörten die Brahmanen und Haushaber von Campa: »Der Büßer Gotama, wahrlich, der Sakya-Sproß, der den Sakya-Adel mit der Büßerschaft vertauscht hat, wandert im Lande der Anga mit einer großen Mönchsgemeinde, zusammen mit fünfhundert Mönchen, und ist in Campa angekommen, weilt am Ufer des Gaggara-Sees. Diesen Gotama aber, den Erhabenen, umgeht solch hoher Ruhmesruf: Wahrlich, das ist der Erhabene, der Verehrungswürdige, der Voll-Erwachte, der in Wissen und Waindel Vollkommene, der Wegesmächtige, der Weltkenner, der unvergleichliche Lenker des Menschengespanns, der Lehrer der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‘ Der kündet diese Welt samt der Götterwelt, der Mara-Welt, der Brahma-Welt; er kündet alles Geborene samt Büßern und Brahmanen, samt Göttern und Menschen als einer, der es selber unmittelbar erkannt und verwirklicht hat. Der zeigt die Lehre, die im Anfang gute, die in der Mitte gute, die am Ende gute, nach ihrem eigenen Sinn, nach ihrer eigenen Fassung; das ganz vollkommene, geklärte Reinheitsleben verkündet er. Und heilvoll ist der Anblick solcher Verehrungswürdigen.« Da nun verließen die Brahmanen und Haushaber von Campa ihre Stadt und begaben sich in Mengen, massenhaft, zu Scharen zusammengetan, zum Gaggara-See. Zu jener Zeit nun befand sich der Brahmane Sonadanda im Obergeschoß seines Hauses, um dort über Tag zu ruhen. Und es sah der Brahmane Sonadanda die Brahmanen und Haushaber von Campa, wie sie die Stadt verließen und in Mengen, massenhaft, zu Scharen zusammengetan, zum Gaggara-See sich begaben, und sprach daraufhin zum Torhüter: »Warum denn nur, Torhüter, verlassen die Brahmanen und Haushaber von Campa die Stadt und ziehen in Mengen, massenhaft, zu Scharen zusammengetan, zum Gaggara-See?« »Es ist ja der Büßer Gotama da, der Sakya-Sproß, der den Sakya-Adel mit der Büßerschaft vertauscht hat. Im Lande der Anga ist er auf der Wanderschaft mit einer großen Mönchsgemeinde, zusammen mit fünfhundert Mönchen. Der ist nach Campa gekommen und weilt in Campa am Ufer des Gaggara-Sees. Diesen Gotama aber, den Erhabenen, umgeht solch hoher Ruhmesruf: Wahrlich, das ist der Erhabene, der Verehrungswürdige, der Voll-Erwachte, der in Wissen und Wandel Vollkommene, der Wegesmächtige, der Weltkenner, der unvergleichliche Lenker des Menschengespanns, der Lehrer der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‘ Um diesen Gotama, den Erhabenen, zu sehen, begaben sie sich dorthin.« »So begib dich denn, Torhüter, zu den Brahmanen und Haushabern von Campa und sage ihnen dieses: Sonadanda, der Brahmane, spricht so: Warten mögen doch die Herren! Auch Sonadanda,‘ der Brahmane, will hingehen, und den Büßer Gotama zu sehen.‘« »ja, Herr«, stimmte da jener Torhüter dem Brahmanen Sonadanda zu, begab sich zu den Brahmanen und Haushabern von Campa und bestellte dort dieses: »Sonadanda, ihr Herren, der Brahmane, spricht so: Warten mögen doch die Herren! Auch Sonadanda, der Brahmane, will hingehen, um den Büßer Gotama zu sehen.« Zu jener Zeit nun hielten sich fünfhundert Brahmanen aus verschiedenen Landesteilen in Campa auf in irgendeiner Angelegenheit. Und es hörten diese Brahmanen: »Sonadanda, heißt es, der Brahmane, will hingehen, um den Büßer Gotama zu sehen.« Da nun begaben sich diese Brahmanen zum Brahrnanen Sonadanda. Dort angelangt, sprachen sie zum Brahmanen Sonadanda so- »ist es wirklich wahr, daß der Herr Sonadanda hingehen will, um den Büßer Gotama zu sehen?« »Allerdings, ihr Herren, ist es so! Auch ich will hingehen, um den Büßer Gotama zu sehen.« »Nicht wolle doch der Herr Sonadanda hingehen, um den Büßer Gotama zu sehen. Es ist des Herrn Sonadanda nicht würdig, hinzugeben, um den Büßer Gotama zu sehen. Wenn der Herr Sonadanda hingeht, um den Büßer Gotama zu sehen, so wird des Herrn Sonadanda Ruhm schwinden, des Büßers Gotama Ruhm wird wachsen. Und weil des Herrn Sonadanda Ruhm schwinden wird, des Büßers Gotama Ruhm wachsen wird, aus diesem Grunde ist es des Herrn Sonadanda nicht würdig, hinzugeben, um den Büßer Gotama zu sehen; gerade des Büßers Gotama wäre es würdig, hinzugeben, um den Herrn Sonadanda zu sehen. Der Herr Sonadanda ist ja beiderseits wohlgeboren, von Mutterseite wie Vaterseite, rein empfangen bis hinauf zur siebenten Großväter-Folge, fleckenlos, untadelig dem Stammbaum nach. Und weil das so ist, so ist es aus diesem Grunde des Herrn Sonadanda nicht würdig, hinzugeben, um den Büßer Gotama zu sehen; doch gerade des Büßers Gotama wäre es würdig, hinzugeben, um den Herrn Sonadanda zu sehen. Der Herr Sonadanda ist reich, sehr begütert, sehr vermögend. Der Herr Sonadanda ist ein Gelehrter, bewandert in den Sprüchen, ein vollendeter Kenner der Drei-Veden, der religiösen Gesänge, samt den Wortverzeichnissen, den Silbenmaßen und den Legendenwerken fünftens; ein Wortkenner und Grammatiker, durchaus bewandert in Weltanschauungsfragen und in den Merkmalen des Großmenschen. Der Herr Sonadanda ist von schöner Gestalt, ansehnlich liebenswürdig, hat eine vollendet blütenreine Haut, Brahma gleichend: wie Brahma glänzend, eine Augenweide. Der Herr Sonadanda übt Zucht, er ist Zucht-beflissen, ist vollendet in der Zucht. Der Herr Sonadanda hat eine schöne Stimme, spricht gut, seine Sprache ist fein, sicher, fließend, deutlich. Der Herr Sonadanda ist für viele Lehrers-Lehrer, dreihundert junge Brahmanen lehrt er die Sprüche, und es kommen ja auch aus verschiedenen Himrnelsrichtungen, aus verschiedenen Ländern zahlreiche junge Brahmanen, die beim Herrn Sonadanda die Sprüche lernen wollen, begierig, sich die Sprüche anzueignen. Der Herr Sonadanda ist gebrälich, alt, bejahrt, hochbetagt, ein Greis geworden; der Büßer Gotama aber ist jung, hat erst jüngst der Welt entsagt. Der Herr Sonadanda wird vom Magadha-König Seniya Bimbisara geschätzt, wertgehalten, gewürdigt, verehrt, hochgeachtet. Der Herr Sonadanda wird vom Brahmanen Pokkharasati geschätzt, wertgehalten, gewürdigt, verehrt, hochgeachtet. Der Herr Sonadanda wohnt in Campa, einem reich belebten Ort, reich an Weide, Wald und Wasser, reich an Getreide, ein königlicher Besitz, vom Magadhakönig Seniya Bimbisara als Königsgabe, als Großschenkung ihm zu eigen gegeben. Aus allen diesen Gründen ist es des Herrn Sonadanda nicht würdig, hinzugeben, um den Büßer Gotama zu sehen; gerade des Büßers Gotama wäre es würdig, hinzugeben, um den Herrn Sonadanda zu sehen.« Auf diese Worte hin sprach der Brahmane Sonadanda zu jenen Brahmanen so: »So hört denn, ihr Herren, auch von mir, inwiefern es unserer würdig ist, hinzugeben, um den Herrn Gotama zu sehen, und inwiefern es eben des Herrn Gotama nicht würdig ist, hinzugeben, um uns zu sehen: Wahrlich, es ist ja doch der Büßer Gotama beiderseits wohlgeboren, von Mutterseite wie Vaterseite, rein empfangen bis hinauf zur siebenten Großväter-Folge, fleckenlos, untadelig dem Stammbaum nach. Einen großen Verwandtenkreis aufgebend, hat der Büßer Gotama der Welt entsagt. Wahrlich, viel Gold und Schätze, unter wie über der Erde, aufgebend, hat ja doch der Büßer Gotama der Welt entsagt. Wahrlich, jung, schwarzhaarig, im Besitz glücklicher Jugend, im ersten Mannesalter ist der Büßer Gotama aus dem Haus in die Hauslosigkeit hinausgezogen. Wahrlich, trotz seiner widerstrebenden Eltern, der tränenüberströmten, weinenden, hat ja doch der Büßer Gotama sich Haar und Bart scheren lassen, hat die dunkelgelben Gewänder angelegt und ist aus dem Haus in die Hauslosigkeit hinausgezogen. Wahrlich, der Büßer Gotama ist ja doch von schöner Gestalt, ansehnlich, liebenswürdig, hat eine vollendet blütenreine Haut, Brahma gleichend, wie Brahma glänzend, eine Augenweide. Wahrlich, der Büßer Gotama übt ja doch Zucht, ist edel in Züchten, recht in Züchten, vollendet in rechter Zucht. Wahrlich, der Büßer Gotama hat ja doch eine schöne Stimme, spricht gut, seine Sprechweise ist fein, sicher, fließend, deutlich. Wahrlich, der Büßer Gotama ist ja doch für viele Lehrers-Lehrer. Wahrlich, der Büßer Gotama hat ja doch die Lustgier vernichtet, frei geworden von lüsternem Schwanken. Wahrlich, der Büßer Gotama ist ja doch ein Künder eigenen Werkes, ein Künder eigenen Wirkens; im Unbösen hat er den Vorzug vor dem Brahmanenvolk. Wahrlich, der Büßer Gotama ist ja doch aus hoher Familie hinausgezogen, aus mächtiger Familie. Wahrlich, der Büßer Gotama ist ja doch aus reicher Familie hinausgezogen, aus sehr begüterter, sehr vermögende . Wahrlich, um den Büßer Gotama zu befragen, durchreisen sie ja doch Königreiche und Länder. Wahrlich, zu dem Büßer Gotama haben ja doch viele Tausende von Gottheiten für ihr Leben Zuflucht genommen. Wahrlich, den Büßer Gotama umgeht ja doch solch hoher Ruhmesruf: Das ist er, der Erhabene, der Verehrungswürdige, der Voll-Erwachte, der in Wissen und Wandel Vollkommene, der Wegesmächtige, der Weltkenner, der unvergleichliche Lenker des Menschengespanns, der Lehrer der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‘ Wahrlich, der Büßer Gotama ist ja doch mit den zweiunddreißig Merkmalen des Großmenschen begabt. Wahrlich, der Büßer Gotama spricht ja doch einladend, freundlich, gefällig, liebenswürdig, offenherzig, entgegenkommend. Wahrlich, der Büßer Gotama ist ja doch bei den vier Gemeinden geschätzt, wertgehalten, gewürdigt, verehrt, hochgeachtet. Wahrlich, zu dem Büßer Gotama haben ja doch viele Götter und Menschen Vertrauen. Wahrlich, in welchem Ort oder in welcher Stadt auch immer der Büßer Gotama sich aufhält, in der können ja doch die Unholde den Menschen nichts anhaben. Wahrlich, der Asket Gotama hat ja doch viele Anhänger, viele Schüler; als Lehrer übertrifft er die gewöhnlichen Sektenstifter. Und wie da so bei einigen Büßern und Brahmanen auf diese oder jene Weise der Ruhm zustande kommt, so ist er beim Büßer Gotama nicht zustande gekommen, sondern durch unvergleichliches Wissens- und Wandels-Vollkommenheit ist dieser Ruhm beim Büßer Gotama zustande gekommen. Wahrlich, beim Büßer Gotama haben ja doch der Magadha-König Seniya Bimbisara samt Weib und Kind, samt Anhang und Verwandtschaft für ihr Leben Zuflucht genomen. Wahrlich, beim Büßer Gotama haben ja doch der König Pasenach Kosala samt Weib und Kind, samt Anhang und Verwandtschaft für ihr Leben Zuflucht genommen. Wahrlich, beim Büßer Gotama haben ja doch der Brahmane Pokkharasati samt Weib und Kind, samt Anhang und Verwandtschaft für ihr Leben Zuflucht genommen. Wahrlich, der Büßer Gotama wird ja doch vom Magadha-König Seniya Bimbisara geschätzt, wertgehalten, gewürdigt, verehrt, hochgeachtet. Wahrlich, der Büßer Gotama wird ja doch vom König Pasenach Kosala geschätzt, wertgehalten, gewürdigt, verehrt, hochgeachtet. Wahrlich, der Büßer Gotama wird ja doch vom Brahmanen Pokkharasati geschätzt, wertgehalten, gewürdigt, verehrt, hochgeachtet. Wahrlich, der Büßer Gotama ist ja doch nach Campa gekommen, wohnt in Campa, am Ufer des Gaggara-Sees. Alle Büßer und Brahmanen aber, die in unser Dorfgebiet kommen, die sind unsere Gäste. Einen Gast aber müssen wir schätzen, werthalten, würdigen, verehren, hochachten. Aus allen diesen Gründen ist es des Büßers Gotama nicht würdig, hinzugeben, um uns zu sehen, sondern unser ist es würdig, hinzugeben, um dem Herrn Gotama zu sehen. Insofern kenne ich mich freilich im Lobe des Herrn Gotama aus; aber nicht nur insofern ist der Herr Gotama lobenswert, wahrhaft, endlos lobenswert ist der Herr Gotama.« Auf diese Worte hin sprachen die Brahmanen zum Brahmanen Sonadanda so: »Wie da der Herr Sonadanda das Lob des Büßers Gotama verkündet, so wäre das ja, selbst wenn der Herr Gotama hundert Meilen weit weg wohnte, für einen in Zutrauen ergebenen Edelgeborenen genug, hinzugeben, um den Herrn Gotama zu sehen, und wäre es auch mit dem Packen auf der eigenen Schulter. So wollen wir denn alle hingehen, um den Herrn Gotama zu sehen.« Da nun begab sich der Brahmane Sonadanda zusammen mit einer großen Brahmanenschar zum Gaggara-See. Da nun stieg dem Brahmanen Sonadanda, während er durch das Walddickicht schritt, bei sich folgender Gedanke hoch: »Wenn ich nun an den Büßer Gotama eine Frage richten würde und wenn dann der Büßer Gotama so zu mir sprechen würde: Nicht Brahmane, ist diese Frage so zu stellen; so, ja, Brahmane, ist diese Frage zu stellen‘, so würde daraufhin diese Versammlung mich geringschätzen: Ein Tor ist der Brahmane Soiiadanda, ein unfähiger Kopf; er war nicht imstande, an den Büßer Gotama eine vernünftig gestellte Frage zu richten.‘ Wen nun aber diese Versammlung geringschätzen wird, dessen Ruhm würde schwinden; wem aber der Ruhm schwindet, dessen Reichtum würde auch schwinden - der Besitz des Ruhms bedingt ja für uns den Reichtum. Wenn nun aber seinerseits der Büßer Gotama an mich eine Frage richten würde und ich würde durch die Beantwortung dieser Frage nicht befriedigen und der Büßer Gotama dann so zu mir sprechen würde. Nicht, Brahmane, ist diese Frage so zu beantworten; so ja, Brahmane, ist diese Frage zu beantworten‘, so würde daraufhin diese Versammlung mich geringschätzen: Ein Tor ist der Brahmane Sonadanda, ein unfähiger Kopf; er war nicht imstande, durch die Beantwortung der Frage des Büßers Gotama zu befriedigen.‘ Wen nun aber diese Versammlung gering schätzen würde, dessen Ruhm würde schwinden; wem aber der Ruhm schwindet, dessen Reichtum würde auch schwinden - der Besitz des Ruhmes bedingt ja für uns den Reichtum. Wenn ich nun aber, nachdem ich schon so nahe gekommen bin, wieder umkehren würde, ohne den Büßer Gotama gesehen zu haben, so würde auch daraufhin diese Versammlung mich geringschätzen: Ein Tor ist der Brahmane Sonadanda, ein unfähiger Kopf, stolz, verstockt und furchtsam. Er hat es nicht gewagt, hinzugeben, um den Büßer Gotama zu sehen; wie wird er denn sonst, nachdem er schon so nahe gekommen war, wieder umkehren, ohne den Büßer Gotama gesehen zu haben?‘ Wen nun aber diese Versammlung geringschätzen würde, dessen Ruhm würde schwinden; wem aber der Ruhm schwindet, dessen Reichtum würde auch schwinden - der Besitz des Ruhmes bedingt ja für uns den Reichtum.« Da nun begab sich der Brahmane Sonadanda zum Erhabenen; dort angelangt, begrüßte er sich freundlich mit dem Erhabenen und ließ sich nach den üblichen Begrüßungsworten seitwärts nieder. Und von den Brahmanen und Haushabern von Campa begrüßten einige ehrfurchtsvoll den Erhabenen und ließen sich seitwärts nieder, einige begrüßten sich freundlich mit dem Erhabenen und ließen sich seitwärts nieder, einige erhoben die aneinandergelegten Hände gegen den Erhabenen hin und ließen sich seitwärts nieder, einige nannten Namen und Geschlecht und ließen sich seitwärts nieder, einige ließen sich schweigend seitwärts nieder. Und es saß da der Brahmane Sonadanda immer noch ganz in seine Gedanken versunken: »Ach, daß mir doch der Büßer Gotama aus meinem eigenen Lehrgebiet, den Drei-Veden, eine Frage stellte! Sicherlich würde ich ihn ja mit der Beantwortung der Frage zufriedenstellen.« Da nun kam dem Erhabenen, der im Geist die Erwägungen des Brahmanen Sonadanda erkannte, der Gedanke: »Quälen tut sich ja dieser Brahmane Sonadanda in seinem Innern. Sollte ich nun nicht aus seinem eigenen Lehrgebiet, den Drei-Veden, eine Frage an ihn richten?« Da nun sprach der Erhabene zum Brahmanen Sonadanda so: »Einen mit wieviel Stücken Begabten, Brahmane, erklären die Brahmanen als Brahmanen, so daß einer, der da sagte: Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte?« Da nun kam dem Brahmanen Sonadanda der Gedanke: »Was wir gewünscht, was wir erwartet, was wir erhofft, was wir ersehnt hatten: Ach, daß mir doch der Büßer Gotama aus meinem eigenen Lehrgebiet, den Drei-Veden, eine Frage stellte! Sicherlich würde ich ihn ja mit der Beantwortung der Frage zufriedenstellen‘ - aus diesem meinem eigenen Lehrgebiet stellt mir nun der Büßer Gotama eine Frage. Sicherlich werde ich ihn mit der Beantwortung der Frage zufriedenstellen.« Da nun richtete der Brahmane Sonadanda sich hoch auf, und über die Versammlung hinblickend, sprach er zum Erhabenen so: »Den mit fünf Stücken, Herr Gotama, Begabten erklären die Brahmanen als Brahmanen, so daß einer, der da sagte- Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte. Welche fünf? Da ist ein Brahmane, beiderseits wohlgeboren, von Mutterseite wie Vaterseite, rein empfangen bis hinauf zur siebenten Großväter-Folge, fleckenlos, untadelig dem Stammbaum nach. Er ist ein Gelehrter, bewandert in den Sprüchen, ein vollendeter Kenner der Drei-Veden, der religiösen Gesänge, samt den Wortverzeichnissen und samt den Silbenmaßen und den Legendenwerken fünftens; ein Wortkenner und Grammatiker, durchaus bewandert in Weltanschauungsfragen und in den Merkmalen des Großmenschen. Er ist von schöner Gestalt, ansehnlich, liebenswürdig, hat eine vollendet blütenreine Haut, Brahma gleichend, wie Brahma glänzend, eine Augenweide. Er übt Zucht, er ist Zucht-beflissen, ist vollendet in der Zucht. Er ist weise, klug, der erste oder zweite von denen, die den Opferlöffel halten. Den mit diesen fünf Stücken Begabten erklären die Brahmanen als Brahmanen, so daß einer, der da sagte Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte.« »Kann man nun, Brahmane, von diesen fünf Stücken eines fortlassen und den mit vier Stücken Begabten einen Brahmanen nennen, so daß einer, der da sagte. Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte?« »Man kann es, Herr Gotama. Von diesen fünf Stücken lassen wir das Aussehen fort. Was wird denn auch das Aussehen machen! Wenn, Herr Gotama, ein Brahmane beiderseits wohlgeboren ist, von Mutterseite wie Vaterseite rein empfangen bis hinauf zur siebenten Großväter-Folge, fleckenlos, untadelig dem Stammbaum nach; wenn er ein Gelehrter ist, bewandert in den Sprüchen, ein vollkommener Kenner der Drei-Veden, der religiösen Gesänge samt den Wortverzeichnissen und samt den Silbenmaßen und den Legendenwerken fünftens; ein Wortkenner und Grammatiker, durchaus bewandert in Weltanschauungsfragen und in den Merkmalen des Großmenschen; wenn er Zucht übt, Zucht-beflissen ist, vollendet in der Zucht; wenn er weise ist, klug, der erste oder zweite von denen, die den Opferlöffel halten - einen mit diesen vier Stücken, Herr Gotama, Begabten erklären die Brahmanen als Brahmanen, so daß einer, der da sagte: Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte.« »Kann man nun, Brahmane, von diesen vier Stücken eines fortlassen und den mit drei Stücken Begabten einen Brahmanen nennen, so daß einer, der da sagte. Ich bin Brahmane‘, recht hätte und sich keiner Lüge schuldig machte?« »Man kann es, Herr Gotama. Von diesen vier Stücken lassen wir die Sprüche fort. Was werden denn auch die Sprüche machen! Wenn, Herr Gotama, ein Brahmane beiderseits wohlgeboren ist, von Mutterseite wie Vaterseite, rein empfangen bis hinauf zur siebenten Großväter-Folge, fleckenlos, untadelig dem Stammbaum nach; wenn er Zucht übt, Zucht-beflissen ist, vollendet in der Zucht; wenn er weise ist, klug, der erste oder zweite von denen, die den Opferlöffel halten - einen mit diesen drei Stücken, Herr Gotama, Begabten erklären die Brahmanen als Brahmanen, so daß einer, der da sagte: Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte.« »Kann man nun, Brahmane, von diesen drei Stücken eines fortlassen und den mit zwei Stücken Begabten einen Brahmanen nennen, so daß einer, der da sagte. Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte?« »Man kann es, Herr Gotama. Von diesen drei Stücken lassen wir die Geburt fort. Was wird denn auch die Geburt machen! Wenn, Herr Gotama, ein Brahmane Zucht übt, Zucht-beflissen ist, vollendet in der Zucht; wenn er weise ist, klug, der erste oder zweite von denen, die den Opferlöffel halten - einen mit diesen zwei Stücken, Herr Gotama, Begabten erklären die Brahmanen als Brahmanen, so daß einer, der da sagte: Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte.« Auf diese Worte hin sprachen jene Brahmanen zum Brahmanen Sonadanda so: »Nicht soll der Herr Sonadanda so sprechen! Nicht soll der Herr Sonadanda so sprechen! Wegwerfend spricht ja der Herr Sonadanda über das Aussehen, wegwerfend spricht er über die Lehrsprüche, wegwerfend spricht er über die Geburt. Notwendig geht ja der Herr Sonadanda zur Lehre des Büßers Gotama über.« Da nun sprach der Erhabene zu jenen Brahmanen so: »Wenn ihr Brahmanen der Ansicht seid: Nicht erfahren ist der Brahmane Sonadanda; kein guter Redner ist der Brahmane Sonadanda; nicht weise ist der Brahmane Sonadanda; nicht fähig ist der Brahmane Sonadanda, mit dem Büßer Gotama über diesen Gegenstand sich auseinanderzusetzen‘, so sei abgetan der Brahmane Sonadanda, ihr mögt euch dann mit mir auseinandersetzen. Wenn ihr Brahmanen aber der Ansicht seid: Vielerfahren ist der Brahmane Sonadanda; ein guter Redner ist der Brahmane Sonadanda; weise ist der Brahmane Sonadanda; fähig ist der Brahmane Sonadanda, mit dem Büßer Gotama über diesen Gegenstand sich auseinanderzusetzen‘, so mögt ihr abgetan sein, und der Brahmane Sonadanda mag sich mit mir auseinandersetzen.« Auf diese Worte hin sprach der Brahmane Sonadanda zum Erhabenen so: »Abgetan mag sein, Herr Gotama! Schweigen soll herrschen, Herr Gotama! Ich werde ja diesen hier eine Antwort geben, wie sie recht ist.« Da nun sprach der Brahmane Sonadanda zu jenen Brahmanen so: »Nicht sollen die Herren so reden: Wegwerfend spricht ja der Herr Sonadanda über das Aussehen, wegwerfend spricht er über die Lehrsprüche, wegwerfend spricht er über die Geburt: notwendig geht ja der Herr Sonadanda zur Lehre des Büßers Gotama über.‘ Durchaus nicht spreche ich wegwerfend über das Aussehen oder über die Lehrsprüche oder über die Geburt.« Damals nun saß des Brahmanen Sonadanda Schwestersohn, ein junger Brahmane namens Angaka, mit in dieser Versammlung. Da nun sprach der Brahmane Sonadanda zu jenen Brahmanen so: »Sehen wohl die Herren diesen jungen Angaka, unsern Schwestersohn?« »ja, Herr!« »Der junge Angaka ist ja wirklich von schöner Gestalt, ansehnlich, liebenswürdig, hat eine vollendet blütenreine Haut, Brahma gleichend, wie Brahma glänzend, eine Augenweide. In dieser Versammlung ist in Bezug auf das Aussehen ihm niemand gleich, den Büßer Gotama ausgenommen. Der junge Angaka ist ja wirklich ein Gelehrter, bewandert in den Sprüchen, ein vollendeter Kenner der Drei-Veden, der religiösen Gesänge samt den Wortverzeichnissen und samt den Silbenmaßen und den Legendenwerken fünftens; ein Wortkenner und Grammatiker, durchaus bewandert in Weltanschauungsfragen und in den Merkmalen des Großmenschen. Ich habe ihn die Sprüche gelehrt. Der junge Angaka ist ja wirklich beiderseits wohlgeboren, von Mutterseite wie Vaterseite, rein empfangen bis hinauf zur siebenten Großväter-Folge, fleckenlos, untadelig dem Stammbaum nach. Ich kenne seine beiden Eltern. Wenn aber der junge Angaka Lebendes tötete, Nichtgegebenes nähme, zum Weib eines andern ginge, Unwahres redete, Berauschendes tränke, was wird ihm dann da das Aussehen machen, was die Spruchweisheit, was die Geburt? Wenn aber ein Brahmane Zucht übt, Zucht-beflissen ist, vollendet in Zucht; wenn er weise ist, klug, der erste oder zweite von denen, die den Opferlöffel halten wahrlich, den mit diesen zwei Stücken Begabten erklären die Brahmanen als Brahmanen, so daß einer, der sagte: Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte.« »Kann man nun, Brahmane, von diesen zwei Stücken eines fortlassen, und den mit einem Stück Begabten einen Brahmanen nennen, so daß einer, der da sagte: Ich bin Brahmane‘, recht spräche und sich keiner Lüge schuldig machte?« »Nein, Herr Gotama! In der Zucht, Herr Gotama, reinigt sich ja Weisheit, in der Weisheit reinigt sich Zucht. Wieweit Zucht soweit Weisheit, wieweit Weisheit, soweit Zucht. Dem Zuchtvollen eignet Weisheit, dem Weisheitsvollen eignet Zucht. Und Zucht und Weisheit sind in der Welt das beste. Gleich als wenn man, Herr Gotama, mit der. Hand die Hand wüsche, mit dem Fuß den Fuß wüsche, ebenso auch, Herr Gotama, reinigt sich ja in der Zucht die Weisheit, reinigt sich in der Weisheit die Zucht. Wieweit Zucht, soweit Weisheit; wieweit Weisheit, soweit Zucht. Dem Zuchtvollen eignet Weisheit, dem Weisheitvollen eignet Zucht. Und Zucht und Weisheit sind in der Welt das beste.« »So ist es, Brahmane! In der Zucht, Brahmane, reinigt sich ja Weisheit, in der Weisheit reinigt sich Zucht. Wieweit Zucht, soweit Weisheit; wieweit Weisheit, soweit Zucht. Dem Zuchtvollen eignet Weisheit, dem Weisheitvollen eignet Zucht. Und Zucht und Weisheit sind in der Welt das beste. Was aber, Brahmane, ist das für eine Zucht? Was ist das für eine Weisheit?« »Soviel allerhöchstens, Herr Gotama, wissen wir über diesen Gegenstand. Dank, wahrlich, würden wir ja dem Herrn Gotama wissen, wenn er den Sinn dieser Rede klären wollte.« »So höre denn, Brahmane, achte wohl auf, ich werde reden.« »ja, Herr«, erwiderte da der Brahmane Sonadanda dem Erhabenen. Der Erhabene sprach so: »Da erscheint, Brahmane, der Vollendete in der Welt, der Verehrungswürdige, der Voll-Erwachte. Der zeigt die Lehre, die im Anfang gute, die in der Mitte gute, die am Ende gute, nach ihrem eigenen Sinn, nach ihrer eigenen Fassung; das ganz vollkommen geklärte Reinheitsleben verkündet er. Diese Lehre hört ein Haushaber oder der Sohn eines Haushabers oder einer, der in anderem guten Stand wiedergeboren ist. Nachdem der diese Lehre gehört hat, faßt er Vertrauen zum Vollendeten. Erfüllt von diesem Vertrauen, überlegt er so: Ein Gedränge ist das Hausleben, eine Schmutzgasse; der freie Weltenraum ist die Pilgerschaft. Nicht wohl ist es angängig, beim Leben im Hause das ganz vollendete, ganz geklärte, muschelblanke Reinheitsleben zu führen. Sollte ich nicht mir Haar und Bart scheren lassen, die dunkelgelben Gewänder anlegen und aus dem Haus in die Hauslosigkeit hinausziehen?‘ Der läßt sich dann nach einiger Zeit, nachdem er ein kleines Besitztum aufgegeben hat oder ein großes Besitztum aufgegeben hat, nachdem er einen kleinen Verwandtenkreis aufgegeben hat oder einen großen Verwandtenkreis aufgegeben hat, Haar und Bart scheren, legt die dunkelgelben Gewänder an und zieht aus dem Haus in die Hauslosigkeit hinaus. So hinausgezogen, lebt er dann in edler Zucht, in edler Vertiefung, in edler Weisheit, und er erkennt: Vernichtet ist Geburt, ausgelebt das Reinheitsleben, vollbracht die Aufgabe, nichts weiteres mehr nach diesem hier.- Auf diese Worte hin sprach der Brahmane Sonadanda zum Erhabenen so: »Vortrefflich, Herr Gotama, vortrefflich, Herr Gotama! Wie wenn einer, Herr Gotama, Umgestürztes wieder aufrichtete oder Zugedecktes öffnete oder einem Verirrten den Weg zeigte oder eine Lampe in der Dunkelheit hielte: die da Augen haben, werden die Dinge sehen - ebenso ist da vom Herrn Gotama auf mannigfache Weise die Lehre gezeigt worden. So nehme ich beim Herrn Gotama die Zuflucht, bei der Lehre und bei der Mönchsgemeinde. Als Anhänger möge der Herr Gotama mich halten, als einen, der von heute ab für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat. Möge der Herr Gotama einwilligen, von mir morgen das Mahl anzunehmen zusammen mit der Mönchsgemeinde.« Es willigte der Erhabene ein durch Schweigen. Da nun, nachdem der Brahmane Sonadanda die Einwilligung des Erhabenen erkannt hatte, erhob er sich von seinem Sitz, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll, machte die Rechtsumwandlung und ging fort. Da nun, nach Ablauf dieser Nacht, ließ der Brahmane Sonadanda in seiner Behausung ausgesuchte feste und flüssige Speisen herrichten und dann dem Erhabenen die Zeit anzeigen: ES ist Zeit, Herr Gotama; das Mahl ist bereit.‘ Da nun, nachdem der Erhabene zur Morgenzeit sich angekleidet und Mantel und Almosenschale genommen hatte, begab er sich zusammen mit der Mönchsgemeinde zur Wohnung des Brahmanen Sonadanda. Dort angelangt, ließ er sich auf dem zubereiteten Sitz nieder. Da nun bewirtete, sättigte der Brahmane Sonadanda die Mönchsgemeinde, den Buddha an der Spitze, mit ausgesuchter fester und flüssiger Speise, mit eigener Hand. Da nun, nachdem der Erhabene gegessen und die Schale aus der Hand gelegt hatte, nahm der Brahmane Sonadanda irgendeinen niedrigen Sitz und ließ sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend, sprach dann der Brahmane Sonadanda zum Erhabenen so: »Wenn ich nun zwar, Herr Gotama, in einer Versammlung befindlich, mich vom Sitz erheben und den Herrn Gotama ehrfurchtsvoll begrüßen würde, so würde deswegen diese Versammlung mich geringschätzen. Wen aber diese Versammlung geringschätzen würde, dessen Ruhm würde schwinden; wem aber der Ruhm schwindet, dessen Reichtum würde auch schwinden - der Besitz des Ruhmes bedingt ja für uns den Reichtum. Wenn ich nun also, Herr Gotama, in einer Versammlung befindlich, die aneinandergelegten Hände ausstrecken so möge als ein vom Sitz Erheben der Herr Gotama mir das aufnehmen. Wenn ich nun also, Herr Gotama, in einer Versammlung befindlich, die Kopfbedeckung abnehme, so möge als ein ehrfurchtsvolles Verneigen mit dem Haupt der Herr Gotama mir das aufnehmen. Wenn ich nun zwar, Herr Gotama, in einem Wagen fahrend, vom Wagen absteigen und den Herrn Gotama ehrfurchtsvoll begrüßen würde, so würde deswegen diese Versammlung mich geringschätzen. Wen aber diese Versammlung geringschätzen wurde, dessen Ruhm würde schwinden; wem aber der Ruhm schwindet, dessen Reichtum würde auch schwinden - der Besitz des Ruhmes bedingt ja für uns den Reichtum. Wenn ich nun also, Herr Gotama, in einem Wagen fahrend, den Stachelstock erhebe, so möge als ein vom Wagen Absteigen der Herr Gotama mir das aufnehmen. Wenn ich nun also, Herr Gotama, in einem Wagen fahrend, die Hand schwenke, so möge als ein ehrfurchtsvolles Verneigen mit dem Haupt der Herr Gotama mir das aufnehmen.« Da nun, nachdem der Erhabene den Brahmanen Sonadanda in belehrendem Gespräch unterwiesen, angeregt, bestärkt, erheitert hatte, erhob er sich von seinem Sitz. und ging fort. Digha-Nikaya

 

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